Anouk – Kindermusical in Stuttgart Peter Maffay – Diese wichtigen Ereignisse verbinden ihn auf immer mit Stuttgart

, aktualisiert am 21.11.2025 - 14:33 Uhr
Peter Maffay (hier beim Konzert auf dem Cannstatter Wasen) bringt sein Kindermusical „Anouk“ am 14. Februar in die Stuttgarter Liederhalle. Foto: Lichtgut/ Christoph Schmidt

Ein Musical für die Tochter, ein Leben zwischen Schule, Studio und Familienglück: Peter Maffay gibt private Einblicke, spricht über TikTok – und macht Fans Hoffnung auf frische Musik.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Rockstar, Familienvater, Stiftungsgründer: Peter Maffay gewährt persönliche Einblicke im Interview mit unserer Zeitung. Der 76-Jährige verrät, wie seine Tochter Anouk das Musical (gastiert am 14. Februar in Stuttgart) mit ihrem Namen erlebt, wie er sich als „Hiwi“ beim Plätzchenbacken macht, warum er TikTok kritisch sieht, welche musikalischen Pläne er hat und welche Rolle Stuttgart in seiner Karriere spielt.

 

Herr Maffay, was hat sich für Ihre Tochter Anouk verändert, seit das Musical Premiere gefeiert hat? Wie erlebt sie es, dass ihre Geschichte und ihr Name nun auf der Bühne zu sehen sind?

Meine Frau Hendrikje hat angefangen, Bücher zu schreiben, um Anouk damit ein kleines Geschenk zu machen. Die ursprüngliche Absicht war, dass sie sich diese Geschichten anschauen und sich darüber freuen kann, wenn sie ein paar Jahre älter ist. Eine Veröffentlichung als Buch war nicht beabsichtigt. Freunde bekamen Wind davon und schlugen vor, daraus ein Buch mit Illustrationen zu machen, weil Kinder das gerne mit ihren Eltern lesen würden. Es war uns immer wichtig, unsere Tochter so wenig wie möglich in eine Sonderposition zu manövrieren. Es ist uns sehr wichtig, dass die Kleine durch mögliche Popularität nicht auf Abwege gerät.

Christian Doll (links) mit Peter Maffay, Hauptdarstellerin Sarah Laminger, Hendrikje Balsmeyer und Nadine Matzat, Direktor des Varietés in Hannover. Foto: C2 Concerts

Ihre Tochter ist nun in die Schule gekommen. Ist die Schulzeit auch für Eltern eine Lernphase?

Ja, mit sechs Jahren ist sie eingeschult worden. Es ist in der Tat eine Lernphase; wir mussten und wollen uns in unseren Belangen umstellen. Wenn am Anfang eine gewisse Nervosität da war, hat sich das weitgehend normalisiert. Wir leben jetzt in dem Rhythmus, in dem auch andere Eltern leben, wohlwissend, dass dieser Rhythmus bei uns durch unsere beruflichen Verpflichtungen immer wieder unterbrochen wird. Es ist klar, dass die Schulzeit alles dominiert. Um ehrlich zu sein, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.

Die Idee zum Musical stammt von Peter Schwenkow. Hätten Sie gedacht, dass es ein so großer Erfolg wird?

Peter Schwenkow ist ein langjähriger Freund von mir. Er war der Initiator des Treffens mit Christian Doll aus Stuttgart. Wir hatten von vornherein ein sehr gutes Gefühl. Ich hatte den Eindruck, dass Christian sehr erfahren mit Kindermusicals ist. Die Proben fanden in Stuttgart statt. Christian hat uns aufgeklärt, welche Rahmenbedingungen zu beachten waren – dass es nicht so gigantisch wie Tabaluga würde, sondern für kleinere Theater konzipiert war, in die auch ganze Schulklassen passen. Die Bühnenbilder und die Gestaltung sind anders. Die Umsetzung des Musicals fand ich sehr charmant, eine gelungene Mischung aus Kreativität und Naivität. Wir haben uns köstlich amüsiert – viel mehr, als ich erwartet hatte.

Ihr Produzent ist aus Stuttgart. Gibt es weitere Verbindungen zu unserer Stadt?

In Stuttgart hatte ich 1970 mit Rainer Nitschke mein erstes Radiointerview und meine erste Autogrammstunde. Diese beiden wichtigen Ereignisse meiner Karriere sind fest in meiner Erinnerung verankert. Auch an die beiden Konzerte im Sommer 2024 auf dem Cannstatter Wasen denke ich gern zurück.

Im Musical „Anouk“ geht es um Werte wie Freundschaft, Vertrauen, Liebe und Träume. Sind diese Werte angesichts von TikTok und Co. in Gefahr?

Nein, das glaube ich nicht. Es geht darum, kleinen Menschen Werte wie den respektvollen Umgang miteinander zu vermitteln. Werte wie Zuneigung, Empathie, Freundschaft – das sind Werte, die auch angesichts neuer Medien nicht an Bedeutung verlieren. Das sind unsere Regelwerke. Eltern müssen ein gutes Vorbild sein. TikTok hat eher eine ergänzende Funktion. Ich glaube, dass das Netz eine Herausforderung sowohl für die Jugend als auch für die Eltern ist, das richtige Maß im Umgang damit zu finden. Ich glaube nicht, dass die Wertevermittlung irgendwann vom Netz untergebuttert wird. Man muss Kinder bremsen, wenn sie stundenlang im Netz hängen. Es gibt eine andere Realität. Das spiegelt sich in den Geschichten wider. Die Werte, um die es geht, sind so belastbar, die werden uns nicht verloren gehen. Man muss sie sich trotzdem immer wieder vergegenwärtigen.

„Auf dem Handy ist Anouk jetzt schon fitter als ich“

Darf Ihre Tochter TikTok nutzen, wenn sie älter ist?

Meine kleine Tochter ist auf dem Handy jetzt schon fitter als ich. Ich bin oldschool. Es ist enorm, welche Hilfestellungen es gibt. Kinder wachsen in diese Welt hinein, so natürlich, wie wir es eigentlich nicht mehr können. Ich schreibe nach wie vor mit der Hand, tippe nicht pausenlos auf dem Handy herum. Ich bin in einer anderen Welt aufgewachsen. Im Augenblick merke ich noch nicht, dass Anouk zu viel im Netz ist. Es ist immer noch wichtiger, dass man ganz normal kommuniziert und es nicht verlernt.

Mit Ihrer Stiftung setzen Sie sich für alle Kinder ein, nicht nur für Ihre eigene Tochter.

Ja, die Stiftung ist jetzt 25 Jahre alt. Sie ist zu einem Dach für sehr viele Projekte geworden. Learning by Doing. Etwa 2500 Kinder werden von uns jährlich in etwa vier Einrichtungen versorgt. Ganz wichtig ist für uns auch die Ergänzung und Kooperation mit Burda geworden, die zeigt, dass Synergien zugunsten von Kindern machbar sind.

Die Zeiten sind nicht einfach. Wie kann man Kindern Kriege erklären?

Ich glaube, dass Kinder viel aufnahmefähiger sind, als wir glauben. Kinder sind zu früh mit der Heftigkeit gewisser Umstände wie Krieg konfrontiert. Wenn man nicht achtgibt, wozu man Kinder heranlässt, können Verletzungen entstehen, sie fangen an zu träumen, und das beschäftigt sie. Da muss man wahnsinnig vorsichtig sein. Ich finde es wahnsinnig bedauerlich, dass wir jeden Tag mit immer mehr Konflikten zu tun haben. Wir können die Realität vor Kindern nicht ausblenden, müssen uns aber mit ihnen darüber unterhalten, um sie widerstandsfähig für diese Wahrnehmungen zu machen und sie in die Lage zu versetzen, sich später damit auseinanderzusetzen. Die Kinder der kommenden Generationen werden den „Mist“, den wir Erwachsene erzeugen oder zulassen, ausbaden müssen. Es ist völlig nachvollziehbar, dass die junge Generation fordert, in gewisse Prozesse wie bei der Wehrpflicht einbezogen zu werden und angehört zu werden. Sie wollen wissen, worauf sie sich durch unsere Entscheidungen einlassen müssen.

Peter Maffay mit seinem Sohn Yaris Maffay. Foto: imago/Photopress Müller

Waren Sie bei der Bundeswehr?

Ich leiste seit 25 Jahren soziale Dienste. Man kann sich entscheiden: Bin ich für die Waffe, oder setze ich mich anders für die Gesellschaft ein? Beides ist zu respektieren, und die Entscheidung sollte bei den jungen Leuten selbst liegen.

Wenn man Sie in Konzerten oder im Fernsehen sieht, fällt sofort auf, wie fit Sie mit 76 Jahren sind. Gehen Sie jeden Tag ins Gym?

Das schaffe ich leider nicht. Ich habe eine junge Frau, eine kleine Tochter, einen 22-jährigen Sohn – und ich möchte noch viel Zeit mit ihnen verbringen. Ich hoffe, dass mir das der liebe Gott ermöglicht. Es gibt also viele Gründe, sich fit zu halten.

Freuen Sie sich auf Weihnachten? Gibt es bestimmte Rituale im Hause Maffay?

Es gab eine Zeit, da war Weihnachten noch nicht so in meinem Fokus. Wenn Kinder da sind, wird das anders. Anouk hat großen Spaß an der Vorweihnachtszeit. Der Anlauf zum Heiligen Abend ist das, worum es geht. Hendrikje backt Plätzchen und setzt mich dabei als Hiwi ein. Ihre Familie ist sehr groß, die an Weihnachten zusammenkommt; das hatte ich in dieser Ausführlichkeit früher nicht. Wir versuchen, drei oder vier Tage friedlich zusammen zu verbringen (lacht). Das gelingt meistens sehr gut. Danach streben wir wieder auseinander.

Haben Sie neue musikalische Projekte? Können wir uns auf neue Songs freuen?

Die gibt es immer! Im letzten Jahr haben wir zehn Konzerte bei schönem Wetter im Freien gespielt. Dies wird sich hoffentlich wiederholen, unter anderem sind wir in Bietigheim. Die Konzerte sind jetzt schon ausverkauft. Da ich weniger Auftritte habe, kann ich das ganz normale Leben eines Familienvaters führen, aber auch ins Studio gehen. Im Studio kann ich mich stundenlang in Musik verlieren, dabei entsteht immer etwas Neues. Wenn genügend neue Songs da sind, von denen man meint, sie seien für ein Album geeignet, kommt auch ein neues Album.

Musical

Anouk – Das Kindermusical
nach Hendrikje Balsmeyer und Peter Maffay gastiert am Samstag. 14. Februar 2026, 15 Uhr, im Hegel-Saal des Kultur- und Kongresszentrums Liederhalle. Karten gibt es unter anderem bei Easy Ticket.

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