Annalena Baerbock bei den „Late Night Berlin“-Kindern „Stimmt es, dass du deinen Lebenslauf cooler gemacht hast?“

Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock Foto: dpa/Philipp von Ditfurth
Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Jetzt war auch Annalena Baerbock dran: Im Auftrag von Klaas Heufer-Umlauf grillten Romeo und Pauline die Grünen-Kandidatin. Doch die blieb souverän – und zeigte, dass Kinder für sie nichts Abstraktes sind.

Digital Unit : Theresa Schäfer (the)
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Stuttgart - Über das Kinderinterview von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet wurde viel diskutiert, auch der SPD-Mann Olaf Scholz wurde im Auftrag von Klaas Heufer-Umlauf von Pauline und Romeo ins Schlingern gebracht – am Dienstag konnte man sich bei „Late Night Berlin“ auf ProSieben ansehen, ob sich Annalena Baerbock besser schlug. Und man muss sagen: Das tat sie – im Großen und Ganzen.

Schon in dem Format „Kannste Kanzleramt“ von Sat.1 konnte man sehen, dass Baerbock mehr aktive Erfahrung im Umgang mit Kindern hat. Es ist ihren Konkurrenten vielleicht auch gar nicht unbedingt zu verdenken: Scholz hat keine Kinder, Laschets Tochter und die zwei Söhne sind schon erwachsen. Jedenfalls ist Baerbock auch im Gespräch mit den „Late Night Berlin“-Kinderreportern Pauline und Romeo anzumerken, dass ihre beiden Töchter noch im Grundschulalter sind und sie gewohnt ist, mit Menschen unter 15 umzugehen.

Spätestens seit dem Laschet-Interview ist klar: Pauline und Romeo sind nicht dazu da, Kuschelfragen nach der Lieblingsfarbe und den Hobbys zu stellen, sondern ihre Interviewpartner aus ihrer Komfortzone auf dünnstes Eis zu holen.

„Ist es eine gute Idee, Millionären noch mehr Geld zu geben?“

Das muss auch Baerbock erkennen, als Romeo im Hinblick auf das grüne „Energiegeld“ von 75 Euro, das steigende Energie- und Spritpreise ausgleichen soll, unschuldig fragt: „Ist es eine gute Idee, Millionären noch mehr Geld zu geben?“ „Nö“, antwortet Baerbock ganz offen und erklärt souverän, wie sie mit einer Vermögenssteuer die Reichen stärker zur Kasse bitten will: „Dafür zahlen die dann Geld, dass die Schulen schöner gemacht werden.“ Dann gibt die Grüne den Kindern rasch ihr Erspartes zurück, das sie der Politikerin aufdrängen wollten und umschifft auch diese Klippe – Politikerin nimmt Kindern das Taschengeld – relativ sicher.

Was man Baerbock anrechnen kann: Sie bemüht sich redlich, abstrakte Themen begreifbar zu machen. Und bleibt betont freundlich, als Pauline zielgenau den Finger in die Wunde legt: „Die Umfragen sind ja nicht gut gerade. Du bist die Dritte. Bist du schuld daran, dass die Grünen gerade verlieren?“ Baerbocks Antwort: „Nee, aber ich muss mich noch ein bisschen anstrengen und wir Grünen müssen uns noch ein bisschen anstrengen, damit wir noch mehr Menschen überzeugen, dass wir Zweiter oder Erster werden.“

Feinheiten zwischen Förder- und Stink-Normal-Mitgliedschaften

Dann kommt die Frage, die die Grünen-Kandidatin vielleicht fürchtet, aber inzwischen auch schon dutzende Male parieren musste: „Stimmt es, dass du deinen Lebenslauf cooler gemacht hast?“, fragt Romeo. „Ich habe in meinem Lebenslauf nicht alle Dinge ganz genau aufgeschrieben – vor allem habe ich ein paar Dinge vergessen gehabt“, erklärt Baerbock – und tut gut daran, nicht patzig zu reagieren wie vor allem Laschet es tat, als er sich in dem Kinderinterview in die Ecke gedrängt fühlte. Doch Romeo, ganz hartnäckiger Reporter, hakt noch einmal nach: „Hast du jetzt da gelogen oder nicht?“ „Nee“, findet die Politikerin und ergeht sich daraufhin etwas zu detailliert in den Feinheiten zwischen Förder- und Stink-Normal-Mitgliedschaften.

Doch auch jetzt ist Baerbock noch nicht zurück in sicheren Gewässern: „Meine Lehrerin hat immer gesagt, ich darf nicht abschreiben. Warum machst du es dann?“, fragt Pauline und meint damit die Plagiatsvorwürfe, die die Grünen-Chefin aus den Umfragen-Höhenflügen zu Beginn ihrer Kandidatur ins graue Mittelfeld zurückholten. „Ich darf das auch nicht“, gibt Baerbock zu. Und tritt dann die Flucht nach vorn an: „Ich habe ganz viele kluge Ideen da mit eingebaut von Menschen, mit denen ich geredet habe und dann habe ich aber nicht dazugeschrieben, von wem das war. (...) Das war nicht gut und deswegen überarbeite ich jetzt das Buch.“ Darauf folgt dann noch die spitze Nachfrage, ob Robert Habeck sein Buch selber geschrieben habe. „Ja“, antwortet Baerbock und starrt Romeo liebenswürdig in Grund und Boden, bis der ein „Ah ja“ von sich gibt.

Annalena Baerbock kennt „Brennessel“ nicht

So geht das inzwischen gefürchtete „Late Night Berlin“-Interview zu Ende – ohne Momente zum Fremdschämen oder große Aufreger, die tagelang die Kommentarspalten beherrschen. Vielleicht noch der: Annalena Baerbock weiß nicht, wie „Brennessel“ geht (Man lege seine Hände um die Unterarme des Kontrahenten und drehe sie entgegengesetzt. Tut höllisch weh!). Vielleicht kann sie das ja nach der Wahl in den Koalitionsverhandlungen mal ausprobieren.




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