Anpassung an den Klimawandel Auf das vorbereiten, was kommt

Wenn der private Keller bei Starkregen vollläuft, liegt das nicht in der Verantwortung der Stadt. Foto: Imago/Einsatz-Report24/IMAGO/Fabian Geier

Die Erde wird sich weiter erwärmen, trotz ambitioniertesten Klimaschutz. Ein Gesetz soll Kommunen vorschreiben, sich besser ans Klima anzupassen. Gefragt ist allerdings auch jeder Einzelne, kommentiert unsere Redakteurin Judith A. Sägesser.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Als wäre es für Städte und Dörfer nicht schon Herausforderung genug, ihren CO2-Ausstoß auf null zu bringen, die Erderwärmung nötigt sie zu einer weiteren, mindestens so umfangreichen Aufgabe. Der Klimaschutz ist nämlich nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Klimaanpassung.

 

Klimaanpassung meint nicht, sich vorzubereiten für den Fall, dass es mit dem Klimaschutz nicht klappt. Es geht nicht um den Plan B, es geht um einen zusätzlichen Plan A. Denn die Temperaturen werden Experten zufolge weiter steigen, die Extremwetter nehmen zu. Und zwar auch dann, wenn die Welt auf einen klimafreundlichen Pfad einschwenkt. Die Emissionen der Vergangenheit wirken nach. Klimaschutz fokussiert auf die Quelle des Problems, Klimaanpassung auf die als unabwendbar geltenden Folgen. So gut, wie es eben geht, müsse man sich vorbereiten, sagte die Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) kürzlich.

Das Interesse an Anpassung hat einen Grund

Klimaanpassung ist noch eine Nische, aber das Interesse steigt. Das zeigen zum Beispiel Onlineveranstaltungen des Zentrums für Klimaanpassung: Die Teilnehmerzahl geht in die Hunderte, darunter sind auch Verantwortliche aus Kommunen und von Verbänden. Dass Anpassung langsam bei Verwaltungen ankommt, hat einen Grund. Laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Urbanistik unter Kommunen spüren bereits heute mehr als 95 Prozent die Folgen der Klimakrise, 90 Prozent erwarten das auch in der Zukunft, aber nur etwa zehn Prozent haben ein Anpassungskonzept entwickelt. Während „Klimaschutzmanager/in“ inzwischen eine vertraute Stellenausschreibung ist, werden „Klimaanpassungsmanager/in“ bislang selten gesucht. Der Bundestag soll Kommunen noch 2023 zu einem Klimaanpassungskonzept verpflichten.

Aber ist die Anpassung wirklich vorrangig die Aufgabe der Städte und Gemeinden? Das Ergebnis einer Umfrage der Universität Stuttgart: Die meisten der Teilnehmer sehen die Verantwortung dafür in erster Linie nicht bei sich, zumindest was teure Maßnahmen betrifft. Hingegen: Schattenplatz an der Bushaltestelle, kein Fußballtraining bei 38 Grad – ist die Anpassung günstig oder gar gratis, machen die meisten von sich aus mit. Anpassung ist allerdings meist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, denn der Baumschatten an den Bushaltestellen oder Trinkwasserbrunnen fallen nicht vom Himmel. Bei der einen oder anderen Erleichterung braucht es die Kommunen.

Wenn Anpassung gratis oder günstig ist

Teer und Beton heizen die Umgebung auf, an Hitzetagen kühlen sich vor allem Städte selbst nachts nur schwer ab, der Schlaf ist dann nicht wirklich erholsam. Der Job von Kommunen ist, ein Konzept zu entwickeln, wie sich Städte herunterkühlen lassen, sei es mit Kältenetzen, mit Wasserspeichern, mit Bäumen und anderen Pflanzen. Städte können andere Rahmenbedingungen schaffen und beraten.

Doch ihre Zuständigkeit hat Grenzen. So ist es nicht Sache der Stadt, wenn der private Keller nach einem Starkregen vollgelaufen ist. Dass dies bei denen, die im Schadenfall für die Kosten aufkommen müssten, noch nicht angekommen zu sein scheint, belegt ein Blick in die Statistik: Nur die Hälfte der Gebäude in Deutschland ist laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gegen Naturgefahren wie Hochwasser und Überschwemmung versichert. Aus Unglauben, Unkenntnis oder Unverstand? Vermutlich macht es die Mischung.

Keller voll nach Starkregen

Ein erster Schritt, das zu ändern, wäre, sich einzugestehen, dass die Erderwärmung real ist. Der zweite: einen Plan zu schmieden, wie man sich auf das vorbereitet, was kommt. Und das gilt für alle, für jeden Einzelnen.

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