Apple Neue Emojis kommen bei Menschen mit Behinderung nicht gut an

Von Isabel Mayer 

Mit neun neuen Symbolen möchte Apple erreichen, dass Menschen mit Handicap mehr in der Gesellschaft repräsentiert werden. Wir haben Menschen mit Behinderung aus der Region Stuttgart nach ihrer Meinung zu den Emojis gefragt und sind auf wenig Anklang gestoßen.

Mit neun neuen Symbolen möchte Apple erreichen, dass Menschen mit Handicap mehr in der Gesellschaft repräsentiert werden.  Screenshot:Twitter/@Emojipedia Foto:   2 Bilder
Mit neun neuen Symbolen möchte Apple erreichen, dass Menschen mit Handicap mehr in der Gesellschaft repräsentiert werden. Screenshot:Twitter/@Emojipedia Foto:  

Stuttgart - Smileys, die heutzutage „Emojis“ genannt werden, gehören zur Tastatur eines jeden Smartphones wie ihre Buchstaben und Satzzeichen. Mehr als 1.500 Symbole stehen im WhatsApp- oder SMS-Chat zur Auswahl, um das geschriebene Wort zu ergänzen oder zu ersetzen. Die Bandbreite der Symbole reicht schon seit langem über lachende und weinende Gesichter hinaus. Was bisher fehlt, sind Menschen mit Behinderungen. Das möchte Apple nun ändern.

In einem Vorschlag stellt Apple neun neue Emojis vor, die Menschen mit Behinderung besser repräsentieren sollen. Dem Dokument zufolge, „stellen Emojis eine universale Sprache dar und sind sowohl Werkzeug der Kommunikation, als auch des Selbstausdrucks“. Einer von sieben Menschen habe eine Behinderung, schreibt Apple weiter, doch nur sehr wenige Symbole würden die Erfahrungen im Leben der Betroffenen widerspiegeln.

Von Blindenhund bis Prothese

Die folgenden kleinen Bilder sollen ab 2019 in die Tastatur integriert werden, wie Emojipedia, führendes Portal für alles rund um die Smileys, auf Twitter bekannt gab:

„Die Emojis sind nicht witzig oder cool“

Wir haben die Symbole dem Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg e.V. gezeigt, der sich seit 52 Jahren für Hilfe zur Selbsthilfe engagiert und 41 regionale Selbsthilfeorganisationen vereint. Dort entfachten die Bilder eine kleine Debatte, sagt Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl. Sie ist selbst betroffen, denn sie ist auf einem Auge blind und trägt ein Glasauge. Ihr Kollege Pierre Mayer sitzt im Rollstuhl und lebt im ambulant betreuten Wohnen des Körperbehinderten-Vereins in Stuttgart. Im Gespräch mit weiteren Mitarbeitern des Vereins stellen beide fest, dass niemand die Symbole bislang vermisst hat.

Darüber hinaus seien sie nur wenig ansprechend. „Die Emojis sind sehr technisch angelegt und teilweise wird uns nicht klar, was damit ausgedrückt werden soll“, sagt Pagel-Steidl, „am ehesten würden wir die beiden Rollstuhlfahrer oder die beiden Hunde benutzen.“ Trotzdem sind sich beide einig: „Die Emojis sind nicht witzig oder cool. Welche Aussagen sollen wir mit ihnen ergänzen?“.

Nicht die Smileys fehlen, sondern die Softwareentwicklung

Dabei liegt das Problem nicht nur an den neuen Symbolen, sondern liegt viel tiefer. Pierre Mayer fehlt aufgrund seiner Behinderung die Feinmotorik in den Händen. Er kann SMS kaum von Hand schreiben: „Ich kann nur Dinge nutzen, die ich mit einer Sprachsteuerung regeln kann, oder die Tasten müssen so groß sein, dass ich das gut allein hinbekomme.“ Mayer wäre deshalb nicht mit weiteren Smileys, sondern mit einer Erweiterung der Spracherkennung geholfen. Texte lassen sich bereits mit der Stimme eingeben, sogar vier Gesichter aus Satzzeichen lassen sich darstellen – beispielsweise das Smiley mit folgenden Zeichen: :-). Für die 1.500 Emojis fehlen dagegen noch immer die passenden Sprachbefehle in den Kommunikations- und Chatanwendungen.

Würden die führenden Softwareunternehmen das Modul für Spracherkennung erweitern, würde Mayer unter Umständen auch mit Emojis texten. Doch selbst dann wünscht er sich nicht seinen Rollstuhl auf der Tastatur, sondern „Menschen mit und ohne Behinderung, die gemeinsam etwas unternehmen.“ Zum Beispiel „Fußballfans, die gemeinsam ihre Mannschaft anfeuern“, schlägt er vor. Jutta Pagl-Steidl teilt seine Meinung. Ihr fehlt „ein Tanzpaar mit und ohne Behinderung oder jemand mit Handicap, der Ski fährt, wie jetzt bei den Paralympics in Südkorea.“ Wichtig sei, dass Menschen zusammen das Leben genießen und zum Beispiel durch den Park gehen. Ob mit Rollstuhl, Rollator, Segway oder Fahrrad sei dabei zweitrangig.

Entscheidung liegt beim Unicode-Konsortium

Über den Vorschlag von Apple entscheidet eine gemeinnützige Organisation namens „Unicode-Konsortium“. Aufgabe des Komitees ist es, unterschiedliche Kodiersysteme für Software zu vereinheitlichen und mit dem sogenannten „Unicode“ zu standardisieren. Fast jedes größere Softwareunternehmen, darunter Apple, Google, Adobe Systems und Microsoft, ist in der Organisation vertreten.

Die Entscheidung über die neuen Emojis soll im nächsten Monat fallen. Fällt sie positiv aus, könnten die Symbole mit der Veröffentlichung von Emoji 12.0 im nächsten Jahr realisiert werden.