Annalena Schmidt schreibt gegen Rechts Mutige Blogs aus Bautzen

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Die Bloggerin Annalena Schmidt aus Bautzen erhält am Donnerstag Besuch von Grünen-Parteichef Robert Habeck. 2018 hat die Bundesregierung sie als Botschafterin für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet.

Annalena Schmidt stammt aus Hessen und arbeitet in Bautzen. Foto: dpa-Zentralbild
Annalena Schmidt stammt aus Hessen und arbeitet in Bautzen. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Die Drohungen, sagt Annalena Schmidt in einem Video-Beitrag, „die nehme ich jetzt einfach mal so hin“. Andere Menschen würden ja wegen ihrer Hautfarbe oder ihrem anderen Aussehen bedroht und hielten das auch aus. Die 32-jährige Historikerin Schmidt wird in Bautzen wegen ihrer couragierten Äußerungen auf einem Blog angefeindet. Ganz so locker kann Annalena Schmidt die Anfeindungen aber auch nicht wegstecken. Als man ihr kürzlich im Netz androhte, sie zu vergiften und einen „qualvollen Tod“ sterben zu lassen, kündigte sie eine Strafanzeige an. Als Nestbeschmutzerin, als links-grüne Spalterin oder Besserwessie wird sie in Bautzen vor allem aus AfD-Kreisen angefeindet. Bei einer Bürgerversammlung im Februar in einer Kirche mit 800 Besuchern – wo Schmidt auch einen Redebeitrag halten durfte – war die Stimmung gegen sie aufgewühlt. Und eine Frau forderte sie in einer mit Applaus bedachten Rede auf, die Stadt zu verlassen: „Verschwinde aus Bautzen!“

Annalena Schmidt stammt aus Hessen, hat in Gießen Geschichte studiert. 2015 kam sie nach Bautzen, um dort am Sorbischen Institut eine Stelle als Historikerin anzutreten. Ein Jahr später kam es zu Ereignissen, die Bautzen bundesweit negativ in die Schlagzeilen brachten: der Brand im „Husarenhof“, der als Flüchtlingsheim gedacht war, und wo bei den Löscharbeiten ausländerfeindliche Parolen gerufen worden sind. Zweitens eine Art „Jagd“ auf Ausländer im September, nach dem es zuvor zu Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Flüchtlingen gekommen war.

Sie will den Finger in die Wunde legen

Sie habe nach ihrer Ankunft in der Stadt zunächst mit Patenschaften für Flüchtlinge begonnen, sagt Annalena Schmidt. Von 2016 an habe sie dann in der Spreestadt angefangen, „die Finger in die Wunde zu legen, nachzufragen und zu hinterfragen“. Annalena Schmidt dokumentiert in einem Blog Nazischmierereien, rassistische und rechtsextreme Vorfälle – aber sie schildert auch Belanglosigkeiten, Alltagserlebnisse und persönliche Eindrücke. In einem ihrer jüngsten Beiträge beschreibt sie die Tatsache, dass in einem Info-Heft der örtlichen AfD ein Zitat des NS-Propagandachefs Goebbels abgedruckt worden ist als „ekelhaft“. Und sie kritisiert die CDU für ihre abwiegelnde Haltung zu dem Vorfall.

Das Problem sei die Spaltung der Stadtgesellschaft, sagt Schmidt

Bei aller Kritik betont Annalena Schmidt, dass sie keinen Hass auf Bautzen verspürt, wie ihre Kritiker ihr nachsagen: Sie habe schon in vielen Städten gelebt, aber es sei ihr nirgends so leicht gefallen, Gesprächspartner und Freunde zu finden wie in Bautzen. Das Problem sei die tiefe Spaltung der „Stadtgesellschaft“. Wer sich hier gegen „die Nazis“ stelle, der gelte gleich als links.

Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung Annalena Schmidt als „Botschafterin für Frieden und Toleranz“ ausgezeichnet. Bei den Kommunalwahlen will sie nun als Parteilose auf einem Grünen-Ticket für den Bautzener Stadtrat kandidieren. „Man kann meckern oder machen“, sagt Annalena Schmidt. Es sei konsequent, wenn man nicht nur Zustände anprangere, sondern „auch versucht etwas zum Besseren zu verändern“. Am Donnerstag wird Grünen-Chef Robert Habeck Annalena Schmidt im Grünen Laden von Bautzen treffen – und mit ihr über Rechtsextremismus und zivilgesellschaftliches Engagement diskutieren.