Anzeigenblocker im Internet Ramschware hat keine Zukunft

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Es ist müßig, den Egoismus der Nutzer zu beklagen, die Inhalte im Netz gratis aufrufen und andererseits die zur Finanzierung nötige Werbung blockieren. Die Anzeigen müssen weniger aufdringlich und die Inhalte überzeugender werden, schreibt Andreas Geldner.

Es gibt Initiativen im Netz, die  gegen Werbeblocker mit Gegen-Software aufrüsten. Foto: dpa
Es gibt Initiativen im Netz, die gegen Werbeblocker mit Gegen-Software aufrüsten. Foto: dpa

Stuttgart - Manche Klischees beim Umgang mit dem Internet passen einfach immer wieder. Während in den USA die Diskussion um Anzeigenblocker um die Freiheit der Konsumenten kreist, die sich nicht alles gefallen lassen, verfolgen deutsche Medienhäuser einen anderen Weg. Sie wollen das Freikauf-Modell der Anbieter von Blockierprogrammen, die gegen Geld einzelne Anzeigen durchlassen, gerichtlich verbieten lassen. Wie auch immer man die juristischen Argumente beurteilt, gegen die Präferenzen der Nutzer hat noch kein Schutzwall im Netz gehalten.

Das Problem des zunehmenden Anzeigenboykotts der Verbraucher ist nicht trivial. Wenn die Anzeigenerlöse sinken, ist die bisherige Gratiskultur im Netz nicht mehr haltbar. Dabei könnten auch viele wertvolle Inhalte auf der Strecke bleiben, an die sich die Leser ganz selbstverständlich gewöhnt haben. Aus diesem Blickwinkel handeln sie in der Tat kurzsichtig und egoistisch. Aber warum ist das so? Werbung im Netz ist häufig zur Ramschware verkommen. Der dafür zur Verfügung stehende Platz ist endlos, was die Preise drückt. Das hat das problematische Motto „viel hilft viel“ befördert, was die Abwehrreaktion der Verbraucher geradezu provoziert.

Bei Werbung im Internet zählt Klasse statt Masse

Das einzige wirksame Rezept ist Qualität, sowohl bei der Werbung als auch bei den Inhalten selbst. Weniger penetrante Werbung stößt auf mehr Akzeptanz. Faire Information, wenig Datenverbrauch und eine Prise Unterhaltung goutieren die Verbraucher mehr als laute Slogans. Sie wären wohl auch stärker als bisher bereit, direkt für Inhalte zu bezahlen, wenn sie weniger Werbeunterbrechungen ertragen müssen. Dafür bräuchte es innovative Modelle, etwa die Möglichkeit gegen eine Abogebühr Texte aus verschiedenen Quellen zu beziehen – nach dem Vorbild der Musikindustrie, die ihr Angebot inzwischen über Streaming-Plattformen vertreibt. In Europa sollte man sich schnell mit solchen Ideen beschäftigen, bevor die US-Internetgiganten diese Konzepte okkupieren und selbst zu mächtigen Medienanbietern werden.

Klasse statt Masse wird in jedem Fall wichtiger. Werbetreibende und Anbieter müssen Hand in Hand arbeiten. An besseren Angeboten im Netz haben sie ein gemeinsames Interesse.