Anschlussstelle Nord-Süd-Straße/A 8 Zauneidechsen verzögern Baustart

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Das Regierungspräsidium will die Anschlussstelle der Nord-Süd-Straße an die A 8 ausbauen. Bevor die Bautrupps anrücken können, brauchen etwa 20 Reptilien eine neue Heimat. Die Umsiedlung der Tiere kostet 30 000 Euro.

Die Tiere sollen künftig östlich der Nord-Süd-Straße, also in Richtung Fasanenhof (im Bild rechts) leben. Foto: Alexandra Kratz
Die Tiere sollen künftig östlich der Nord-Süd-Straße, also in Richtung Fasanenhof (im Bild rechts) leben. Foto: Alexandra Kratz

Möhringen/Echterdingen - Eigentlich wollte das Regierungspräsidium in den Sommerferien 2018 den Anschluss der Nord-Süd-Straße an die A 8 verbessern, damit es weniger Stau gibt. Doch das Projekt verschiebt sich um mindestens ein Jahr. Der Grund sei die Zauneidechse, sagt Katja Lumpp. Sie ist Pressesprecherin des RP.

Die Reptilien lassen sich von Verkehrslärm und Abgasen offensichtlich nicht schrecken und leben auf den Böschungen links und rechts der Nord-Süd-Straße. Das haben Untersuchungen ergeben, welche das Regierungspräsidium in Auftrag geben musste, bevor es bauen darf. Bei den Begehungen für den landschaftspflegerischen Beitrag fanden die Fachleute acht der Reptilien. Weil bei solchen Terminen aber nie alle Tiere gefunden werden, geht das Regierungspräsidium von 20 Tieren aus. Weitere Exemplare leben auf der westlichen Straßenböschung. Diese seien von den Bauarbeiten aber nicht betroffen, schreibt Katja Lumpp.

Die Zauneidechse ist eine streng geschützte Tierart

Manch ein Autofahrer mag sich fragen, warum er wegen 20 Zauneidechsen noch länger im Stau stehen muss. Doch die Tiere sind gemäß des Anhangs IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union und Paragraf 7 des Bundesnaturschutzgesetzes streng geschützt. „Im Gegensatz zur Mauereidechse ist die Zauneidechse in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Es besteht daher die Verpflichtung zur Durchführung von Maßnahmen zum Schutz dieser Art“, erklärt Lumpp. Im Klartext heißt das, dass die Tiere vor Baubeginn umgesiedelt oder vergrämt werden müssen.

Das Regierungspräsidium hat sich auf die Suche nach einem Ersatzlebensraum gemacht. Mit Erfolg, die Tiere sollen künftig östlich der Nord-Süd-Straße leben. Ihre neue Heimat ist etwa 1100 Quadratmeter groß. Bevor die Eidechsen das neue Gelände beziehen, richten es Landschaftsplaner entsprechend her. Von Mitte August an entstehen dort Stein- und Schotterhaufen sowie Haufen aus Holz, Reisig und Wurzelstöcken. Auf den freien Flächen werden artenreiche Kräuter- und Gräsermischung angesät.

Das Regierungspräsidium will Mitte August mit der Aktion beginnen

Weil die Ersatzfläche nahe am bisherigen Lebensraum der Tiere liegt, reicht es, die Echsen zu vergrämen. Dazu werden die Freiflächen zwischen den Gehölzen auf den Böschungen, wo die Tiere bisher beheimatet sind, unattraktiv gemacht. Dort kommt eine schwarze Folie drauf. „Die Tiere verlassen danach diese Bereiche und suchen neue Flächen“, sagt Lumpp. Damit sie das eigens eingerichtete Quartier auch finden, bauen die Fachleute aus Folienzäunen Korridore. Die Abdeckfolie muss bis zum Baubeginn liegenbleiben. Der Baubereich wird mit Folienzäunen umgeben, damit die Tiere nicht zurückkehren können.

Da hat das Regierungspräsidium noch einmal Glück gehabt. Denn wenn der Ersatzlebensraum weiter entfernt gewesen wäre, hätte „qualifiziertes Fachpersonal“ die Tiere einfangen und wieder aussetzen müssen, wie Lumpp schreibt.

Das Regierungspräsidium Stuttgart will Mitte August mit der Aktion beginnen. Wie viel das Herrichten des Ersatzlebensraumes und das Vergrämen der Tiere kostet, kann Katja Lumpp noch nicht genau beziffern. „Erfahrungsgemäß können dafür Kosten in Höhe von etwa 30 000 Euro anfallen“, sagt die RP-Pressesprecherin.

In ihrer bisherigen Form reicht die Anschlussstelle nicht mehr aus

Mit dem Ausbau des Knotens Nord-Süd-Straße/A 8 will das RP das Verkehrsproblem auf den Fildern entschärfen. Verkehrsuntersuchungen haben ergeben, dass die Anschlussstelle in der bestehenden Form für die aktuelle und die künftig zu erwartende Zahl an Autos nicht ausreicht. Denn mit den geplanten Aufsiedlungen im Synergiepark wird künftig noch mehr auf den Straßen los sein. Geplant ist, die Anschlussstelle durch einen zusätzlichen freien Rechtsabbieger von der A-8-Rampe in die Nord-Süd-Straße, einen zusätzlichen Linkseinbieger von der A-8-Rampe in südliche Richtung sowie einen zusätzlichen Geradeausfahrstreifen von der Nord-Süd-Straße bis zur Brücke über die A 8 baulich zu erweitern.

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