Stuttgart - Zumindest in einem sind sich Politik, Tierärzten und Tierbesitzer einig: Werden Antibiotika inflationär eingesetzt, drohen Resistenzen – und das ist gefährlich für Mensch und für Tier, weil dann kein Mittel mehr gegen bestimmte Erreger hilft. Aber darf man deshalb bestimmte Antibiotika in der Tierhaltung einfach verbieten? Darüber wird gerade heftig gestritten. Denn das EU-Parlament will im September darüber abstimmen, welche Antibiotika von 2022 an nur noch in der Humanmedizin eingesetzt werden dürfen.
Gegen den Einsatz in der Massentierhaltung
Martin Häusling, der agrarpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament und Mitglied des zuständigen Ausschusses, schreibt in seinem Antrag, dass jährlich 33 000 Menschen in der EU „an der fehlenden Wirksamkeit von Antibiotika“ sterben. Die sogenannten Reserveantibiotika sollen deshalb ausschließlich Menschen vorbehalten sein. Das Verbot ist auch als Kampfansage an die Massentierhaltung gedacht. Häusling beruhigt zwar, weder die Haus- noch die Einzeltierhaltung seien betroffen. Sabine Jülicher, die Direktorin der EU-Kommission für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, jedoch wird deutlicher und spricht von einem Verbot ohne Ausnahmen.
Unzureichende Therapiemöglichkeiten
Bundestierärztekammer (BTK), der Bund der praktizierenden Tierärzte (BPT) und europäische Tierärzten machen mit Online-Petitionen gegen diese Pläne mobil. Sie wollen den Antrag stoppen. „Betroffen vom Verbot sind nicht nur die Tiere in der Landwirtschaft, sondern alle Tierarten“, sagt BPT-Präsident Siegfried Moder. Und das bedeute viel Leid für alle Tiere – von Meerschweinchen über Hunde und Katzen bis zu Reptilien – im schlimmsten Fall würden sie sterben. Betroffen sind auch Zootiere, Tiere auf Gnadenhöfen sowie Rettungs- und Blindenhunde. Schon ein entzündlicher Bruch könnte ihren Tod zur Folge haben.