Annette Schavan Durchatmen in Eggingen

Annette Schavan ist in Ulm wieder als Bundestagskandidatin aufgestellt worden. Foto: dpa 15 Bilder
Annette Schavan ist in Ulm wieder als Bundestagskandidatin aufgestellt worden. Foto: dpa

Annette Schavan ist erneut zur Bundestagskandidatin gewählt worden. In Ulm stimmten am Freitagabend 96 Prozent der anwesenden Mitglieder des CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm für die 57-Jährige. Die hatte sich zuletzt sehr oft auf Wochenmärkten und in Wirtshaus-Hinterzimmern gezeigt.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)
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Ulm - Ein Aufsprung, gar ein Freudenschrei, wäre wohl zu viel verlangt gewesen. Aber im Moment, da die Stimmen der anwesenden 307 wahlberechtigten Mitglieder des CDU-Kreisverbands Ulm/Alb-Donau ausgezählt sind, flutet ein Lachen Annette Schavans ganzes Gesicht. Sie ist zum dritten Mal die Bundestagskandidatin des Wahlkreises 291. 96 Prozent der Stimmen sind das erhoffte starke Bekenntnis ihrer Parteifreunde in stürmischer Zeit. Sie hört gar nicht auf zu lachen, umarmt Gratulanten. So sieht Freude aus, wenn sie mit Erleichterung, mit dem Abfall einer großen Spannung gemischt ist. Die Ministerin kann sich mir ihrer Nominierung nicht von den Plagiatsvorwürfen befreien, aber ein wichtiger parteiinterner Vertrauenstest ist bestanden.

Schon vor der Veranstaltung steht Annette Schavan, im violetten Hosenanzug, am Eingang. An ihrer ausgestreckten Hand vorbei ist nicht leicht in die holzgetäfelte Mehrzweckhalle von Eggingen zu kommen. Sie lässt sich viel zusprechen und steht da dennoch allein, ohne einen erkennbar auf ihrem familiären oder privaten Umfeld stammenden Menschen. So ist das eigentlich immer, wenn sie in ihrem Heimatwahlkreis unterwegs ist, dessen Bewohner Heimat oft mit so ganz anderen Attributen in Verbindung bringen wie die Bundesministerin, die nicht gern hockt, ein Glas über den Durst trinkt oder auf Schultern schlägt. Sonst wirkte das immer eisern, zuweilen intellektuell entrückt, aber heute einfach nur ziemlich verloren.

Nicht nur Mitgefühl

Annette Schavan wirkt verletzlich, und das macht sie vielen Mitgliedern in ihrem Heimatwahlkreis zugänglich wie noch nie. „Ich habe nicht abgeschrieben, und ich habe auch nicht getäuscht“, versichert sie bei ihrer Bewerberrede. Sie dankt für die „überwältigende Unterstützung“, gerade auch an diesem Abend. „Ich rede ja selten über meine Gefühle, dafür bin ich ja bekannt Aber es bewegt mich ungemein.“ In der Egginger Halle brandet der Applaus auf.

Es ist nicht nur neu entstandenes Mitgefühl, das Annette Schavan dieses Stimmenergebnis beschert. Das CDU-Urgestein Karl Traub hat Ende vergangenen Jahrs, als die Plagiatsvorwürfe noch ziemlich neu waren, schon erzählt, es habe sich längst alles gebessert mit der Intellektuellen aus dem Rheinland. Am Anfang, nach 2005, da habe sie oft nicht mal reagiert auf auf die Terminanfragen aus ihrem Wahlkreis, da sei es von Ulm aus schwer gewesen, überhaupt an ihrem Referenten in Berlin vorbeizukommen.“Sie hat dazugelernt, was ihre Präsenz angeht“, sagt auch die Ex-CDU-Sozialministerin und Landtagsabgeordnete Monika Stolz in Eggingen. Schavan mache eine gute Arbeit, das werde inzwischen von allen anerkannt.

Auf dem Ulmer Wochenmarkt war sie zuletzt oft

Tatsächlich ist es auffällig, wie verhältnismäßig oft die Bundesministerin sich seit einigen Monaten auf dem Ulmer Wochenmarkt sehen lässt, wie sie tapfer Zweckbauten auf der Schwäbischen Alb einweiht oder in Wirtshaus-Hinterzimmern den Ortsverbandsmitgliedern aus dem Kosmos Berlin berichtet.

Daneben, auch das ist sichtbarer geworden, lenkt sie Geldströme in Richtung der Universitätslandschaft mit ihren benachbarten Unternehmen und An-Instituten. Dass 2011 dort beispielsweise ein Helmholtz-Institut für die Entwicklung von Autobatterien eröffnete, das schreibt sich die Bundesforschungsministerin in ihrer Bewerbungsrede ausdrücklich gut. Auch diejenigen, die Schavan oft nicht verstehen oder sie rundheraus nicht mögen, wissen, dass der ostwürttembergische Wahlkreis wohl nie mehr eine Kanzlerin-Vertraute wird finden können, falls Schavan fällt. Dann ist der direkte Zugang zur Machtzentrale in Berlin womöglich auf alle Zeiten verschüttet.

2008, bei Schavans zweiter Nominierungswahl, hatte alles noch ganz anders ausgesehen. An den berechtigten akademischen Graden der Abgeordneten gab es keinerlei Zweifel, dafür waren, anders als diesmal, drei Gegenkandidaten in Ehingen aufgekreuzt, die Mandatsträgerin musste höher übers Stöckchen springen, als sie sich hat träumen lassen. Mit dem einmalig schlechten Ergebnis von 57 Prozent der Stimmen in diesem tiefschwarzen oberschwäbischen Wahlreis hatte sie die Ehinger Stadthalle verlassen. Einer der Mitbewerber war der Ulmer CDU-Altstadtrat Hans-Walther Roth gewesen, auch er ist nach Eggingen gekommen, ohne Absichten diesmal.

„Es hätte sicher einige gegeben, die gerne kandidiert hätten“, sagt er. Parteiintern sei aber im Vorfeld massiv Einfluss genommen worden, genau das zu verhindern. „Es hat geheißen, wir müssen diesmal geschlossen hinter ihr stehen.“ Wie haltbar diese Solidarität ist, darauf will Roth lieber nicht wetten. „In vier Wochen sieht das vielleicht schon wieder anders aus.“ Er sagt es wie einer, den der Verband noch mal brauchen könnte.




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