Anti-Terror-Übung am Hauptbahnhof Stuttgart Panik gehört zur Übung dazu

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Der Hauptbahnhof Stuttgart ist in der Nacht zum Mittwoch das Übungsgelände für Polizisten, die für Terror-Angriffe geschult werden. Rund 1000 Beteiligte machen dabei mit. Und die Übungen sind täuschend echt.

Trainingsszenario: In Stuttgart fährt ein Zug ein, in dem Angreifer auf die Passagiere schießen. Foto: 7aktuell.de/Oskar Eyb 19 Bilder
Trainingsszenario: In Stuttgart fährt ein Zug ein, in dem Angreifer auf die Passagiere schießen. Foto: 7aktuell.de/Oskar Eyb

Stuttgart - Im Hauptbahnhof und davor hat das Technische Hilfswerk für die Polizei 409 Meter Zaun aufgestellt. Der Zaun ist mit Folie bespannt. Der Zaun ist blickdicht, und das ist gut so. Denn was dahinter abläuft, ist selbst dann, wenn man weiß, dass alles zu Übungszwecken inszeniert ist, nur schwer zu ertragen. Die Bundes- und die Landespolizei trainieren abgeschirmt durch diese Zäune in der Nacht zum Mittwoch für den Ernstfall: einen Terrorangriff in einem Zug, der in Stuttgart ankommt.

Beim echten Trainingsbetrieb, etwa von 22.30 Uhr an, darf dann in der Nacht niemand mehr dabei sein. Um ihr Vorgehen und den Trainingszweck für die Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen, zeigt die Polizei am Anfang der langen Anti-Terror-Übung einen Durchlauf für Pressevertreter. „Der Fokus bei dieser Form der Übung liegt auf der Fortbildung unserer Kräfte. Wir können daher keine taktischen Details veröffentlichen“, sagt Jonas Große, der Sprecher der Bundespolizei. Deswegen übe man unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Schreie, Schüsse und blutüberströmte Statisten

Das Szenario sieht so aus: Für die Übung wurde angenommen, dass aus einem Zug ein Notruf bei der Polizei eingehen würde. Im Zug seien Schüsse abgegeben worden,Passagiere seien verletzt. Mehrere bewaffnete Täter seien in den Waggons. Die Polizei müsste im Ernstfall nun in Stuttgart entscheiden, was sie tut.

In der Schauübung sieht das drastisch aus: Eine Plastikhülse wird aus dem Zug auf den Bahnsteig geworfen. Noch ist alles ruhig. Die Hülse detoniert. Dann Schreie, Schüsse, blutüberströmte Statisten stolpern auf den Bahnsteig – täuschend echt geschminkt. Hinter ihnen die Darsteller, die die Täter mimen, vermummte große Männer mit Maschinenpistolen, die gnadenlos Opfer verfolgen und auf am Boden liegende Passagiere schießen. Sekunden nur vergehen, bis die ersten zwei Streifen – eine der Bundes- und eine der Landespolizei – vom Querbahnsteig herbei rennen und das Feuer auf die Täter-Darsteller eröffnen. Diese Sekunden wirken für die Beobachter quälend lang, hören sie doch fortwährend die gespielten Hilfe- und Schmerzensschreie.

Die Übung in Stuttgart ist mit rund 1000 Beteiligten eine der größten

„Das Gute siegt“, hatte Olef Petersen, der Sprecher der Landespolizei, im Vorfeld in Aussicht gestellt. Das Drehbuch für die Schauübung sieht vor, dass die Beamten die Attentäter überwältigen können und fesseln. Trainiert wird dabei auch der psychische Stress, unter dem das im Ernstfall stattfindet: Schreiende und heulende Statisten – Polizeianwärter von den Polizeischulen mimen die Zugfahrgäste – stehen am Ende des Bahnsteiges, flehen um Hilfe, zerren zu Schwerverletzten geschminkte Kollegen herbei: die sogenannte Panikmasse.

Die Übung in Stuttgart ist bereits die siebte dieser Art, die in ganz Deutschland stattfindet. Sie ist mit rund 1000 Beteiligten auch die größte, sagt der Bundespolizeisprecher. 15 000 Farbkugeln für Druckluftwaffen und 12 500 Platzpatronen können verschossen werden. „Aufgrund der anhaltend hohen abstrakten Gefährdungslage müssen auch Streifenbeamte in der Lage sein, bei Terrorangriffen oder einem Amoklauf einzuschreiten“, erläutert Große. „Jede Sekunde zählt da“, fügt er hinzu. Die Zeiten, in denen man „lebensbedrohende Einsatzlagen“ nur von Spezialeinsatzkräften bewältigen ließ, seien vorbei. „Die Bedrohung ist anhaltend hoch“, sagt Peter Holzem, der Präsident Bundespolizeidirektion.

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