Angststörungen und Panikattacken Ab wann werden Phobien krankhaft?

Eine Phobie ist eine extreme Angst vor bestimmten Situationen, Tieren oder Objekten. Foto: unsplash/Andrey Metelev

Ob vor Spinnen, kleinen Räumen oder Menschenmassen: Phobien sind weit verbreitet und für Betroffene oft eine starke Belastung. Der Stuttgarter Diplompsychologe Oliviero Lombardi erklärt, wo die Grenze zwischen normalen Befindlichkeiten und einer psychischer Erkrankung liegt.

Im engen Aufzug in den fünften Stock fahren, sich durch Menschenmassen auf der Königstraße quetschen oder im Flugzeug vor lauter Turbulenzen durchgeschüttelt werden: Manche Situationen in unserem Leben sind einfach unbequem. Dennoch bringen sie uns ans Ziel, sei es auf die Urlaubsinsel oder eben in den fünften Stock.

 

Aber nur weil wir kein Freund von Menschenmassen sind, haben wir nicht gleich eine Phobie, oder? Wenn uns Ängste so einschränken, dass ein Alltag nicht mehr möglich ist, sollten wir jedoch aktiv werden. Der Stuttgarter Diplompsychologe Oliviero Lombardi erklärt, wo die Grenze zwischen normalen Befindlichkeiten und psychischer Erkrankung liegt.

Viele Ängste sind gesellschaftlich akzeptiert, gelten fast als normal. Ich würde behaupten, dass die wenigsten eine haarige Spinne streicheln wollen. Wie aber unterscheidet sich diese Abneigung von einer Phobie mit Krankheitswert?

Es gibt Phobien, die weit häufiger verbreitet sind als andere. Dadurch sind sie bekannter und gesellschaftlich akzeptierter. Aber auch diese Phobien können Menschen bei entsprechender Ausprägung massiv beeinträchtigen. Zum Problem wird die Angst aber erst, wenn sie das Leben der Betroffenen beeinträchtigt. Beispielsweise wenn Räume, in denen einst eine Spinne gesehen wurde, nicht mehr betreten werden können.

Bei einer Phobie denken wir oft an Höhenangst oder Platzangst. Sind das in Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Phobien oder gibt es uns weniger präsente, die dennoch sehr verbreitet sind?

Die häufigsten Phobien sind Platzangst, Spinnenangst, Flugangst, Höhenangst und die Angst vor sozialen Kontakten. Außerdem sollte an dieser Stelle auch die Hypochondrie genannt werden, die krankhafte Angst vor Krankheiten. Diese Form der Angststörung ist zwar keine Phobie aber dennoch sehr stark verbreitet.

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Wie entsteht diese Problematik? Ist sie angeboren, erlernt oder entsteht eine Phobie durch schlimme Erfahrungen?

Die Grundproblematik bei Angststörungen ist immer eine gewisse Unsicherheit. Diese wird durch mangelndes Selbstvertrauen, mangelndes Selbstbewusstsein oder mangelnde Souveränität ausgelöst. Wenn dann eine belastende Situation eintritt, vielleicht sogar gekoppelt mit einer Überforderung, können Phobien oder Angststörungen ausbrechen.

Wenn ein Objekt letztendlich mit Angst besetzt wird, können dahinter unterschiedliche Mechanismen stehen. Tatsächlich kann es eine schlechte Erfahrung sein. Aber wir Erlernen auch Denkmuster aus unserem Umfeld, vielleicht haben wir eine Mutter mit Spinnenphobie. Den Prozess des Erlernens kann man oft und gut beobachten. In der Gegenwart eines Hundes sind viele Eltern stark verunsichert. Ein Kind nimmt das wahr und lernt langfristig Hunde als gefährlich einzuschätzen. Genetische Faktoren sehe ich nicht als Auslöser.

Bei Phobien handelt es sich ja meist um sehr spezifische Themen. Wie sehr können Phobien trotzdem den Alltag einschränken?

Je nach Ausprägung können Phobien den Alltag von Betroffenen sehr stark einschränken! Spätestens dann sind die Phobien aber auch behandlungsbedürftig. Ansonsten verliert man die eigene Lebensqualität und belastet letztendlich auch Familie, Kinder und Freunde.

Menschen die Angst vor Spinnen haben, neigen eher dazu, diese zu meiden. Ist das langfristig hilfreich oder bekommt man dann auch Angst vor Käfern und anderen Kleintieren?

Durch Vermeidungsverhalten wird eine Phobie nie besser. Nur Konfrontation und die dadurch erfolgende Desensibilisierung bewirken nachhaltig eine Verbesserung. Lernt man nicht, mit den eigenen Ängsten umzugehen, können sich die Ängste auf weitere Objekte ausdehnen.

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Neben der Konfrontationstherapie ist es außerdem sinnvoll, zusätzlich das Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu stärken.

Wer ist besonders gefährdet, eine Phobie zu entwickeln?

Besonders gefährdet sind Personen, die von Haus aus unsicher sind oder über wenig Selbstbewusstsein verfügen. Das fällt im Alltag häufig gar nicht auf und zeigt sich eben vorrangig in Phobien oder speziellen Situationen. Insbesondere im Arbeitsalltag sind diese Menschen oft unauffällig und scheinen selbstbewusst.

Wie sind die Heilungschancen?

Eine Phobie gehört ist eine Art der Angststörung. Diese ist zwar sehr häufig verbreitet, aber auch sehr gut heilbar.

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