Angriffe auf Bahnpersonal Corona verstärkt die Verrohung

Die Polizei muss das Maskentragen in Zügen durchsetzen – das Zugbegleitpersonal darf auf Verstöße nur hinweisen. Foto: picture alliance/dpa/Annette Riedl

Angriffe auf das Zugpersonal sind nur ein Signal von vielen für eine gesellschaftliche Fehlentwicklung. Corona wirkt da wie ein Brandbeschleuniger. Doch die Politik reagiert zu zögerlich, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Diese Entwicklung darf niemanden überraschen: Schon vor Corona haben die Gewerkschaften immer wieder darauf hingewiesen, dass Aggression oder gar Brutalität gegenüber Beschäftigten des öffentlichen Dienstes stetig zunehmen. Geschlagen, bespuckt oder attackiert – solche Vorfälle sind an der Tagesordnung. Polizisten oder Rettungskräfte kann es genauso treffen wie Busfahrer, Ticketkontrolleure oder Mitarbeiter von Jobcentern oder Sozialämtern. Das ist nicht nur Respektlosigkeit – das Gewaltmonopol des Staates wird seit Jahren von immer mehr Menschen in Frage gestellt.

 

Trend der Verrohung weit über die Querdenker hinaus

Die Pandemie hat den Trend der Verrohung weit über die Querdenker hinaus noch verschärft. Daher stehen nun die Zugbegleiter im Fokus. Sie müssen das Maskentragen kontrollieren, nachdem die Regierenden ihnen anfangs noch die Durchsetzungspflicht aufbürden wollten. Diese hat seither die Bahnpolizei, doch wurde das Zugpersonal an die Corona-Front geschickt, ohne dass es besonders unterstützt worden wäre. Die Frage ist allgemeingültig: Was folgt aus immer neuen Hiobsbotschaften? Die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt, doch selbst das lange geforderte Melderegister lässt der Bund noch vermissen. Es dauert zu lange, bis sie sich ernsthaft der Sache annimmt.

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