Auf der Homepage des Landratsamtes kann man sie sehen, die Testzentren des Kreises Böblingen. Noch sind etwa 30 kommunale und kreiseigene Testzentren offen, aber viele Betreiber schließen, weil es sich finanziell nicht mehr lohnt.
Björn Schittenhelm, Chef der Alamannenapotheke in Holzgerlingen und in der Pandemie durch viel Einsatz und Ideen weit über den Kreis Böblingen bekannt geworden, macht gerade noch 20 bis 30 Tests die Woche. Zu wenige, um damit die klammen Kassen der Apotheke zu füllen, doch er testet und impft weiter, obwohl das finanziell neuerdings nicht mehr lukrativ sei. „Für uns ist das eine Dienstleistung an der Gesundheit der Menschen, die wir gerne erbringen“, sagt Schittenhelm. Ein wenig ärgert er sich schon über manche Firmen, die im Testgeschäft waren, „in der Hauptwelle sind die Testbuden wie Pilze aus dem Boden geschossen, und haben gut verdient, jetzt wo die Welle abebbt schließen sie.“ Schittenhelm hat von Anfang an ganz vorne bei der Errichtung der Testzentren mitgespielt und damals drauf gezahlt und jetzt, wo nur noch wenige Tests zu machen sind, tut er es wieder. Im Grunde würden nur noch zwei Gruppen von Menschen die Zentren aufsuchen. Solche, die Erkältungssymptome haben und wissen wollen, ob eine Covid-Erkrankung vorliegt, und solche, die Kliniken und Altenheime besuchen und ihre Angehörigen schützen wollen.
Positiver Effekt auf Impfquote, wenn Apotheker impfen
Schittenhelm lobt die Zusammenarbeit mit den Ärzten in der Pandemie. Natürlich gebe es Ärzte, die sagten, „ihr nehmt mir Geschäft weg“, aber die meisten Ärzte seien ohnehin überlastet und froh, wenn sie diese Nebenarbeit abgeben können, sagt Schittenhelm. Die Apotheken wiederum fühlen sich auch nicht als Konkurrenz zu den Ärzten, „denn wir können keine Diagnosen stellen und wir wollen das auch nicht“.
Dass die Apotheker weiterhin impfen können, hat für Schittenhelm einen zusätzlichen positiven Effekt. „Es gibt Zahlen aus anderen Ländern, die zeigen, dass die Impfquote steigt, wenn die Apotheker impfen. Und zwar nicht nur in den Apotheken selbst, sondern auch bei den Ärzten.“ Schittenhelm erklärt sich das so: Die Leute werden in den Apotheken erinnert, dass Impfzeit ist, und gehen dann zu ihrem Hausarzt, um sich die Spritze verabreichen zu lassen. Denn anders als Ärzte dürfen Apotheker offen für ihre Dienstleistungen Werbung machen und Kunden ansprechen, so wie eben bei der Grippe-Impfung. Besonders in Baden-Württemberg täte das not: „Wir sind Impfmuffel und damit Schlusslicht unter den Bundesländern was die Impfquote für Grippe anbelangt“, sagt Schittenhelm.
Sorge bereitet ihm, dass die Menschen die anderen Grippe Viren wie RSV oder Influenza A und B nicht mehr ernst nehmen. Denn die verletzliche Gruppe der Bevölkerung, also sehr alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen, können an einem Influenza-Virus genauso sterben wie an Corona. Hier habe sich eine gefährliche Dynamik breitgemacht, sagt Schittenhelm. Wenn der Corona-Test negativ ist, dann glauben die Leute, sie sind gesund, obwohl sie weiterhin Erkältungssymptome haben. Dann besuchen sie die Oma, für die ein Influenza-Virus so tödlich sein kann, wie ein Corona-Virus.