Start in der Gewerkschaftsjugend Über die Gewerkschaftsjugend, so berichtet der bekennende und kampfeslustige Anhänger kommunistischer Ideale mit pazifistischer Grundüberzeugung, sei er in den 1950er Jahren ins politische Engagement gestartet. In Mannheim hatte Keller 1954 eine Lehre als Drechsler bei einem Ankerproduzenten aufgenommen. In der IG Metall wurde er zum Jugendleiter und schließlich zum Mitglied im Jugendausschuss des DGB, bevor er Ende der 1950er zu den Motorenwerken Mannheim wechselte.
„Mannheims wilde Männer“ Die Gewerkschaftler im Motorenwerk – in der Arbeiterszene dem Werkskürzel entsprechend weithin bekannt als „Mannheims wilde Männer“ – galten in den damaligen Arbeitskämpfen und Tarifauseinandersetzungen als besonders kämpferisch, berichtet Dieter Keller. Er war natürlich mit dabei. Er saß mit im Vorstand der Vertrauensleute und vertrat die Mannheimer als Delegierter beim Gewerkschaftstag.
Im Jahr 1968 hat Dieter Keller – pünktlich zum 150. Geburtstag von Karl Marx – die als extrem links geltende Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) mitgegründet. Die marxistisch-leninistische Organisation gilt inzwischen als eigenständige Nebenorganisation der DKP. 1975 nach Stuttgart gezogen, war der Gewerkschaftsaktivist schließlich auch Bezirksvorsitzender der DKP, später deren Landesvorsitzender, berichtete der selten um einen unterhaltsamen Polit-Spruch verlegene Altkämpe beim Gespräch im Vorfeld des Antikriegstages.
Ein Fellbacher seit 1983 Seit gut 30 Jahren ist der seit 1983 in Fellbach heimatlich gewordene und zumindest beruflich 2005 in Rente gegangene Gewerkschaftskämpfer hierzulande im DGB aktiv. Auch als Mann mit Spaten beim Setzen des Friedensbaums. Die Idee dafür sei bei einem Tanz in den Mai entstanden. Der Baum wurde, der besseren Sichtbarkeit auch bei den Antikriegstagen wegen, mit Unterstützung des damaligen OB Christoph Palm an die Schwabenlandhalle umgepflanzt.
Politische Arbeit geht weiter Bei so einem Leben gehe es natürlich nicht an, einfach mit dem Amt auch das Engagement zu beenden, kündigt der extrem rüstige 82-Jährige an. Er hat sein nächstes Projekt fest im Blick: Eine Ausstellung zum Thema „50 Jahre Berufsverbot“ über den Radikalenerlass der 1980er-Jahre und die Berufsverbote in Deutschland, die im Schorndorfer Club Manufaktur samt Rahmenprogramm im Oktober sein soll. Entsprechend einer seiner Maximen: „Mit der Funktion legt man nicht die politische Arbeit nieder.“
Zwei Starts anno 1997 Die politische Laudatio auf das politische und gewerkschaftliche Engagement des stramm Linken hat bei der Antikriegstagskundgebung sein Nachfolger als DGB-Sprecher in Fellbach, Danial Bamdadi, gehalten. Er sei, sagte der junge Mann, der in die etwas größeren Gewerkschaftler-Spuren tritt, kurioserweise im Jahr 1997 geboren – exakt in dem Jahr, in dem Dieter Keller dieses Amt angetreten hatte.
Antikriegstag: „Wichtiger denn je“ „Nie wieder Krieg“, bei diesem Motto ist sich Dieter Keller mit Alt und Jung einig, bei der von rund 150 Leuten besuchten Kundgebung am Fellbacher Friedensbaum. Und gerade aktuell sei der Antikriegstag wichtiger denn je, wurde dort betont. Das Motto in dem Jahr, in dem Russland gegen die Ukraine Krieg führt, so sagte Matthias Fuchs, der Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Rems-Murr: „Gegen neuen Rüstungswettlauf. Die Waffe müssen endlich schweigen.“
Die Menschen in der Ukraine seien jeden Tag, jede Stunde die absoluten Verlierer dieses Krieges. Mit der Kundgebung wolle man das Morden nicht nur in Europa beenden, sondern auch ein Zeichen setzen für eine internationale Friedensordnung, eine kooperativ ausgerichtete Sicherheitspolitik, ein Zeichen gegen einen neuen weltweiten Rüstungswettlauf und für die weltweite Ächtung von Atomwaffen.