Anklage lautet auf versuchten Totschlag Prozess wegen blutiger Messerattacke auf drei Studierende in Nürtingen

In diesem Studentenwohnheim in Nürtingen soll die Tat verübt worden sein. Foto: SDMG//Kohls

Der Messerangriff in einem Nürtinger Studentenwohnheim hatte Aufsehen erregt. Drei Studierende wurden damals verletzt, eine Person schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Jetzt wird zwei Männern in Stuttgart der Prozess gemacht.

Weil sie drei Studierende schwer verletzt haben sollen, müssen sich zwei Männer seit Montag vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den 20 und 23 Jahre alten Angeklagten vor, im vergangenen Jahr in einem Nürtinger Studentenwohnheim Bewohner bedroht und mit dem Messer angegriffen zu haben. Angeklagt sind die Männer aus dem Kreis Esslingen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter Nötigung und Bedrohung sowie unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Dem jüngeren Angeklagten wird zudem versuchter Totschlag vorgeworfen.

 

Laut der Anklageschrift haben sich die beiden Angeklagten am 5. November kurz vor zwei Uhr auf unbekannte Weise Zutritt zu dem Wohnheim im Nürtinger Schelmenwasen verschafft, um dort Kokain zu verkaufen. Zuerst sollen die beiden im südlichen Bereich des Gebäudes auf dem Flur einen Bewohner angepöbelt haben, der keine Drogen erwerben wollte.

Messer mit goldener Klinge

Eskaliert ist die Situation laut der Staatsanwaltschaft dann in der Küche im dritten Geschoss des nördlichen Wohnbereichs, wo sich zu dem Zeitpunkt einige Studierende aufhielten. Die Angeklagten haben laut dem Oberstaatsanwalt Albrecht Braun „sofort und grundlos die Auseinandersetzung gesucht“. Einen Studenten, der die beiden ansprach, forderten sie auf, zum Schlagabtausch mit nach draußen zu gehen, und sie hielten ihm ein Messer mit einer 9,5 Zentimeter langen, goldenen Klinge vors Gesicht. Einem Kommilitonen, der ihm zur Hilfe kommen wollte, soll der 20-jährige Angeklagte mehrere Stichverletzungen im Brustbereich zugefügt haben. Laut Braun waren die Angeklagten weiterhin aggressiv und hätten geschubst, gestoßen und Stichbewegungen mit dem Messer gegen jeden geführt, der sich ihnen habe nähern wollen. Der 20-Jährige soll dabei zwei weitere Studierende verletzt haben. Die Bewohner warfen mit Schuhen und mit einem Regal nach den Angreifern, die schließlich flüchteten. Zeugen konnten sie verfolgen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Der 20-Jährige sitzt derzeit im Jugendgefängnis Adelsheim in Untersuchungshaft, sein mutmaßlicher Komplize ist auf freiem Fuß.

Der nächtliche Angriff auf die drei Bewohner im Alter von damals 19, 22 und 26 Jahren hatte Entsetzen ausgelöst. Bei den schwer verletzten Opfern handelte es sich um Studierende ausländischer Partnerhochschulen, die an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) an einem Austauschprogramm teilnahmen. Nach dem Vorfall wurde in dem Wohnheim ein Sicherheitsdienst eingesetzt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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