Apple-Gründer Steve Jobs war ein furchtloser Narr

Steve Jobs ist tot. Foto: dpa 12 Bilder
Steve Jobs ist tot. Foto: dpa

Mit Apple-Gründer Steve Jobs stirbt eine der charismatischsten Figuren der Wirtschaftsgeschichte. Seine Produkte sind jetzt schon unsterblich.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Washington - Die Amerikaner mögen Sieger. Aber Menschen, die nach Niederlagen wieder aufstehen, mögen sie noch mehr. Steve Jobs ist so eine Figur gewesen. Aus der Firma, die er 1976 mitbegründete und die er jüngst von Erfolg zu Erfolg führte, war Jobs 1985 herausgedrängt worden. Seine fordernde, oft maßlose Persönlichkeit hatte zu dauernden Konflikte geführt. "Mit 30 Jahren war ich draußen. In aller Öffentlichkeit. Was der Kern meines erwachsenen Lebens gewesen war, ist auf einmal weg gewesen", erzählte er später. Es sei eine schrecklich schmeckende Medizin gewesen - doch im Nachhinein betrachtet das Beste, was ihm je widerfahren sei: "Die Bürde, erfolgreich sein zu müssen, wurde von der Leichtigkeit abgelöst, wieder ganz am Anfang stehen zu dürfen." Nach einem erfolgreichen Abstecher als Chef des Trickfilmproduzenten Pixar kam Jobs gereift 1997 wieder zurück zu Apple.

Sechs Wochen ist es her, dass Jobs als Apple-Chef vor der schweren Krebserkrankung kapitulieren musste, die ihn seit 2005 zunehmend gezeichnet hat. "Ich habe immer gesagt, dass ich der Erste sein würde, der euch wissen lässt, wenn ich die Pflichten und Erwartungen als Apple-Chef nicht mehr erfüllen kann", sagte er im August: "Leider ist dieser Tag gekommen." Selbst in dieser kargen Abschiedsnachricht ließ er etwas von der Leidenschaft und dem Perfektionismus durchschimmern, die seine Karriere gekennzeichnet hat. Sein schneller Tod legt nahe, dass Jobs seinen Posten erst verließ, als es gar nicht anders mehr ging. Doch der Abgang im Sommer kam auch auf dem Höhepunkt seines Erfolgs.

Jobs hinterlässt eine enorme Lücke

Nach dem Ölkonzern Exxon ist Apple das zweitwertvollste Unternehmen der Welt. Produkte wie der iPod, das iPhone und iPad oder Plattformen wie das Musikportal iTunes haben nicht nur die Computer- und Internetbranche umgekrempelt, sondern das Leben von Hunderten Millionen Menschen. Jobs hinterlässt eine enorme Lücke: Die Präsentation eines verbesserten iPhone durch seinen nüchternen Nachfolger Tim Cook schlug in dieser Woche keine Funken.

Die Nachricht von Tod des 56-Jährigen hat in den USA alles andere überlagert. Die "New York Times" räumte ihre Titelseiten frei, als sei ein Präsident gestorben. US-Präsident Barack Obama fasste auf dem Handydienst Twitter die Bedeutung des Ereignisses sofort in den typischen 140 Zeichen der modernen, von Jobs geprägten Kommunikationswelt zusammen: "Kühn genug, um zu glauben, er könnte die Welt verändern - und talentiert genug, es zu tun." Doch damit bewegte sich der Präsident nur inmitten einer Flut von Beileidsbekundungen, die zeitweise sogar die Server von Twitter in die Knie gehen ließen: "Die Welt hat den größten Erfinder unserer Zeit verloren." Oder: "Dank ihm sind Stil und Schönheit nicht mehr aus der Technologie wegzudenken." In die Erschütterung mischt sich auch die bittere Erkenntnis, dass in den USA unternehmerische Persönlichkeiten wie Jobs rar geworden sind. Statt Visionären haben Zahlenanalytiker und Finanzjongleure die Oberhand. Der instinktgetriebene Jobs war dazu ein erfrischender Gegenpol. Er schien den in den vergangenen Jahren angeknacksten, amerikanischen Optimismus noch ungebrochen zu verkörpern. Mit seiner Kombination aus kreativem Ehrgeiz und unternehmerischer Risikofreude war er eine kulturelle Ikone - und für die Fans seiner Produkte ein Guru.

Kurz nach seinem Abschied von der Unternehmensspitze widmete ihm das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" eine hymnische Titelseite unter der Überschrift "Amerikanisches Genie". Im Innenteil wurde er dank "Steves zehn Geboten" zum Anführer ins gelobte Land des technischen Fortschritts. "Sei rücksichtslos", "wahre deine Geheimnisse" oder " baue Prototypen bis zum Exzess", hieß es dort. Steve Jobs, der schon zu Lebzeiten in einem Atemzug mit amerikanischen Unternehmerlegenden wie Thomas Edison, Henry Ford oder John Rockefeller genannt wurde und der sich mit Bill Gates einen hartnäckigen Wettbewerb um das erfolgreichste Computerunternehmen der Welt lieferte, besaß eine Aura, die diesen Erfolgsmenschen abging. Ihm ging es nicht nur um erfolgreiche Produkte, sondern auch um ein ästhetisches Lebensgefühl. Auf Design und Funktionalität legte er mindestens so viel Wert wie auf die technischen Details. Er sah sich als Prophet, der in den Menschen Bedürfnisse wecken konnte, die sie selbst noch gar nicht ahnten. "Die Leute wissen doch gar nicht, was sie wollen, bevor du es ihnen nicht zeigst", so lautet eines der berühmtesten Zitate des Unternehmers, der anstatt aufwendige Marktforschung zu betreiben, die Prototypen seiner Innovationen lieber über Monate selber ausprobierte.

Unsere Empfehlung für Sie