Ansprache für die jungen Alten in Kirchengemeinden Neue Angebote für die Generation „55 plus“

Von Brunhilde Arnold 

Eine weitere Diakonatsstelle soll die Arbeit mit und für Senioren im Kirchenbezirk neu aufstellen.

Andrea Kühn will die Generation „55 plus“ besser vernetzen. Für sie gibt es ihrer Meinung nach zu wenige Angebote. Foto: factum/Granville
Andrea Kühn will die Generation „55 plus“ besser vernetzen. Für sie gibt es ihrer Meinung nach zu wenige Angebote. Foto: factum/Granville

Leonberg - Der Name ist Programm: „55 plus“ – so nennt sich eine Initiative des vor zwei Jahren gegründeten Bezirksarbeitskreises Senioren im evangelischen Kirchenbezirk Leonberg. Engagierte Kirchenmitglieder haben sich Gedanken darüber gemacht, wie die „jungen Alten“ in den 20 Kirchengemeinden angesprochen werden können. Zur Zielgruppe gehören Menschen in der dritten Lebensphase, also von etwa 55 bis 80 Jahren. Danach beginnt dann das „vierte Alter“.

Während die alten Menschen mit zahlreichen Angeboten gut eingebunden seien in das Gemeindegeschehen, brauche man für die „jungen Alten“ andere Angebote und eine andere Ansprache, erläuterte Andrea Kühn. Die Sozialpädagogin, die gerade noch ein Studium der Gerontologie absolviert, ist seit Anfang des Jahres Mitarbeiterin des Kirchenbezirks für „neue Seniorenarbeit“ mit dem Schwerpunkt „55 plus“.

Arbeit auf einer 50 Prozent-Stelle

Im Kirchenbezirk Leonberg seien Angebote für die Generation „55 plus“ deutlich unterrepräsentiert und meist indirekt vorhanden, so Kühn. Heutige Neu-Ruheständler haben aber oft noch viele Lebensjahre vor sich. Und sie seien häufig aktiver als frühere Generationen. „70-Jährige treffen Sie selten zu Hause an“, sagte sie augenzwinkernd.

Die Generationen „55 plus“ könnten heute mehr Spuren hinterlassen als nur Kuhlen im Sofa, sagte die 52-Jährige vor Kurzem bei ihrer Vorstellung in der Bezirkssynode in Weissach. Weil die Zahl der älteren Gemeindemitglieder in den Kirchen wegen des demografischen Wandels wachse, gelte es, neue Angebote zu entwickeln. Das sieht die vierfache Mutter als eine ihrer Aufgaben im Rahmen ihrer neu geschaffenen 50-Prozent-Stelle, nämlich exemplarisch etwas zu entwickeln, von dem alle Kirchengemeinden im Bezirk profitieren können.

„Ich soll und will keine Einzelkämpferin sein“, betonte Andrea Kühn. Sie wolle mit dem Seniorenarbeitskreis eng zusammenarbeiten. Viele möchten etwas Neues machen, so ihre Erfahrung in der Altenarbeit. Ihre Aufgabe sei es daher, Menschen zusammenzubringen und sie miteinander zu vernetzen. „Dann kann man gemeinsam etwas starten.“

Wohnformen im Alter könnte ein Thema werden

Das sieht auch Dekan Wolfgang Vögele so, der von einem „Vernetzungsbüro für Ideen der Erwachsenenbildung“ sprach. Die Hauptzielgruppe sollen Menschen im „Dritten Alter“ sein. Weil Andrea Kühn in Leonberg mit ihrem Aufgabenbereich ganz neu sei, gebe es auch noch keine Strukturen für ihre Tätigkeit, erklärte Vögele. Vieles sei Beziehungsarbeit.

Besonders der Bedarf an neuen Formen des Engagements, wie etwa Projektarbeit, sei groß. Einige Ideen dafür hat Andrea Kühn schon. So könnte das Thema neue Wohnformen im Alter bei Veranstaltungen aufgegriffen werden, beispielsweise durch eine Woche des gemeinsamen Lebens.

Andrea Kühn soll aber auch Interessierte für die Altenarbeit in den Kirchengemeinden gewinnen und begleiten sowie das Thema neue Seniorenarbeit in die Öffentlichkeit tragen und die Kirchengemeinden vor Ort beraten.