Anwohner schlagen Alarm Futterstelle für Tauben zieht Ratten an – Verein in Herrenberg wehrt sich

, aktualisiert am 27.03.2026 - 11:38 Uhr
Die Tauben folgen der Spur zur neuen Futterstelle am Marktplatz in Herrenberg. Foto: Anke Kumbier

In Herrenberg ist Streit um eine Futterstelle für Tauben entbrannt. Anwohner haben mit Ratten zu kämpfen. Ihre Vermutung: Die Körner für die Tauben ziehen sie an.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Tauben sind in vielen Städten so alltäglich, dass sie gar nicht mehr auffallen – bis sie zum Problem werden. In Herrenberg ist um diese Tierart ein Streit entbrannt, der einiges verändern könnte. Darin involviert: Anwohner, die Stadt Herrenberg und ein Verein, der Tauben füttert.

 

Was ist passiert? Anwohner der Straße „Am Joachimsberg“ haben sich Anfang des Jahres zusammengeschlossen. Sie fordern: Die Futterstelle für Tauben in ihrer Straße soll verlegt werden. Denn: Die dort ausgebrachten Körner lockten Ratten an. „In den Gärten der anliegenden Häuser wurden seit Sommer wiederholt Ratten gesichtet“, sagt Frank-Jürgen Tesch, einer der Anwohner. Anfang März überreichten die Anwohner der Stadt ein Schreiben mit 100 Unterschriften, in dem sie appellieren, die Futterstelle an die Peripherie zu verlegen.

Die Futterstelle sei eine Zwischenlösung, wie Erster Bürgermeister Stefan Metzing betont.

Lockt die Taubenfutterstelle in Herrenberg Ratten an?

Dass es an der Ecke „Joachimsberg/Stuttgarter Straße“ eine Rattenplage gibt, bestätigt Stefan Metzing, Erster Bürgermeister der Stadt Herrenberg. Nur, ob sie tatsächlich von dem Taubenfutter angelockt wurden, könne er nicht sagen, aber auch nicht ausschließen. Auf jeden Fall hat die Stadt inzwischen reagiert. Wenn auch sehr spät, wie Tesch findet. Schließlich hätte es schon vor zwei Jahren Sorgen wegen Ratten gegeben, und seit einem knappen Jahr hätten sich Anwohner wegen Ratten immer wieder an die Stadt gewandt. Aber erst auf die orchestrierte Aktion mit der Unterschriftenliste sei Bewegung in die Sache gekommen.

Verein in Herrenberg füttert Tauben seit vier Jahren

„Es war gut, dass sich die Anwohner zusammengetan haben“, sagt Metzing. „So wurde für uns deutlich, wie groß das Problem ist.“ Die Stadt hat jetzt Fallen gegen die Ratten aufgestellt und die Futterstelle für die Tauben Richtung Marktplatz verlegen – als Zwischenlösung, wie Metzing betont.

Seit ungefähr vier Jahren baut die Stadt Herrenberg, wenn es um Tauben geht, auf den Verein „Straßentaube und Stadtleben“. In der Stadt gibt es drei Orte, an denen ehrenamtliche Helfer des Vereins Körner für die Vögel auslegen. Die Tiere nehmen eine Sonderrolle ein. Es handelt sich um verwilderte Haustiere, für die das Tierschutzgesetz eine Fürsorgepflicht vorsieht. Die Rechtslage scheint zwar komplex zu sein, doch viele, auch die Stadt Herrenberg, interpretieren sie so, dass Kommunen verpflichtet sind, sich um die Tauben zu kümmern.

„Wir sind von der Maßnahme überzeugt“, sagt Metzing über die Futterstellen. Nicht nur wegen des Tierschutzes, sondern weil seither die Beschwerden aus der Außengastronomie über bettelnde Tauben deutlich nachgelassen hätten. Und: „Die Tiere sind gesünder.“ Das führe wiederum dazu, dass es weniger Hungerkot – große, weiße Fladen – in der Stadt gebe.

Taubenverein in Herrenberg wehrt sich mit eigener Petition

Allerdings scheint das Verhältnis zwischen Anwohnern und Verein teils ziemlich vergiftet zu sein. „Ortsfremde Personen füttern hier in unsachgemäßer Weise, indem sie viel zu große Mengen Futter am Boden auslegen, das dann tagelang liegen bleibt“, kritisiert Tesch.

Der Verein wehrt sich auf der Onlineplattform Open Petition. Dort läuft eine Petition, in der es um die Erhaltung der Futterstellen in Herrenberg geht. Darin schreibt der Verein, dass vermutlich nicht die Körner, sondern eher Essensreste die Ratten angelockt hätten. Und: Die ehrenamtliche Helfer seien zunehmend persönlichen Anfeindungen ausgesetzt.

Eine Ratte frisst das Taubenfutter auf. Foto: privat

Die Stadt Herrenberg sitzt zwischen den Stühlen. Sie hat dem Verein, der das ehrenamtlich und kostenlos tut, die Fütterung erlaubt und scheint bisher zufrieden gewesen zu sein. Sowohl Verein als auch Stadt betonen, dass die Zusammenarbeit gut sei. Doch der Unmut in der Stadtbevölkerung über die Futterstellen nimmt offenbar zu. Und klar ist auch: Auf eine Rattenplage muss die Stadt reagieren.

Freie Wähler schlagen Taubenhaus für Herrenberg vor

Die Lösung könnte ein Antrag der Freien Wähler sein, an dem Otto Beerstecher, ebenfalls ein Anwohner der Straße „Am Joachimsberg“ mitgearbeitet hat. Die Freien Wähler fordern den Bau eines Taubenhauses. Die Tauben hätten eine zentrale Anlaufstelle, das Futter läge nicht offen herum und über den Austausch von Eiern gegen Attrappen ließe sich die Population kontrollieren. Ein Konzept, das in anderen Städten erfolgreich umgesetzt wird.

Den Vorschlag scheinen alle zu begrüßen: die Anwohner, die Stadt und der Verein. Demnächst soll der Gemeinderat darüber entscheiden. Allerdings birgt auch das Taubenhaus Konfliktpotenzial, schließlich muss dafür der passende Standort gefunden werden – in der Peripherie oder in der Innenstadt? Die Stadt wolle dazu den Rat eines Biologen und der Landestierschutzbeauftragten einholen, sagt Metzing.

Körner liegen jetzt am Oberamt in Herrenberg

Bis über ein Taubenhaus entschieden ist, setzt die Stadt auf eine Zwischenlösung. Die Tauben werden statt an der Ecke „Joachimsberg/Stuttgarter Straße“ am Oberamt oberhalb des Marktplatzes gefüttert. Damit sie den Weg dorthin finden, wurde eine Körnerspur ausgelegt. Es dauere etwa drei Wochen, bis die Tauben wüssten, wo die neue Futterstelle ist, sagt Metzing. Im nächsten Schritt sollen die Körner auf einem Fensterbrett in einem der oberen Stockwerke des städtischen Oberamts ausgelegt werden. Dann wären die Körner vom Boden weg. „Das sind aber alles nur temporäre Lösungen, das Ziel ist ein Taubenhaus“, betont Metzing.

Tauben in Herrenberg

Anzahl
Rund 250 Tauben zählt der Verein Straßentaube und Stadtleben im gesamten Stadtgebiet in Herrenberg. Sie leben aufgeteilt auf drei Schwärme. Seit der Verein die Tauben füttert sei deren Zahl nicht nennenswert gestiegen, sagt Stefan Metzing. Der Verein geht davon aus, dass für die Anzahl der Tauben in Herrenberg insgesamt zwei Taubenhäuser notwendig wären.

Antrag Freie Wähler
Der Antrag soll in einer der nächsten Gemeinderatsitzungen eingebracht und besprochen werden.

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