Antiheld mit Protestsong "Dieser Hass macht uns einfach Angst"

Die Stuttgarter Band Antiheld wendet sich mit ihrem Song Ihr seid nicht unsere Präsidenten wortstark gegen Trump und Co. Foto: Antiheld bei Facebook
Die Stuttgarter Band Antiheld wendet sich mit ihrem Song "Ihr seid nicht unsere Präsidenten" wortstark gegen Trump und Co. Foto: Antiheld bei Facebook

Die Stuttgarter Band Antiheld wendet sich mit deutlichen Worten gegen Politiker wie Donald Trump oder Marine Le Pen. Sie erhält für ihren Protestsong viel Zustimmung - und einige sehr ernüchternde Kommentare.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)
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Stuttgart - Der Protestsong ist eine hierzulande nur noch eher selten, in Österreich dank des Radiosenders FM4 und seines Protestsongcontests etwas häufiger gepflegte popmusikalische Ausdrucksform. Doch es gibt Hoffnung. Die Tübinger Liedermacherin Sarah Lesch gewann dieses Jahr den Protestsongcontest, jetzt legt die Stuttgarter Band Antiheld nach - kurz nach der Wahl von Donald Trump in den USA und kurz vor der möglichen Wahl von Norbert Hofer in Österreich.

Den Song "Ihr seid nicht unsere Präsidenten" wurde am Samstag geschrieben und prompt vor laufender Kamera eingespielt. Die Band positioniert sich deutlich, auch mit klaren Worten:

 

"Wir wollen keinen Hass & keine Ausgrenzung! Wir wollen keinen Trump, keine Le Pen, keinen Hofer & keine AFD", schreibt die Band zu dem Facebook-Post - und schiebt im praktischerweise mit den Lyrics untertitelten Video ein "Fickt euch" hinterher, dank zweisprachiger Untertitel auch auf Englisch.

"Zusammen sind wir laut! Traut euch!", heißt es unter dem Video. So viel politisches Engagement hatte man von Antiheld, die nach dem Sieg beim Play-Live-Wettbewerb vor allem mit sehr eingängigen Songs und einer Straßenkonzert-Tournee auffielen, bisher nicht mitbekommen. 

Falsche Wahrnehmung, sagt der Antiheld-Sänger Luca Opifanti. "Texte über die Liebe gehen mir tatsächlich leichter von der Hand. Wir waren aber schon immer engagiert, nur eben auf unsere Art, mit unseren Mitteln." Opifanti verweist auf Antiheld-Auftritte beim Christopher Street Day, bei einem Festival für Flüchtlinge in Stuttgart und bei der "Initiative Nazifrei" in Berlin. Neu, sagt der Sänger, sei der explizit politische Text. "Den habe ich wahrscheinlich dem Trump-Schock zu verdanken. Vor einem Monat saßen wir noch zusammen im Proberaum und haben uns über diesen durchgeknallten Clown lustig gemacht."

Viel Zustimmung - und Hasskommentare

Jetzt ist Trump Präsident, am Sonntag wird in Österreich womöglich der FPÖ-Politiker Norbert Hofer zum Bundespräsidenten gewählt und 2017 stehen Marine Le Pen in Frankreich sowie die AfD bei der Bundestagswahl in den Startlöchern. Sie alle setzen auf Abgrenzung und sammeln unter anderem damit Sympathisanten und Stimmen. "Wir sagen nicht, dass wir die Weisheit mit Löffeln gefressen oder gar eine Lösung hätten, aber bei menschenrechtsverachtenden Äußerungen ist Schluss", sagt Luca Opifanti, und weiter: "Wir sind voll und ganz für die Demokratie! Die AfD hat ihr Recht wie jede andere Partei auch, aber dieser Hass macht uns einfach Angst."

"Jedes Herz und jedes Hirn sollte fühlen und sollte denken", heißt es in dem Antiheld-Song. Es ist ein Zeichen, dass nicht nur die Anhänger von AfD und Co. ihre Stimme erheben können - und wurde bis Dienstag mehr als 42.000 Mal angesehen. Dass sich unter die erwartbar große Zustimmung auch Kommentare wie dieser hier mischen, zeigt, warum die Welt derzeit mehr von solchen Liedern braucht.

 




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