In Halle 9 der Stuttgarter Messe können jetzt bis zu 800 Geflüchtete aus der Ukraine vorübergehend untergebracht werden.

Das neue Ankunftszentrum für Geflüchtete aus der Ukraine in der Messe Stuttgart ist eine Einrichtung, „von der wir uns wünschen, dass wir sie nicht lange benötigen“, sagt Regierungspräsidentin Susanne Bay, in deren Zuständigkeitsbereich die Erstaufnahmeunterkunft fällt. Doch sie weiß auch, wie notwendig die Messehalle 9 sein wird, die innerhalb von wenigen Tagen zur ersten sicheren Zuflucht umgestaltet worden ist. Bay und die baden-württembergische Migrationsministerin Marion Gentges haben sich am Montag, kurz bevor die ersten Flüchtlinge eintrafen, selbst ein Bild von der provisorischen Unterkunft für bis zu 800 Menschen gemacht.

 

Für die Geflüchteten ist der Kontakt mit der Heimat wichtig

10 500 Quadratmeter ist die Messehalle 9 groß. Jetzt ist die Halle mit Hilfe von mit Planen versehenen Baustellengittern in große, schmucklose Flächen unterteilt. Darin stehen mit Abstand jeweils 20 einfache Klappfeldbetten mit blauer Liegefläche. Es gibt Steckdosen, um beispielsweise Smartphones aufladen zu können, das Messe-WLAN bietet volle Leistung. Das ist wichtig für die Frauen und Kinder, die hier vorübergehend untergebracht sein werden, um Kontakt zu ihren Männern und anderen Familienangehörigen in der Ukraine halten zu können. An der Wand sind die Lagerregale mit Kleidung und Hygieneartikeln gut gefüllt. Für Duschen und Toiletten ist in Containern im Freibereich neben der Halle gesorgt. Im Konferenzbereich West über der Eingangshalle wird ein Isolierbereich für eventuell mit dem Corona-Virus infizierte Geflüchtete geschaffen.

Duschen und Toiletten sind in Containern

Der von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angeordnete Angriff auf die Ukraine hat Millionen Menschen in die Flucht getrieben. In Baden-Württemberg sind nach offiziellen Zahlen bereits mehr als 7100 Menschen aus der Ukraine angekommen und unter anderem in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht worden, vermutlich sind es aber viel mehr, die von Verwandten und Bekannten aufgenommen und bisher nirgends registriert wurden.

Millionen Menschen sind auf der Flucht

„Mitten in Europa erleben Menschen unfassbares Leid, Tod oder Vertreibung“, sagte Regierungspräsidentin Susanne Bay gestern in Halle 9. „Wir werden alles dafür tun, um die Menschen bei uns unterzubringen und zu versorgen. Auf das Leid reagieren wir mit Hilfe und Solidarität.“ Das Regierungspräsidium Stuttgart ist bereits verantwortlich für die Landeserstaufnahmeeinrichtung in Ellwangen. Dort sind rund 900 Menschen untergebracht, mehr als 460 davon aus der Ukraine. Ministerin Gentges sagte: „Pragmatismus und viel Herz, das brauchen wir in diesen Tagen, um denen, die wegen dieses furchtbaren Kriegs ihre Heimat verlassen müssen, eine sichere Bleibe zu bieten.“

Pragmatismus und viel Herz ist gefragt

Das Ankunftszentrum in der Messehalle wird es voraussichtlich bis Ende April geben. Im Mai soll der Messebetrieb wieder beginnen, dann werde die Halle wieder dafür benötigt, hieß es am Rande der Informationsveranstaltung am Montag.