Angreifer des VfB Stuttgart „Zeug zur WM-Stammkraft“ – Lothar Matthäus schwärmt von Nick Woltemade

Derzeit in aller Munde – auch bei Lothar Matthäus: VfB-Offensivmann Nick Woltemade. Foto: imago/Beautiful Sports/Steinsiek

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist Stargast beim Stuttgarter Tennisturnier – und hat ein paar knackige Botschaften zum VfB im Gepäck.

Sport: Marco Seliger (sem)

Lothar Matthäus ist ein viel gefragter Mann am Samstag auf dem Weissenhof. Sehen und gesehen werden, darum geht es ja auch beim Schaulaufen fernab der Tenniscourts beim Stuttgarter Rasenturnier.

 

Und, was soll man sagen: Es wollen viele Menschen mit dem Rekordnationalspieler gesehen werden und am besten noch ein Pläuschchen halten am Rande der Plätze – weshalb sich der anvisierte Gesprächstermin mit Matthäus auf der riesigen VIP-Terrasse der Boss Open auf dem Killesberg immer wieder nach hinten schiebt. Dann aber kommt Matthäus doch noch in die Sofaecke. Der Weltmeister von 1990 ist entspannt und gut gelaunt. Trubel ist er ja gewohnt. Fester Händedruck, kurzer Smalltalk – los geht’s.

Tennisfan sei er schon immer gewesen, sagt Matthäus, der ja als Fußballexperte für mehrere TV-Sender omnipräsent auf den Bildschirmen ist. Und, mehr noch: Matthäus hat lange selbst Tennis gespielt: „In meiner ersten Zeit bei Bayern München in den 80er-Jahren war ich sogar mal regelmäßig in der Kreisliga am Ball – beim DJK Fasangarten. Den Verein gibt es immer noch.“ Jetzt aber sei kaum noch Zeit für Tennis oder Golf. Stattdessen joggt der topfitte 64-Jährige fünfmal in der Woche jeweils eine Stunde lang durch den Englischen Garten in München und hält sich Zuhause obendrein mit Stabilisationsübungen fit.

„Deniz Undav war ja wie Nick Woltemade“

Beim Sport kommt man ja bisweilen auf die besten Gedanken – und weil Matthäus in Stuttgart ist, hat er nun im Schatten der Weissenhof-Terrasse einige knackige Botschaften zum VfB im Gepäck. Klar, vieles dreht sich da aktuell um den Senkrechtstarter und Fan-Liebling Nick Woltemade. Matthäus aber gießt gleich etwas Wasser in den Wein, er sagt: „Deniz Undav war ja wie Nick Woltemade jetzt auch der Liebling der Massen – die vergangene Saison hat aber gezeigt, dass es in einer Entwicklung auch sehr schnell mal wieder in die andere Richtung gehen kann, wenn du mal nicht mehr so fokussiert und dabei bist.“

Undav durchschritt nach seinem Höhenflug eine leichte Talsohle im Verlauf der vergangenen Saison. Matthäus sagt nun zu Woltemade: „Bei ihm habe ich den Eindruck aber nicht, dass das passieren wird.“ Er kenne den Angreifer, so Matthäus weiter, schon zu seiner Zeit bei Werder Bremen. „Da war er schon ‚mein‘ Spieler, als er noch nicht so im Rampenlicht stand, er ist schon als Einwechselspieler bei Werder immer aufgefallen.“ Woltemade habe da schon besondere Dinge gemacht, sagt Matthäus – der noch eine Anekdote auf Lager hat. Mit Wolff Fuß kommentiert der Experte ja die Live-Spiele beim Bezahlsender Sky: „Wolff hat mich bei meinen Schwärmereien für Woltemade zu den Bremer Zeiten immer angeschaut und gefragt: ‚Was siehst du denn an ihm?‘“ Seine Antwort sei stets gewesen: „Etwas Besonderes.“

Woltemade Stammkraft bei der WM 2026?

Nun spielt Woltemade auch bei der U-21-EM aktuell so besonders und gut, dass er weiter in aller Munde ist. Zuletzt feierte der VfB-Angreifer ja zudem sein Debüt unter Bundestrainer Julian Nagelsmann. Für Matthäus ist mit Blick auf die WM 2026 klar: „Nick Woltemade hat das Zeug zur Stammkraft bei der WM – er kann vorne den Unterschied machen. Wenn es mal nicht so gut läuft für die gesamte Mannschaft, würde ich mich als Trainer immer auf ihn verlassen.“

Woltemade, so Matthäus weiter, sei zudem ein lockerer Typ, der gut sei für die Stimmung in einer Mannschaft: „Er ist auch in seinen Interviews sehr unterhaltsam – zwar noch nicht ganz so wie Thomas Müller, aber auch da kann er ja noch hinkommen. Er muss im Gesamten nur bei sich selbst bleiben.“

Das gilt so wohl auch für den VfB-Trainer Sebastian Hoeneß – auf den Matthäus das nächste Loblied singt: „Er macht einen super Job, nicht nur ergebnismäßig. Sebastian kommt bei der Mannschaft gut an, er hat einen sehr guten Draht zum Team, das komplett mitzieht – auch die Jungs, die hintendran sind.“

Matthäus lobt Wehrle

Ein Erfolgsgeheimnis des VfB, so Matthäus weiter, sei auch, dass Ruhe eingekehrt sei im gesamten Verein: „Ich sage das immer, nicht nur mit dem Blick auf Stuttgart: Wenn du Ruhe hast, stimmen die Ergebnisse.“ Einen großen Anteil habe daran der Vorstandschef Alexander Wehrle: „Ich bin in regelmäßigem Kontakt mit ihm“, sagt Matthäus: „Ich weiß, dass er sehr viel Spaß an seiner Arbeit hat.“ Wirtschaftlich stimme es dank Wehrle auch beim VfB, ergänzt der Rekordnationalspieler: „Die Verantwortlichen können optimistisch in die Zukunft schauen – nur sollte man mit Blick auf das Sportliche in der Bundesliga nicht mehr so eine Negativserie hinlegen wie zuletzt in der Rückrunde.“

Die Aussichten und Ambitionen der Weiß-Roten? Auch dazu hat Matthäus in der Sofaecke auf dem Killesberg zum Schluss eine klare Meinung: „Eine Platzierung zwischen Platz drei und sieben in der Bundesliga ist Pflicht für den VfB in den nächsten Jahren.“

Dann steht der Weltmeister von 1990 auf und erfüllt seine ganz persönliche Pflicht am frühen Samstagmittag: Einfach Lothar Matthäus sein – und damit erst einmal die nächsten Selfiewünsche auf der Terrasse erfüllen.

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