Anne-Frank-Ausstellung Zeitzeugin erinnert an Folgen von Rassismus

Von Klaus Nonnenmacher 

Mit einem vielfältigen Programm begleitet die Stadt eine Wanderausstellung über das Schicksal von Anne Frank. Bei ihrer Eröffnung war die KZ-Überlebende Inge Auerbacher aus Jebenhausen der Ehrengast.

Inge Auerbacher war bei der Ausstellungseröffnung in der Stadtkirche ein gefragter Gast. Foto: Horst Rudel
Inge Auerbacher war bei der Ausstellungseröffnung in der Stadtkirche ein gefragter Gast. Foto: Horst Rudel

Göppingen - Mit Verspätung wurde die Wander-ausstellung des Berliner Anne-Frank-Zentrums „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ am Freitagabend eröffnet. Der Andrang in der Göppinger Stadtkirche war so groß, dass zunächst weitere Stühle herbeigeschafft werden mussten. Dann durften die Besucher eine Sternstunde der Erinnerung erleben: Inge Auerbacher, die vor 74 Jahren als Siebenjährige ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden war, berichtete von ihrem Leidensweg.

Kurze Kindheit in Jebenhausen

„Mein Schicksal war ein anderes als das der Anne Frank“, erzählte sie. Inge Auerbacher hatte überlebt, während die damals gerade mal 15-jährige Anne Frank nach dem Verrat ihres Verstecks in einem Amsterdamer Hinterhaus kurz vor Kriegsende im Lager Bergen-Belsen an Typhus zu Grunde ging. Wie nah das Schicksal Anne Franks jedoch an Göppingen liegt, das zeigt die Geschichte von Inge Auerbacher schon.

Die Eltern flüchteten 1939 mit der damals Vierjährigen vor den Repressalien im badischen Kippenheim ins etwas freundlicher gesonnenere Jebenhausen zu Inges Großmutter. „Das waren eigentlich dann meine schönen, aber kurzen Kindheitsjahre“, erinnerte sie sich und erzählte von trauter Normalität, aber auch davon, dass sie als Sechsjährige allein von Göppingen mit dem Zug nach Stuttgart in die letzte verbliebene Schule für jüdische Kinder in ganz Württemberg fahren musste. Den gelben Stern, den sie auf der Jacke aufnähen musste, habe sie dabei vorsichtig verborgen, „damit ich nicht als dreckiger Jude beschimpft werde“, so Auerbacher.

Deportation überlebt

Im Jahr 1942 wurde die Familie nach Theresienstadt deportiert. Wie dort Freunde starben oder abtransportiert wurden und wie Inge Auerbacher mit Kinderaugen das Leid wahrgenommen hatte, auch von diesen Erinnerungen erzählte die heute 81-Jährige. Den gelben Stern hat sie heute noch. 1947 wanderte sie mit ihrer Familie nach New York aus.

„Ich werde oft gefragt, ob ich denn das alles vergeben kann. Doch so etwas kann nur Gott vergeben. Ein Mensch wie ich ist dazu viel zu klein. Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, aber ich kann etwas für die Zukunft tun“, berichtete Inge Auerbacher. So begann sie ihre Erinnerungen nicht nur in einem Buch („Ich bin ein Stern“) festzuhalten, sondern als Zeitzeugin auch mit möglichst vielen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Seit rund 25 Jahren bereist sie unermüdlich vor allem die USA, aber auch Kanada, Mexiko, Europa und immer wieder Deutschland und hält an Schulen Vorträge, kommt mit den Jugendlichen ins Gespräch.

Ausstellung soll Besucher anregen

Auch in Göppingen war sie ein gefragter Ehrengast bei der Eröffnung einer Ausstellung, die gerade in diesen Zeiten, wo Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung neue Ausmaße annehmen, aktueller scheint denn je. „Es ist eine Ausstellung, die Menschen sensibilisieren soll für das Unrecht, dass anderen geschehen ist, durch Rassismus, Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit“, betonte der evangelische Dekan Rolf Ulmer zur Eröffnung. Sie zeige, wohin Ausgrenzung und Hass führen könnten, schloss sich der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till an. „Und sie regt an, sich Gedanken über die eigene Rolle dabei zu machen“, fügte Till hinzu.