Ein Jahr nach der Einführung des Parkraummanagements im Stuttgarter Westen hat sich schon viel für die Autofahrer verbessert. Doch das Resümee fällt nicht nur positiv aus.

Stuttgart - Das geordnete Parken im einst wilden Westen Stuttgarts jährt sich am Donnerstag das erste Mal. Zum Startschuss am 1. März 2011 und in den Wochen zuvor war es turbulent zugegangen. Die Skepsis überwog den Glauben daran, dass das Parkraummanagement den Park-Suchverkehr eindämmen und die Chance, einen freien Parkplatz zu ergattern, erhöhen könnte. Nun ein Jahr später ist es ruhiger geworden im Westen. Am Tag hat der Autofahrer in manchen Ecken des Bezirks fast die Qual der Wahl, wo er sein Fahrzeug abstellt.

 

Nachts fällt das Resümee weniger gut aus. Langes Suchen oder parken in zweiter Reihe gehören für die Bewohner des Westens immer noch dazu. „Wenn man abends nach hause kommt und zehn Minuten statt früher eine halbe Stunde einen Parkplatz sucht, dann ist das immer noch nicht gut“, sagt Birgit Wöhrle.

Neue Stellplätze suchen und schaffen

Die Mitarbeiterin des Amts für öffentliche Ordnung ist sozusagen die Parkraummanagerin und damit die Frau an der Front. Bei ihr gehen die Beschwerden, Lob, Anregungen und Fragen ein. Momentan vor allem von Bewohnern und Gewerbetreibenden, die einen neuen Parkausweis beantragen müssen. Hin und wieder ist sie auch draußen unterwegs. Es gehört zum Konzept des Parkraummanagements, neue Stellplätze zu suchen und zu schaffen. „Mittlerweile ist der Westen allerdings ziemlich ausgemostet“, so Wöhrle.

Mit am wenigsten profitiert haben die Anwohner in den Gebieten W 5 und W 8, beide nördlich angrenzend an die Schwabstraße. Zwar wird in W 5 derzeit die Tiefgarage am Rossbollengässle mit 70 Stellplätzen gebaut, für die sich laut Wöhrle Interessierte schon auf die Warteliste setzen lassen, dennoch bleiben diese Gebiete die größte Herausforderung für die Stadtverwaltung, der Grenzen gesetzt sind. „Den Zauber der wundersamen Parkplatzvermehrung haben wir leider noch nicht erlebt“, so Wöhrle.

Trotz dieser Eingeständnisse zieht Birgit Wöhrle ein positives Fazit. Und ihr Vorgesetzter, der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, schließt sich dem an: „Das System funktioniert im Großen und Ganzen und ich höre allgemeine Zufriedenheit bei den Anwohnern und bei den Gewerbetreibenden.“

Gewerbetreibende bekommen nur einen Parkausweis

Diesem positiven Tenor schließt sich Heidi Schäfer, Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Stuttgart, nicht an. „Wir haben immer noch große Sorgen und werden von der Stadtverwaltung nicht gehört“, sagt sie. Im Kern gehe es darum, dass Gewerbetreibenden nur einen Parkausweis bekommen, ganz gleich wie viele Geschäftsfahrzeuge sie haben. „Ich würde mir wünschen, dass die Verwaltung und die Fraktionen bei diesen Anliegen flexibler ist“, so Schäfer, „schließlich sind es die mittelständischen Unternehmen, die der Stadt Geld bringen.“

Dennoch betont die HGV-Vorsitzende, nicht per se gegen das Parksystem zu sein. Sie bekomme auch positive Resonanz, da Handwerker nun tagsüber bei Kundenbesuchen leichter einen Parkplatz fänden. „Es bleiben aber nach einem Jahr viele Fragen offen und man kann das so nicht einfach weiterlaufen lassen“, so Schäfer.

Parkraummanagement ist ein lernendes System

Die Stadtverwaltung spricht bei dem Parkraummanagement von einem lernenden System. Anregungen von außen werden aufgenommen. So kam von den Politessen beispielsweise der Vorschlag, an manchen Stellen, wie an einem Abschnitt Rosenbergstraße ein sogenanntes Reißverschlussprinzip einzuführen. Das bedeutet, dass in diesem Bereich die Anwohner zweier angrenzender Gebiete auf beiden Straßenseiten parken dürfen – ohne extra einen Parkschein zu lösen.

Bezüglich der Einnahmen zeigt sich Schairer nach einem Jahr zufrieden. „Wir haben 1,3 Millionen Euro durch Verwarnungen eingenommen“, sagt er. Das seien rund 165 000 Strafzettel. „Etwas weniger als wir dachten, die Leute scheinen von der regen Verkehrskontrolle beeindruckt.“ Das Lösen von Parktickets brachte der Stadt in zwölf Monaten 150 000 Euro ein. Der Verkauf der Anwohnerausweise brachte 392 000 Euro plus 88 000 Euro durch Ausnahmegenehmigungen.

Die anderen Stadtbezirke im Visier

Nach dem Pilotprojekt im Westen richtet die Stadtverwaltung nun den Blick auf die übrigen vier Innenstadtbezirke. 200 000 Euro hat der Gemeinderat für den aktuellen Doppelhaushalt genehmigt. Davon soll eine Untersuchung finanziert werden, welche Bezirke ein Parkraummanagement wollen und wo es sinnvoll ist. Der erste Schritt der Untersuchung ist der Besuch von Stephan Oehler vom Stadtplanungsamt in den Bezirksbeiräten der Innenstadt. Dort stellt er das Prozedere, das im Vorfeld einer Einführung notwendig ist, vor. In Mitte ist ein Parkraummanagement dringend gewünscht. Man wolle nicht der öffentliche Parkplatz für alle Besucher sein. Dort im Zentrum sollte der Fokus allerdings auf der nächtlichen Überwachung liegen. Auch der Bezirksbeirat Süd hat sich gestern Abend über die Möglichkeiten der Parkraumbewirtschaftung informiert. Im Norden und Osten wird am 12. und 14. März das Konzept vorgestellt.