Anonyme Beschwerde in Benningen „Bin nervlich völlig erschöpft“: Hilferuf wegen Lärm aus der Kelter

Die Kelter ist oft vermietet. Offenbar halten sich nicht alle Nutzer an die Spielregeln. Foto: Werner Kuhnle

Laut einem anonymen Hinweis geht es in der Benninger Kelter (Kreis Ludwigsburg) oft hoch her. Die Polizei bestätigt mehrere Einsätze. Der Bürgermeister sieht aber keinen Trend.

Wenn die Vorwürfe des anonymen Hinweisgebers stimmen, haben die Anwohner rund um die Benninger Kelter in den Abendstunden häufig wenig zu lachen. In seiner Mail ist nämlich von „massiven Ruhestörungen“ die Rede. „Jede Veranstaltung, die dort passiert, überschreitet die vorgeschriebene gesetzliche Uhrzeit, mit offenen Türen und Fenstern, lauter Musik, Stimmengewirr und keinerlei Rücksicht auf die Nachbarschaft“, erklärt der Bürger, der nach eigenen Angaben von dem angeblichen Remmidemmi selbst betroffen ist. Die Nachtruhe um 22 Uhr werde „vollständig ignoriert“, behauptet er.

 

Mehrere Anwohner hätten wiederholt die Polizei informiert und sich auf dem Rathaus beschwert, „leider ohne erkennbare Konsequenzen“. Dabei sei „die Nutzung eines öffentlichen Veranstaltungsraums unter Missachtung gesetzlicher Bestimmungen und zum Nachteil der direkten Nachbarschaft“ in dieser Form nicht hinnehmbar.

Offenbar sind die Folgen für die im näheren Umfeld des Gebäudes Lebenden teils nicht unerheblich. „Ich schrecke nachts auf, bin nervlich völlig erschöpft und traue mich kaum noch, abends ins Bett zu gehen, wenn ich wieder sehe, dass dort eine Feier stattfindet. Für ältere Menschen wie mich ist dieser Zustand gesundheitlich belastend und psychisch zermürbend“, schreibt der Anonymus. Zwei Mal sei es besonders gravierend gewesen. Ende April und Ende Juni sei bis gegen 3.30 Uhr in der Früh gefeiert worden.

Polizeisprecher Steffen Grabenstein erklärt, dass die Krachmacher zur Ruhe gemahnt worden seien und der Appell wohl auch gefruchtet habe. Foto: Archiv (Simon Granville)

Völlig aus der Luft gegriffen scheinen die Anschuldigungen nicht zu sein. Alleine von April bis 25. Juli seien bei der Polizei fünf Anrufe im System verzeichnet, in denen sich jemand über Ruhestörungen aus der Kelter beklagt habe, berichtet Steffen Grabenstein, Pressesprecher des Präsidiums in Ludwigsburg. Bei den damit verbundenen Einsätzen vor Ort wurden die Beamten mit unterschiedlichen Szenarien konfrontiert. Im Juli rückte eine Streife beispielsweise weit nach Mitternacht zu einer Hochzeitsfeier aus. Von der Party sei Lärm ausgegangen, die Gesellschaft zur Mäßigung ermahnt worden, erklärt Grabenstein. Ein andermal habe ein Betrunkener zu laut Musik gehört, einmal auch ein paar Jugendliche. Beides spielte sich kurz nach 24 Uhr ab.

Bei einem Einsatz im April seien die Kollegen kurz vor Mitternacht indes auf eine bis 2 Uhr genehmigte Veranstaltung gestoßen, von der „kein übermäßiger Lärm“ ausgegangen sei, auch wenn anderes gemeldet worden sei. Überhaupt niemanden mehr habe man Anfang Juli in der Kelter angetroffen, nachdem sich zuvor ein Anrufer über Krach machende Personen beschwert hatte. „In den Fällen, in denen Personen angetroffen und zur Ruhe ermahnt wurden, kam es anschließend zu keinen weiteren Beschwerden, so dass wir davon ausgehen, dass die Ruhestörungen durch die geführten Gespräche beendet wurden“, fasst Steffen Grabenstein zusammen.

Bei der Gemeinde als Vermieter der Kelter geht man zudem davon aus, dass sich die meisten Vertragspartner an die Spielregeln halten, wie der Benninger Bürgermeister Klaus Warthon hervorhebt. Er verweist darauf, dass das Gebäude im Ortskern ja im Grunde jedes Wochenende vermietet sei und bei der Gemeinde in diesem Jahr etwa fünf Beschwerden eingegangen seien. Dabei handele es sich um einen „Durchschnittswert“.

Die Regeln für den Saal in der Kelter besagten, dass Nutzer ab 22 Uhr Fenster und Türen geschlossen halten und die Musik leiser drehen müssten. „Die Mieterinnen und Mieter der Kelter sind über diese Bestimmungen informiert und dokumentieren mit ihrer Unterschrift, dass sie sich an die Bestimmungen halten“, erklärt der Rathauschef. Man könne natürlich nicht ausschließen, dass die Vereinbarungen bei privaten Veranstaltungen in den Wind geschlagen werden und es im Einzelfall zu Problemen komme. „Das ist in der Benninger Kelter nicht anders als an vielen anderen Locations“, betont er.

Der Benninger Bürgermeister Klaus Warthon geht davon aus, dass sich die meisten Mieter an die Spielregeln halten. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Allerdings seien in den vergangenen Monaten keine Rückmeldungen eingegangen, „die über ein normales Maß hinausgehen“. Auch „die Nachfrage bei der Polizei gibt für uns kein Zeichen, dass es in den letzten Monaten zu einer Häufung von Beschwerden gekommen ist“, betont Warthon.

Jemand, der jahrelang tiefe Einblicke in die Benninger Kommunalpolitik hatte, schätzt die Lage jedoch etwas anders ein. Wenn die Polizei in einem so kurzen Zeitraum fünf Mal zur Kelter habe ausrücken müssen, sei das „schon auffällig“.

Bürgermeister: Nachts können wir nicht kontrollieren

So oder so. Für die Gemeinde sei es wie für andere Betreiber von Veranstaltungsräumen nicht möglich, nachts zu kontrollieren, stellt Klaus Warthon klar. Das könne man personell nicht stemmen und sich auch finanziell nicht leisten, sagt Stefanie Gommel, Leiterin des Bürgeramts. Überdies liege es in der Natur der Sache, „dass im alten Ortskern mit relativ dichter Bebauung ein Nebeneinander von Wohnen, Verkehr und Veranstaltungen nicht konfliktfrei über die Bühne gehen kann und deswegen zwischen den einzelnen Interessen abgewogen werden muss“, erklärt der Bürgermeister.

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