Anschlag in Straßburg Gesuchter Verdächtiger saß in Freiburg und Konstanz in Haft

Von Philipp-Marc Schmid 

Die Polizei sucht nach dem Franzosen Cherif C., der für den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg verantwortlich sein soll. Der Gesuchte hat auch in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und in der Schweiz Spuren hinterlassen.

Der Weihnachtsmarkt in Straßburg wurde nach dem Anschlag abgeriegelt und ist auch am Tag danach noch geschlossen. Foto: dpa 10 Bilder
Der Weihnachtsmarkt in Straßburg wurde nach dem Anschlag abgeriegelt und ist auch am Tag danach noch geschlossen. Foto: dpa

Stuttgart - In Straßburg ist der mutmaßliche Attentäter auch Stunden nach dem Angriff auf einen Weihnachtsmarkt weiter auf der Flucht. „Die Jagd geht weiter“, sagt der stellvertretende Innenminister Laurent Nunez. Unterdessen wird klar: der Gesuchte Cherif C. hat auch in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und in der Schweiz Spuren hinterlassen.

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Der mutmaßliche Attentäter Cherif C. kam am 24. Februar 1989 in Straßburg zur Welt und ist französischer Staatsbürger. Er hat sechs Geschwister und besuchte die Schule bis er 16 war – er beendete diese mit einem dem Hauptschulabschluss ähnlichen Abschluss. Zumindest zwischen 2011 und 2016 war er nach Informationen unserer Zeitung arbeitslos.

Einbrüche in Engen und Mainz

Der Gesuchte hat zahlreiche Vorstrafen. In Baden-Württemberg saß er unter anderem ab Januar 2016 in Konstanz in und ab Oktober 2016 in Freiburg in Haft. Am 28. Juni 2016 hatte das Amtsgericht Singen Cherif C. wegen besonders schweren Diebstahls zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Aus dem Urteil, welches unserer Zeitung vorliegt, geht hervor, dass Cherif C. in eine Apotheke in Engen und in eine Arztpraxis in Mainz eingebrochen war.

Bis zu der Entscheidung des Amtsgerichtes hatte der jetzt wegen des Anschlags in Straßburg Gesuchte laut Urteil bereits „vier Jahre seines Lebens“ in Gefängnissen verbracht. Demnach wurde er 2008 in Frankreich wegen Einbrüchen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe saß er jedoch nur teilweise ab. Im Jahr 2013 erfolgte eine Verurteilung im schweizerischen Basel – wieder wegen Einbrüchen: ein Jahr und sechs Monate. Cherif C. wurde in der Schweiz zwei Monate früher aus der Haft entlassen.

Gesuchter wollte sich um Ausbildungsplatz bemühen

Ein halbes Jahr nach der Verurteilung in Singen musste der mutmaßliche Attentäter, der nur französisch spricht, Deutschland verlassen. Er wurde 2017 nach Frankreich abgeschoben. Im Urteil heißt es: „Der Angeklagte plant, sich in Zukunft um einen Ausbildungsplatz zu bemühen.“ Was aus diesen Bemühungen geworden ist, ist unbekannt.

Cherif C. soll für den Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt verantwortlich sein. Der Angreifer hat am Dienstagabend drei Menschen getötet und mehrere verletzt. Er soll von Sicherheitskräften verletzt worden sein. Der stellvertretende Innenminister Frankreichs, Nunez, erklärte, es sei nicht klar, ob der Täter terroristische Motive habe. Gefahndet wird aber nicht nur nach Cherif C. – die Ermittler suchen auch einen seiner Brüder.