Apfelernte und Preise Apfelsaft bald bis zu 30 Prozent teurer?

Familienunternehmerin Petra Streker freut sich über die angelieferten Äpfel. Foto: Streker

Die Apfelernte ist in vollem Gange. Obwohl sie im Südwesten und am Bodensee höher ausfällt, müssen sich Verbraucher auch hier auf höhere Saftpreise einstellen.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

In den baden-württembergischen Fruchtsaftkeltereien herrscht Hochbetrieb, täglich werden tonnenweise Äpfel angeliefert. Viele Landwirte und Besitzer von Streuobstwiesen können sich freuen. Sie bekommen für ihre Äpfel mehr Geld. Verbraucher müssen sich aber auf saftige Preise einstellen, denn Ernteausfälle in anderen Regionen schlagen auf die Preise durch.

 

Apfelsaft könnte in diesem Jahr um bis zu 30 Prozent teurer werden, befürchtet Klaus Heitlinger, Hauptgeschäftsführer des Verbands der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF). Allein in Deutschland, wo normalerweise etwa eine Millionen Tonnen Äpfel geerntet werden, seien es dieses Jahr gut 100 000 Tonnen weniger.

In Polen steht jeder dritte Apfelbaum der EU

Auch in Polen, wo jeder dritte Apfelbaum der EU steht und das damit ein Drittel zur europäischen Apfelernte beisteuert, fiel die Erntemenge aufgrund von Wetterkapriolen um rund 25 Prozent geringer aus. Das macht sich auch beim Apfelsaft bemerkbar, denn rund zwei Drittel der polnischen Ernte wird zu Saft verarbeitet. Diese Knappheit wirkt sich laut Heitlinger in allen europäischen Ländern sowie auch Deutschland aus und treibt die Preise – egal ob bei Discounter-Apfelsaft, Konzentrat oder Direktsaft aus der Mehrwegflasche. 100 Kilogramm Äpfel ergeben laut Heitlinger etwa 60 bis 70 Liter Saft.

Die Literflasche Apfelsaft könnte für Verbraucher um 15 bis 25 Cent teurer werden, schätzt Petra Streker, Geschäftsführerin des Familienunternehmens Streker Natursaft in Großaspach im Rems-Murr-Kreis. Der Fruchtsafthersteller verarbeitet im Herbst rund 20 000 Tonnen Äpfel und ist unter den „Kleineren ein Großer und unter den Größten eher ein Kleinerer“, wie Streker das Unternehmen selbst verortet, das auch den Lebensmitteleinzelhandel beliefert.

Apfelsaft werde teurer, weil die Rohware und die Verarbeitung – unter anderem wegen wegen gestiegener Löhne – teurer geworden sei. Die höheren Kosten komplett weiterzugeben, werde nicht klappen. „Wichtig ist eine Balance zu finden“, sagt sie, „einen Preis, der für die Landwirte auskömmlich ist und Verbraucher nicht verprellt“. Dabei spiele auch die Wertschätzung der Verbraucher für 100 Prozent Direktsaft aus der Region eine Rolle, und wie der Lebensmitteleinzelhandel reagiere.

Wenn Mengen fehlten, sei man froh, wenn das Obst in der Region bleibe, sagt Streker. In diesem Jahr zahlt Mittelständler Streker mit rund 22 Euro pro 100 Kilogramm etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr an Streuobstwiesenbesitzer, die ihre Äpfel anliefern. Vertragsbauern erhalten in der Branche in der Regel etwas mehr. Bundesweit variieren die Preise am Silo – wie man die Anlieferung laut Verbandsgeschäftsführer Heitlinger zwischen 15 und etwa 25 Euro.

Baden Württembergs größte Obstsaftkelterei, die Familienkelterei Widemann vom Bodensee, zahlt nach Aussagen von Geschäftsführer Klaus Widemann an den mehreren eigenen regionalen Annahmestellen Preise zwischen 22 bis zu 28 Euro je 100 Kilogramm Äpfel, für Obst aus Bioanbau mehr. Das Familienunternehmen, zu dem die Saftmarken Widemann, Schlör und Lindauer Fruchtgarten gehören, verarbeitet nach eigenen Angaben etwa 30 bis 40 Prozent der Ernte in Baden-Württemberg. Die dürfte nach der letzten Einschätzung des Statistischen Landesamts in diesem Jahr bei rund 360 000 Tonnen liegen – und damit rund 16 Prozent höher als im Vorjahr.

Rekordernte in der Bodenseeregion

Voraussichtlich drei Viertel aller Äpfel werden in diesem Jahr in Deutschland aus Baden-Württemberg (Bodenseeregion) und Niedersachsen (Altes Land) kommen. Aufgrund einer Rekordernte am Bodensee übertrifft die Bodenseeregion nach Angaben der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft 2024 sogar die Erntemenge in der Region Altes Land.

Mit Preiseinschätzungen hält sich Unternehmer Widemann zurück. Apfelsaft werde teurer, sagt er, aber da gebe es ganz andere Kostentreiber, die das Haushaltsbudget deutlich mehr belasteten.

Die Verbraucher haben hierzulande schon 2023 weniger Fruchtsaft und -nektar getrunken, Grund dafür waren laut Branchenverband VdF die gestiegenen Preise. 26 Liter Fruchtsaft trinkt jeder Bundesbürger durchschnittlich im Jahr. Apfelsaft liegt mit 5,1 Liter auf Platz zwei hinter Orangensaft mit 6,8 Liter. Der Preis für Apfelsaft lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juli 2024 im Vergleich zum Referenzjahr 2020 gut 33 Prozent höher, der für Orangensaft sogar 57 Prozent höher.

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