AOK-Kochshow in Böblingen Regionale Produkte helfen dem Klima und der Gesundheit

Der Koch Benjamin Steinrücken und die Ernährungsberaterin Stefanie Zinser führten gemeinsam durch die Kochshow. Foto: Stefanie Schlecht

Bei der AOK-Kochshow am Mittwoch ging es nicht nur darum, warum regionale Ernährung wichtig fürs Klima ist, sondern warum sie auch jedem Einzelnen gut tut.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Es sind nur sieben Jahre, die zwischen der AOK-Kochshow 2016 und der diesjährigen liegen, und doch hat sich seither einiges geändert, stellte die AOK-Ernährungsberaterin Stefanie Zinser bei der Veranstaltung im Böblinger Sparkassenforum am Mittwoch fest. Damals, 2016, hätte auf dem Menü noch Avocado, Lachs und Kokosblütenzucker gestanden – alles Lebensmittel, die weit her transportiert werden. Diesmal standen hingegen Produkte wie die Heckengäulinse, Wurzelgemüse und Ziegenkäse auf der Zutatenliste. „Sie als Verbraucher sind nachdenklicher und kritischer geworden“, sagte Zinser. „Sie fragen: Wo kommt das Essen her? Wie verwalte ich es zu Hause vernünftig, damit ich nichts wegwerfen muss? Denn die Preise sind hoch.“

 

Regionale Produkte erzeugen ein Heimatgefühl

Die Kochshow, die zum ersten Mal nach der Coronapause wieder stattfinden konnte, stand deshalb diesmal unter dem Motto „Leichte Sommerküche mit regionalen Zutaten“. AOK-Geschäftsführer Sven Busch betonte in seiner Begrüßung, dass über eine nachhaltige, regionale Ernährung die Gesundheit jedes einzelnen gestärkt und auch zum Klimaschutz beigetragen werde. Sabine Kurtz, die Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, ergänzte in ihren Grußworten, dass sich regionale Produkte ein Heimatgefühl erzeugten.

Dass das Interesse an der kostenlosen Veranstaltung groß war, wunderte Zinser nicht, da Ernährungsberatungen seit der Pandemie verstärkt nachgefragt würden. „Das Thema Übergewicht hat in den letzten Jahren über alle Alterskohorten hinweg zugenommen und durch Corona einen zusätzlichen Schub bekommen“, sagte sie. Die Corona-Jahre seien ein Verstärker von ungesunden Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten gewesen. Neben Übergewicht hätten Darmerkrankungen, Diabetes, Unverträglichkeiten und Lebensmittelallergien zugenommen. Was ihr auffällt: In der Beratung komme verstärkt die Frage nach nachhaltiger Ernährungsweise auf. „Ganz allgemein gilt: Die Basis einer nachhaltigen und gleichzeitig gesunden Ernährung sind regionales und saisonales Obst und Gemüse.“

Im Mittelpunkt des Abends stand Benjamin Steinrücken, der als Küchenchef das Betriebsrestaurant der Firma Bosch in Renningen leitet. Der Fokus auf Lebensmittel, die der Region entstammen, ist ihm nicht fremd, denn auch sein Team kocht immer mehr regional und frisch statt auf Fertigprodukte zurückzugreifen. „Ich komme aus einem Großbetrieb, aber ich kaufe trotzdem auch auf Bauernhöfen ein“, sagte Steinrücken. „Ich versuche das jeden Tag zu leben, Produkte vor Ort zu kaufen.“ Für die Kochshow hatte er vorab im Ehninger Hofgut Mauren unter anderem das Geflügelfleisch, Honig, Linsen und Ziegenkäse vom Käsmacher Binder besorgt, die Kartoffeln beim Bondorfer Hofgut Sautter, das Baguette beim Ehninger Bäcker Sehne.

Weniger Salz, weniger Alkohol

Während Steinrücken vor den Augen der 150 Gäste drei Gänge zubereitete, was in Großaufnahme auf eine Leinwand übertragen wurde, wuselten im Hintergrund fleißige Helfer, um Probiertellerchen anzurichten. Nebenbei plauderte der Koch mit Stefanie Zinser, die ihm auf witzig-charmante Weise einige Kochtipps entlockte. Die Ernährungsberaterin selbst versorgte das Publikum mit ihrem Know-how über gesunde Lebensmittel und ermahnte den Koch immer wieder, nicht zu viel Salz, nicht zu viel Honig, nicht zu viel Alkohol hinzuzugeben. „Sie wissen schon, dass Alkohol ein Nervengift ist?“, merkte sie an. Steinrückens Antwort, die für Lacher im Publikum sorgte: „Sie wissen schon, dass ich Koch bin?“

Einig waren sich Zinser und Steinrücken über den Wert des frischen Zubereitens. „Zusatzstoffe sind ein großes Problem. Die Bakterien im Darm verändern sich durch viele Fertigprodukte und Zucker“, warnte Zinser. Begeistert war sie von dem regionalen Superfood, der Heckengäulinse. „Das ist ein super Produkt mit einem hohen Eiweißgehalt von 20 Prozent und vielen Ballaststoffen“, sagte sie. Anders als die Tellerlinse werde sie nicht breiig. Die Belastung durch Insektizide oder Herbizide sei hier in der Gegend gering, weshalb es kaum Schadstoffe in der Heckengäulinse gebe.

Rezepte der Kochshow stehen im Internet unter www.meisterlich-geniessen.de

Weitere Experten geben Input zu Nachhaltigkeitsthemen

Regionalität
 Siegfried Zenger, Vorsitzender des Vereins „Heimat, nichts schmeckt näher“, sprach über die 2008 geschaffene Regionalmarke „Heimat“, über die Produkte von heimischen Erzeugern vermarktet werden. Verschickt werden sie von Menschen mit Behinderung. Der Verein regte vor einigen Jahren an, in der Region wieder Linsen anzubauen, „das ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden“, sagte Zenger.

Abfall
 Heike Roscher (Abfallwirtschaft) sprach über Müllvermeidung bei Lebensmitteln. Ihr Tipp: „Nicht mit hungrigem Magen einkaufen.“ Sie warb dafür, Lebensmittel über das Mindesthaltbarkeitsdatum zu verzehren, wenn sie noch gut schmecken, sowie fürs Einkaufen auf dem Markt, weil dort auf Verpackungen verzichtet werde. Zinser riet, sich die Herkunft der Beschicker anzuschauen, nicht alle seien regional. Roscher appellierte, Biomüll zu trennen, um Energie zu gewinnen.

Insekten
 Barbara Truckses und Helen Kilian-Rosenkranz vom Landeserhaltungsverband (LEV) des Landkreises Böblingen hoben die Bedeutung von Insekten hervor. Besonders Wildbienen seien gefährdet. „Jeder ist gefragt“, sagte Kilian-Rosenkranz. Wer könne, solle heimische Blumen anpflanzen und im Garten eine Ecke ungemäht lassen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Kochen Ernährung AOK Kochshow Leonberg