Ankauf von Wertsachen Händler locken mit schnellem Geld – worauf Kunden achten sollten

Wer Schmuck besitzt, hat verschiedene Möglichkeiten, ihn unkompliziert zu verkaufen. Foto: ThinMan/Fotolia

Ankäufer versprechen unkompliziert Bargeld auf die Hand all jenen, die Gold, Uhren, Pelze und Leder veräußern wollen. Aber stimmt das auch? Auf Spurensuche in der Region.

Der Reklame-Aufsteller auf der Straße ist nicht zu übersehen. Auch die knallrote Werbung, die immer wieder in den Briefkästen unzähliger Haushalte in der Region Stuttgart liegt, verspricht, Wertgegenstände könnten unkompliziert zu Bargeld gemacht werden. Das Motto jener Aufkäufer lautet kurz und knapp: „Bares für Wahres“. Angelehnt an Horst Lichters bekannte TV-Trödel-Show „Bares für Rares“ versprechen Händler mit diesem Slogan Höchstpreise. Auf Flyern werben sie etwa für anstehende fünf Ankauftage. Für Zahngold, Modeschmuck, Pelze, Leder, Edeluhren, Tafelsilber und dergleichen gebe es Bares gleich auf die Hand.

 

Wer das Kleingedruckte übersieht, stellt spätestens vor Ort fest, dass das Augenmerk auf Gold liegt. Ein Händler im Strohgäu, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, erklärt, die angebotene Lederjacke nur in Verbindung mit Gold ankaufen zu wollen. Gleiches gilt für Pelze. Sie werden wohl wie Lederwaren nach Skandinavien verkauft. Die Nachfrage sei groß, „wir zahlen bis zu 9000 Euro“. Auch ohne Gold nimmt der Händler hingegen den Modeschmuck – der ließe sich auf Märkten weiterverkaufen. Anderer Ort, anderer Händler: Dort wird der Ankauf einer schweren Lederjacke abgelehnt – weil Farbe und Schnitt außer Mode seien.

Händler geben spärlich Auskunft

Das Geschäftsmodell dieser Händler ist für Menschen, die sich von Schmuck und Co. trennen wollen, eine Möglichkeit, rasch an Geld zu kommen. Eine schnelle Schätzung des Händlers muss dem Verkäufer dafür genügen, um einen Preis genannt zu bekommen. Für die Lederjacke gebe es 200 Euro, der Modeschmuck bringt 21 Euro. Beim Gold orientiere man sich am aktuellen Tagespreis, berichtet ein Aufkäufer. Abgesehen davon erzählen beide nicht viel. Sie geben sich im Gegenteil recht zugeknöpft, reagieren auf Fragen mit Gegenfragen oder einem vagen „kommt drauf an“. Auch mehrfache telefonische Nachfragen unserer Zeitung bringen keine weiteren Erkenntnisse: Der eine ist trotz mehrmaliger Versuche nicht erreichbar, der andere will sich nicht äußern.

Weithin sichtbare Werbung vor einer Ankaufstelle im Strohgäu Foto: Simon Granville

Nach Recherchen unserer Zeitung suchen die Händler für ihre mehrtägigen Ankaufaktionen unterschiedliche Orte aus – teils kleine Räume in einer Gewerbeimmobilie oder renommierte Adressen mit Publikumsverkehr. Die Männer mittleren Alters sind allein oder in einer Kleingruppe präsent, bereit für das nächste Verkaufsgespräch.

„Ob das Geschäftsgebaren des Händlers insgesamt seriös erscheint, muss jeder für sich selbst beantworten“, sagt Steffen Grabenstein, Sprecher des Ludwigsburger Polizeipräsidiums. Joachim Dünkelmann, der Geschäftsführer vom Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte, findet deutlichere Worte: „Wir beobachten seit einigen Monaten einen deutlichen Anstieg ambulanter Angebote von so bezeichneten Goldankäufern einerseits und eine wachsende werbliche Aktivität derselben andererseits. Nicht jeder, der lautstark mit Bestpreisen lockt, ist auch wirklich ein seriöser Profi – das gilt nicht nur beim Gebrauchtwagenkauf.“

Ankauf von Lederjacken – eine Taktik?

Dass Händler verschiedene Dinge verknüpften und beispielsweise Lederjacken oder Pelze nur saisonal beziehungsweise in Verbindung mit Gold ankauften, sei aus anderen Sachverhalten bekannt, sagt Grabenstein. „Allerdings stellt eine solche Verknüpfung ebenso wenig einen Verstoß dar wie das ganze Inserat, sodass das auch nicht zu beanstanden ist.“

Möglicherweise könnte die Verknüpfung eine Taktik des Ankäufers sein, um potenzielle Verkäufer zu motivieren, unter anderem neben Pelzen, Lederjacken eben auch Gold zu verkaufen, so Grabenstein. „Wir gehen davon aus, dass der An- und Verkauf von Gold einen höheren Gewinn für den Händler verspricht und daher attraktiver ist als der Handel mit gebrauchten Kleidungsstücken.“

Ob man für seine Gegenstände tatsächlich die in der Werbung versprochenen „Höchstpreise“ erhält, ist allerdings unklar. Jürgen Barth bezweifelt das. Er ist der Geschäftsführer der städtischen Pfandleihe Stuttgart, einem der ältesten Pfandhäuser Deutschlands, gegründet 1872. Deren Geschäftsmodell beruht darauf, für Schmuck, Uhren oder Münzen, aber auch für Porzellan, Fahrräder, Musikinstrumente oder elektronische Geräte schnelles Geld als Kredit zu geben. Zinsen inklusive.

Umsätze bei Pfandleihen nehmen zu

Mit dem Darlehen würden sich viele Kunden einen Urlaub, ein Auto oder eine Küche leisten – „Konsum“, wie Jürgen Barth es nennt. „Viele Menschen nutzen uns als Zwischenfinanzierung.“ Manchen reiche auch am Monatsende das Geld nicht mehr. Sowohl die Zahl der Kunden sei gestiegen als auch die Höhe der Darlehen. Waren es – bei allen im Verband organisierten Pfandleihen in Deutschland – vor zehn Jahren im Schnitt 300 bis 350 Euro, sind es inzwischen über 500 bis 600 Euro.

Die Pfandleihe beschäftigt Profis für die Wertermittlung

Laut Barth verfügt die Pfandleihe über Profis wie Goldschmiede oder Experten für Edel- und Schmucksteine, die den Wert der Gegenstände schätzen. Das sei wichtig, denn „viele Besitzer wissen gar nicht, ob beispielsweise ihr Schmuck echt ist, oder sie kennen den Tagespreis für Gold nicht“. Die professionelle Begutachtung koste den Kunden etwas Zeit, dafür könne er sich darauf verlassen, dass sie seriös ist, so Barth. Mehr als 90 Prozent der Pfänder werden wieder ausgelöst, der Rest wird versteigert, „meist, weil die Kunden das bewusst wollen“.

Was nicht versteigt wird, wird der Pfandleihe zugeschlagen und im Laden oder Onlineshop veräußert. Seit drei Jahren kauft die Pfandleihe außerdem gezielt Wertgegenstände an, um Verkaufswilligen eine Alternative zu bieten.

Verkauf mit Risikobereitschaft

„Zu uns kommen immer wieder Menschen, die anderswo über den Tisch gezogen wurden“, begründet Jürgen Barth dies. Es gebe einige schwarze Schafe unter den Händlern, denen es darum gehe, letztlich an Gold zu kommen. Gleichwohl gebe es auch viele seriöse Händler, betont er – gerade die, die schon jahrelang am Markt seien. Joachim Dünkelmann vom Verband der Juweliere formuliert es so: „Wer beim Goldverkauf auf reisende Händler vertraut oder sein Altgold zu einem unbekannten Online-Anbieter schickt, und auf einen fairen Preis hofft, dem darf man Risikobereitschaft unterstellen. Wer sein Altgold sicher verkaufen will, sollte zum Profi gehen.“

Seriöse Händler erkennen

Die Polizei
Sie rät sich vor dem Verkauf von Wertsachen und insbesondere von Gold und Schmuck genauer zu informieren, gegebenenfalls auch den Verbraucherschutz zu kontaktieren, den aktuellen Wert der Gegenstände ermitteln zu lassen, dafür mehrere Angebote einzuholen und Preise zu vergleichen. „Wer Zweifel an einem Angebot hat, sollte sich auch nicht darauf einlassen und sich nicht durch vermeintlich zeitlich befristete Angebote unter Druck setzen lassen.“

Der Juwelierverband
„Zur Kompetenz gehört nicht nur die Untersuchung und Erkennung des Feingehalts, sondern auch die korrekte Ermittlung des Gewichts anhand einer geeichten Handelswaage im Beisein des Kunden“, sagt Geschäftsführer Joachim Dünkelmann zum Goldankauf. Auch die Erkennung und Wertermittlung etwaiger enthaltener Edelsteine erfordere Fachkenntnis und Expertise. Auch er rät zu einem zweiten Angebot.

Der TV-Sender Dem ZDF, das die Horst Lichter-Show „Bares für Rares“ ausstrahlt, ist die Namensähnlichkeit zu „Bares für Wahres“ ein Ärgernis. „Immer wieder werden Sendungstitel variiert, um durch die Bekanntheit der ZDF-Sendung Aufmerksamkeit zu erhalten.“

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