Anmeldung zur Leseruni Stuttgarter Experimente in der Schwerelosigkeit

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Am 6. Juni soll Alexander Gerst zu seiner zweiten Weltallmission starten: Dies ist auch für die Mitarbeiter des Instituts für Raumfahrtsysteme der Uni Stuttgart ein großer Tag. Stefanos Fasoulas und seine Mitarbeiter berichten bei der Leseruni, wie sich die Uni Stuttgart in der Raumfahrt engagiert.

Der deutsche Astronau Alexander Gerst bei seinem letzten Aufenthalt im All im Juni 2014 Foto: dpa
Der deutsche Astronau Alexander Gerst bei seinem letzten Aufenthalt im All im Juni 2014 Foto: dpa

Stuttgart - Am 6. Juni, dem Tag der Leser-Uni, soll der Künzelsauer Astronaut Alexander Gerst zu seiner zweiten Weltallmission starten: Mehrere Monate wird er auf der Internationalen Raumstation (ISS) verbringen, darunter etwa die Hälfte als Kommandant. Dies ist auch für die Mitarbeiter des Instituts für Raumfahrtsysteme der Uni Stuttgart ein großer Tag, sind sie doch mit eigenen Experimenten auf der ISS vertreten – die auch von Alexander Gerst mitbetreut werden.

„Vom Labor ins Weltall“, heißt daher der Vortrag, mit dem Stefanos Fasoulas die Teilnehmer der Leser-Uni für die wissenschaftliche Arbeit im Weltall begeistern möchte. Der Leiter des Instituts für Raumfahrtsysteme (IRS) der Uni Stuttgart will dabei seine Mitarbeiter mit einbeziehen: So wird Gisela Detrell über einen Algenbioreaktor sprechen, der bei künftigen Langzeitmissionen – etwa bei Flügen zum Mars – die Astronauten mit Atemluft und frischer Nahrung versorgen soll. Und Manfred Ehresmann wird berichten, wie Studierende in die Weltraummissionen des Instituts mit einbezogen werden: „Papell“ heißt das Experiment mit einer speziellen Pumpe, mit der sich feste Körper – im Versuch sind das farbige Kugeln – unter Weltraumbedingungen durch Rohre bewegen lassen. Die Stuttgarter Studentengruppe hatte im Frühjahr 2017 am sogenannten Überflieger-Wettbewerb des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teilgenommen – und darf als eines von drei Teams ihr Experiment zur ISS schicken.

Aus Stuttgart kommen 40 Prozent aller Luft- und Raumfahrtingenieure

Studentische Projekte sind ein wichtiges Standbein des Stuttgarter Raumfahrtinstituts, wie Stefanos Fasoulas berichtet. Nicht umsonst hat die Uni Stuttgart mit dem IRS in Europa das größte Raumfahrtinstitut an einer Universität. Dabei sorgen auch die beiden ehemaligen Astronauten Ernst Messerschmid und Reinhold Ewald dafür, dass die Studierenden unmittelbaren Kontakt mit Weltall-Praktikern haben können. Das hält die Begeisterung und Motivation beim Studium wie auch im Institut hoch – genau wie jetzt der Start von Alexander Gerst. Dem IRS und der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie ist auch zu verdanken, dass in Deutschland 30 bis 40 Prozent aller Luft- und Raumfahrtingenieure mit universitärem Abschluss aus Stuttgart kommen. „So haben auch viele unserer Ingenieurinnen und Ingenieure zu der jetzigen Alexander-Gerst-Mission beigetragen“, betont Fasoulas.

Einen international bedeutsamen Namen gemacht haben sich die Stuttgarter Weltraumingenieure unter anderem mit der Erforschung von hitzebeständigen Systemen. Diese ermöglichen den sicheren Wiedereintritt von Raumfahrzeugen in die Atmosphäre. Nach wie vor wird an elektrischen Antrieben in der Raumfahrt geforscht. Für Fasoulas ist die Mitarbeit an bemannten Weltraummissionen bis heute faszinierend – auch wenn er sie von der Erde aus betreut. Gleichwohl ist er überzeugt, dass „die unendliche Dimension des Weltalls dabei hilft, von einer übergeordneten Perspektive aus das Geschehen auf der Erde zu sehen und zu analysieren“.

Begeistert ist er auch davon, dass sich gerade in der Weltallforschung noch vieles Unbekannte entdecken lässt. Bei extraterrestrischen Raumfahrtmissionen, an denen das Institut beteiligt ist, gehören solche „Das hat noch niemand vor uns gesehen“-Erlebnisse genauso zum Forscheralltag wie bei der Infrarot-Astronomie. Hier koordiniert das Institut den deutschen Beitrag zum amerikanisch-deutschen Infrarotteleskop Sofia, das von einem umgebauten Jumbojet aus die Infrarotstrahlung aus dem All analysiert. Weil die untere Atmosphäre der Erde das Infrarotlicht weitgehend absorbiert, fliegt der Jumbo in bis zu 14 Kilometer Höhe – wobei das Teleskop an Bord immer wieder bisher unbekannte Phänomene entdeckt.

Die Stuttgarter bastelten auch an Höhenforschungsraketen in Norwegen mit

Langweilig wird es den Raumfahrtingenieuren also nicht – zumal sie jedes Jahr an drei bis vier Weltraummissionen beteiligt sind, die jedes Mal einen neuen Motivationsschub geben. Das müssen nicht immer teure Missionen sein, auch Flüge in die obersten Schichten der Atmosphäre gehören dazu. So waren die Stuttgarter kürzlich mit zwei Experimenten an Höhenforschungsraketen in Norwegen beteiligt, bei denen die in der Restatmosphäre herrschenden Bedingungen erkundet wurden.

Künftig will Stefanos Fasoulas die Attraktivität des Stuttgarter Raumfahrtinstituts noch weiter stärken. Dazu zählt beispielsweise eine Art Führerschein für die russische Sojus-Kapsel, mit der sich unter anderem Andockmanöver üben lassen.

Hier geht’s zum Astronauten-Gewinnspiel unserer Zeitung

Anlässlich der Raumfahrtmission von Alexander Gerst hat unsere Zeitung ein Online-Spiel entwickelt, bei dem es tolle Preise zu gewinnen gibt: Wer über 18 Jahre ist, einen Parabelflug für eine Person in den USA. Wer zwischen sieben und 17 Jahre alt ist, eine Erlebnisbox – fünf Freunde dürfen dann mit zum Event.

So bekommen Sie Karten für die Leseruni

Veranstaltung Die Leser-Uni wird seit vielen Jahren von der Stuttgarter Zeitung veranstaltet. Unterstützt wird sie von den beiden Universitäten Hohenheim und Stuttgart.

Vorträge Die Leser-Uni findet am Dienstag, 6. Juni, um 18.00 Uhr an der Universität Stuttgart, Campus Vaihingen Pfaffenwaldring 47, im Hörsaal 47.01 statt. Wie immer sprechen zwei Referenten. Der erste Vortrag ist aus aktuellem Anlass dem Weltall gewidmet: Weil an diesem Tag der Künzelsauer Astronaut Alexander Gerst zu seinem Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS startet, berichten Stefanos Fasoulas, der Leiter des Instituts für Raumfahrtsysteme der Uni Stuttgart, und zwei seiner Mitarbeiter, wie das Institut an der Mission im All beteiligt ist: „Vom Labor ins Weltall“, heißt das Thema. Im zweiten Vortrag beschäftigt sich Anke Tropitzsch von der Uniklinik Tübingen mit der lauten Geräuschkulisse, die uns im Alltag umgibt: „Wenn Lärm krank macht“, lautet ihr Vortrag. Dabei geht es nicht nur um mögliche Gehörschäden – eine Gefahr, der sich besonders Jugendliche mit lauter Kopfhörer-Musik aussetzen. Auch Stress durch Lärm kann die Gesundheit gefährden. Nach den Vorträgen können die Leser bei einem Umtrunk mit den Referenten und Redakteuren diskutieren.

Karten Der Eintritt zur Leser-Uni ist frei. Interessierte Leser können sich im Internet online anmelden. Sie bekommen dann per E-Mail ihre Eintrittskarte zugesandt.