Die neue App der S-Bahn Stuttgart kann einen Bruchteil dessen, was die seit 2010 verfügbare mobile Fahrinfo des Verkehrsverbunds Stuttgart kann. Sie ist zudem kein Schnäppchen: 60 000 Euro hat sich der Staatskonzern die Entwicklung kosten lassen.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)

Stuttgart - Wer wissen will, ob seine S-Bahn in der Region Stuttgart pünktlich ist, kann zum Bahnhof gehen oder bei der Bahn anrufen; er geht auf die Website der Deutschen Bahn oder des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) oder ruft die Daten mobil ab – mithilfe der Apps der Bahn oder des VVS für Smartphones und Tablet-PCs.

An Fahrgastinformationen herrscht also kein Mangel. Allein die VVS-App wurde bisher rund 385 000 Mal heruntergeladen. Sie kennt sämtliche Bus-, Stadt- und S-Bahn-Verbindungen innerhalb des Verbunds, rechnet die günstigste Verbindung aus, bietet Umgebungspläne an und weist auf etwaige Verspätungen sowie Störungen hin.

Diese App kann „nicht viel Neues“

Seit Januar ist zusätzlich dazu die App „Navi S-Bahn Stuttgart“ für iPhones und iPads sowie Android-basierte Geräte verfügbar. Der Funktionsumfang ist geringer als bei der VVS-App: Man kann sich die Abfahrten von S-Bahnen an einzelnen Haltestellen anzeigen lassen, dazu gibt es eine Pünktlichkeitsstatistik, einen Verspätungsalarm und eine „Livemap“. Persönliche Fahrpläne oder eine Schnittstelle zu anderen Verkehrsmitteln kennt die App nicht.

Im Vergleich zur seit Herbst 2010 für dieselben Plattformen verfügbaren VVS-App kann die Anwendung der S-Bahn Stuttgart „nicht viel Neues“, sagt Volker Torlach, der beim VVS für das Thema Fahrgastinformation zuständig ist. . Ein Bahnsprecher verweist auf die „Livemap“. Die dort angezeigte Information beruht allerdings nicht auf Live-Daten, die Position des Zugs wird vielmehr hochgerechnet. Das wird von den Nutzern bei iTunes und im Google-Portal entsprechend kritisiert: „S-Bahn bleibt mit dem üblichen ‚Bong’ vor dem Hauptbahnhof stehen - die App zeigt die S-Bahn schon in der Schwabstraße“, schreibt einer. Eine Nutzerin kritisiert: „Die S-Bahn wird einfach angezeigt, wo sie nach Plan sein sollte und nicht wo sie ist.“ Und dann heißt es: „Wenn das wirklich die Daten sind, mit denen die Bahn auch intern arbeitet, wundert mich gar nichts mehr.“

Bei der Bahn verweist man auf die vom Mutterkonzern vorangetriebene Entwicklung von GPS-Sendern, die von 2015 an aktuelle Positionsdaten via Satellit an die zentralen Bahn-Rechner übermitteln sollen. Bis das kommt, beschränkt sich die Funktionalität der S-Bahn-App auf einen Ausschnitt dessen, was die VVS-Anwendung kann. Etwas, das darüber hinausgeht, hat die Anwendung nicht im Angebot. Vielmehr stammen die in der VVS-App angezeigten Daten zum S-Bahn-Verkehr aus derselben Datenbank wie diejenigen in der neuen App der S-Bahn Stuttgart.

Kein billiger Spaß

Die DB Regio hat für ihr Angebot, das bisher knapp 10 000 Mal heruntergeladen wurde, vergleichsweise viel bezahlt. Die Entwicklung, die von dem auf Verkehrsinformationen spezialisierten Hannoveraner Dienstleister Hacon geleistet wurde, kostete 55 000 Euro. Hinzu kommen laufende Kosten von jährlich rund 19 000 Euro für Wartung und Technik, erklärt ein Bahnsprecher.

Mit diesem Betrag konfrontiert, muss Volker Torlach vom VVS schlucken. Ohne eine genaue Zahl zu nennen, verweist er darauf, dass sich der Verkehrsverbund seine App (mit, wie beschrieben, deutlich größerem Funktionsumfang) von dem Wiener Dienstleister Fluidtime für ungefähr denselben Preis hat programmieren lassen. Die laufenden Kosten lägen bei etwa einem Zehntel dieses Betrags – das sind rechnerisch um die 6000 Euro pro Jahr.

So entstehen Redundanzen

„Der VVS hat Aufgaben, die er für seine Mitglieder erbringt. Trotzdem ist jedes Verkehrsunternehmen eigenständig“, sagt ein Bahnsprecher, „außerdem ist der Nutzerkreis unterschiedlich. Manche Kunden nutzen ja nur die S-Bahn“. Die S-Bahn-Stuttgart-App sei „als eigenständiges Serviceangebot entwickelt“. Die Inspiration dazu kam aus München. Dort wurde eine ähnliche App eingeführt. Die Stuttgarter Anwendung musste aber von Grund auf neu programmiert und finanziert werden.

Die S-Bahn-App ist nicht das einzige redundante Angebot öffentlicher Verkehrsunternehmen in der Region. Auch die SSB betreiben für ihre Stuttgarter Busse und Bahnen eine Fahrinfo-App – und zwar schon länger als der VVS. Die fürs iPhone konzipierte Anwendung der SSB war vor dem VVS-Angebot da, für Android-basierte Systeme war das Angebot des Verbunds allerdings das erste.

Esslingen kriegt keine eigene App

Anders als vor der Einführung der S-Bahn-Anwendung gab es bei diesem Programm Gespräche zwischen der SSB und dem VVS, berichtet Volker Torlach. Die SSB-App hole sich die Informationen vom zentralen VVS-Server, so der Mitarbeiter des Verkehrsverbunds. Vom Datenvolumen her falle das kaum ins Gewicht: „Wir haben über die VVS-Angebote dreizehn Mal so viele Anfragen wie über die SSB“, sagt Torlach.

SSB und S-Bahn kochen innerhalb des VVS ihr eigenes Süppchen. Weitere Informationsdienste oder Apps von Verkehrsbetrieben in der Region gibt es nicht und sie sind auch nicht angedacht. Man müsse zwar durchaus darauf achten, dass es in Sachen Verkehrsinformation „keinen Monopolisten gibt“, sagt Mickaél Pandion vom Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE). „Aber durch die VVS-App ist eigentlich alles gesagt. Da brauchen wir vom SVE nicht auch noch was Eigenes.“

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