Angriff in Stuttgart-Sonnenberg Mischlingshund reißt Schaf auf Streuobstwiese

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Im Kressart in Stuttgart-Sonnenberg ist es zu einem Vorfall gekommen: Ein Hund ist über einen Zaun gesprungen und hat ein Schaf gerissen. Das Frauchen wollte sich aus dem Stau machen, konnte aber festgehalten werden, bis die Polizei eintraf.

Ein Foto aus besseren Tagen: Esel Fritzi und die drei Schafe leben gemeinsam auf der Kressart-Streuobstwiese Foto: privat/Kim Funk-Fritsch
Ein Foto aus besseren Tagen: Esel Fritzi und die drei Schafe leben gemeinsam auf der Kressart-Streuobstwiese Foto: privat/Kim Funk-Fritsch

Sonnenberg - Die Schäferin Kim Funk-Fritsch ist in Sonnenberg bekannt. Zusammen mit dem Reyerhof hat sie die Kressart-Streuobstwiese in Sonnenberg gepachtet. Dort stehen auch ihre drei Schafe und ihr Esel Fritzi. Ihr Reich ist mit einem 90 Zentimeter bis 1,10 Meter hohem Stromzaun umgeben. Doch dieser konnte das 80 Kilogramm schwere Schaf Momo am Samstagnachmittag nicht vor dem Angriff eines Belgischen Schäferhund-Mischlings bewahren.

Funk-Fritsch selbst war nicht vor Ort, als es passierte. Dafür aber eine befreundete Familie, die in unmittelbarer Nähe einen Kleingarten hat. Sie hörten den Esel Fritzi schreien. Zunächst hätten sie sich nichts Schlimmes dabei gedacht, berichtet die Schäferin und ergänzt: „Sie glaubten, dass Fritzi sich vielleicht über sein Futter freute.“ Doch als der Esel nicht aufhörte, schauten die Eltern nach dem Rechten. Was sie sahen, war grausam. Ein Hund war über eines der Schafe hergefallen. Der Mann holte einen Knüppel. Ihm gelang es, den Hund vom Schaf zu trennen. Dann kam auch die Hundebesitzerin. Sie nahm ihren Vierbeiner und wollte sich einfach davonmachen. Doch der Mann hielt sie auf und fest, bis die Polizei kam.

Ob das Schaf überlebt, ist noch nicht sicher

Die Polizei hat nur eine vergleichsweise kurze Aktennotiz. Man habe den Vorfall an das Ordnungsamt der Stadt weitergegeben, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage. Denn verletzte Tiere sind Sachbeschädigung. Kim Funk-Fritsch fällt es schwer, die Angelegenheit so nüchtern zu sehen. „So etwas Brutales habe ich noch nie erlebt“, sagt sie. Das Schaf sei nur noch ein Fetzen gewesen. Zwei Stunden lang sei eine Tierärztin vor Ort gewesen und habe es mit 70 Stichen genäht. „Momo ist am Leben, aber es geht ihm nicht gut. Er bekommt Schmerzmittel und hat eine offene Wunde. Wenn sich die entzündet, haben wir ein Problem“, sagt die Schäferin. Momo sei ihr Kinderschaf. Er sei besonders zutraulich, Kinder würden ihm sogar vorlesen, und er würde mit ihnen kuscheln.

Der Hund, der ihren Liebling so zugerichtet hat, ist für Funk-Fritsch eine Kampfmaschine. „Er hat es bewusst gemacht. Er hat einen mit Strom gesicherten Zaun übersprungen. Wenn so ein Hund erst einmal Blut geleckt hat, dann macht er es immer wieder.“ Für Funk-Fritsch ist klar: Hunde gehören an die Leine, insbesondere in einem Landschaftsschutzgebiet wie dem Kressart und insbesondere, wenn ihre Besitzer sie nicht im Griff haben. Rund um die Wiese seien schließlich auch viele Familien unterwegs. „So ein Hund kann auch mal auf ein Kind losgehen“, befürchtet Funk-Fritsch. Die Hundehalterin hingegen sei nur wenig einsichtig gewesen. „Sie beteuerte, dass ihr Hund so etwas noch nie gemacht habe. Und sie meinte, dass ein Hund nun einmal vom Wolf abstamme.“ Das Schlimmste aber sei gewesen, dass die Frau sich einfach habe davonmachen wollen, ohne sich um das verletzte Schaf zu kümmern.

Ausflügler picknicken auf der Futterwiese

Freilaufende Hunde regen Funk-Fritsch zwar bei Weitem am meisten auf. Aber es ist nicht das Einzige, was sie stört. Gerade jetzt in der Corona-Krise seien viele Menschen rund um die Kressart-Wiese unterwegs gewesen. Manche hätten auf der Wiese gepicknickt und das hohe Gras flach gedrückt. „Ich habe sie dann darauf aufmerksam gemacht, dass das eine Futterwiese ist und wir das Heu brauchen“, sagt die Schäferin. Auch Schilder würden darauf hinweisen. Doch viele Ausflügler ignorieren sie. „Sie laufen und fahren mit Fahrrädern und Kinderwagen mittendurch“, sagt Funk-Fritsch. Manche würden die Schafe und den Esel auch mit Bio-Keksen und anderen Dingen füttern. „Die können davon aber krank werden“, klärt die Schäferin auf und fügt hinzu: „Ich gehe doch auch nicht in die Gärten der Leute und füttere ihre Kinder mit Pralinen.“ Nun hofft Kim Funk-Fritsch, dass Momo den Angriff überleben wird. Und dass sich künftig alle Spaziergänger zum Wohle der Tiere etwas umsichtiger verhalten.

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