Seit 2017 veröffentlicht sie gemeinsam mit ihrer Freundin Caro Screenshots von übergriffigen Nachrichten, die Menschen ihnen schicken. Auch Kim war häufig selbst mit Übergriffen konfrontiert und versucht jetzt mit ihrem eigenen Aktivismus andere Menschen zu sensibilisieren.
Rückenwind von Instagram
Ihr Ziel, damit immer mehr Menschen erreichen zu können, gelingt ihr, denn ihr Instagram Kanal antiflirting2 trifft den Zeitgeist. Der erste Kanal (antiflirting) wurde übrigens von Instagram gesperrt, es habe sich um einen Verstoß der Richtlinien gehandelt. „Deshalb kann die Sperre nicht aufgehoben werden.“ Aber: Gute Nachrichten gibt es trotzdem, denn beim zweiten Account sei die Sperre ausgeschlossen. Es gibt Rückenwind von den Insta-Zuständigen – und das tut gut, wie Kim erzählt.
„Ich wurde Quoten-Inderin genannt“
Jetzt aber zum Wesentlichen: Aufgrund des Migrationshintergrunds ihrer Eltern wurde Kim schon früh mit rassistischen Äußerungen konfrontiert. „In der Schule kam es häufig vor, dass man mich die ‚Quoten-Inderin‘ nannte“, erzählt die junge Stuttgarterin. „Das war einfach normal“. Ihre Mutter stammt aus Polen, ihr Vater immigrierte aus Bangladesch nach Deutschland.
Diese Erfahrungen begleiten sie bis heute. Da sie zudem als Frau auch vermehrt sexuell-übergriffigen Situationen im Netz sowie im Alltag ausgesetzt ist, beginnt sie etwas dagegen zu tun. Durch ihr Studium kam sie in Kontakt mit feministischem Aktivismus und lernte mehr über den sensiblen Umgang mit Themen wie Rassismus und Sexismus.
Fehlverhalten im Netz aufdecken
Die Auseinandersetzungen mit zwischenmenschlichen Verhaltensmustern verleitete sie zu öffentlichen Statements über ihren privaten Instagram-Account, wodurch sie Caro kennenlernte und mit ihr eine gemeinsame Sache plante. Nämlich: Fehlverhalten im Netz aufzudecken.
Eines wollen die beiden aber nicht: Einen Shitstorm gegen die Personen auslösen, sondern auf ein generelles Fehlverhalten in der Kommunikation hinweisen. Die Chatverläufe, die sie auf ihrer Instagram-Seite „leaken“, sind immer anonymisiert und geben lediglich die übergriffigen, beleidigenden und sexistischen Phantasien der Verfasser und Verfasserinnen preis.
„Bist du ’ne Feministen-Schlampe oder normal?“
Es sollte so normal wie verständlich sein, dass man die Personen so respektiert, dass man sie nicht belästigt. Doch häufig kommt es bei Plattformen wie Tinder oder Instagram, aufgrund der anonymen Kommunikation, zu Grenzüberschreitungen. „Übegriffigkeit findet nicht nur von Männern statt. Auch Frauen oder Personen anderen Genders können übergriffig sein“, will Kim gleich zu Beginn anmerken. Doch die Zahl von männlichen Übergriffen sei eben hoch.
Lob aber auch Kritik
Sie lässt die ungefragten Dickpics auf Instagram und sexistischen Anmachen auf Tinder jetzt nicht mehr einfach so stehen, sondern macht, wie derzeit kaum jemand, auf das Problem aufmerksam. Dadurch ernten die beiden Frauen zwar viel Lob und Medienrummel aber auch Kritik. Doch das nehmen sie in Kauf. Es ist ihnen durchaus bewusst, dass man viel Gegenwind bekommt, wenn man Menschen aus ihrer Komfortzone heraus mit Themen konfrontiert, die sie bisher nicht interessiert haben.
In der Zwischenzeit war der Kanal, aufgrund unbekannter Vorwürfe, sogar gesperrt. Kim und Caro riefen ihre Follower:innen über den neugegründeten Kanal „antiflirting2„, der es in wenigen Tagen ebenfalls auf mehrere tausend Follower geschafft hat, dazu auf, diesen Sachverhalt bei Instagram zu melden. Nun ist die originale Plattform wieder online und die Followerzahlen steigen auf beiden Seiten täglich.
Für mehr feministischen Aktivismus in Stuttgart
Kim wünscht sich, dass sich auch in ihrer Heimatstadt Stuttgart mehr Menschen aktiver gegen Sexismus stark machen. „Wenn ich an Stuttgart denke, kenne ich kaum ein Netzwerk, das sich bei Themen wie Sexismus oder Feminismus öffentlich regelmäßig stark macht“, sagt sie. Einerseits stimmt das, andererseits gibt es jedoch einige nennenswerte Initiativen, wie das FF*GZ (Das Feministische Frauen*gesundheitszentrum Stuttgart e.V), das Queerfem-Forum oder die Queerdenker.