Landschaftlich bietet die Strecke nicht gerade die Höhepunkte der Bretagne an. Bei den 1230 Fahrrad-Kilometern von Paris an die Nordwestspitze Frankreichs nach Brest und wieder zurück geht es um etwas anderes: „Der Reiz liegt darin, dass man auf ein internationales Feld von Leuten mit der gleichen Leidenschaft trifft“, beschreibt Jochen Schumacher. Er gehört zu den „Audax Randonneurs Allemagne“ (ARA), Regionalgruppe Schönbuch mit Sitz in Böblingen. Das Team zählt nur fünf Mitglieder, sie alle schwärmen aber für Langdistanzen auf dem Fahrrad. „Man testet da seine Grenzen aus“, sagt Schumacher, „irgendwann hat es etwas Meditatives.“
Zwei, drei Stunden Schlaf pro Nacht
Dabei steht keine Bummelfahrt an, denn so ein Rennen wird unter Zeitdruck absolviert. Maximal 90 Stunden darf man brauchen. Was für die meisten Teilnehmer nur wenig Zeit zum Ausruhen erlaubt. „Wir fahren nicht besonders schnell, aber jeden Tag sehr lange“, berichtet der 49-Jährige aus Tübingen, „mehr als zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nacht ist da nicht drin.“ Dabei fährt jeder gegen seine eigene Uhr, es gibt keinen Wettbewerb untereinander. Zudem gleicht die Strecke von Paris nach Brest einem großen Volksfest – zum Teil sind die Straßen aufwendig geschmückt, ganze Städte sind auf den Beinen, um die Radfahrer zu beklatschen und zu versorgen.
Paris-Brest-Paris gilt als das älteste Radrennen der Welt
Mit über 8000 Teilnehmern aus der ganzen Welt, davon mehr als 400 aus den USA und 200 aus Japan ist Paris-Brest-Paris das Langstreckenrennen mit den weltweit meisten Teilnehmern, auch mehr als 600 Frauen tun sich das an. Es gilt als das älteste Radrennen der Welt und wird alle vier Jahre ausgetragen. In Qualifikationsfahrten über 200 bis 600 Kilometer die Monate zuvor muss man seine Tauglichkeit unter Beweis stellen. Auch die ARA Schönbuch haben diese sogenannten „Brevets“ ausgerichtet, etwa 100 Radler haben sich dabei qualifiziert. Mit dem Nachweis der Qualifikation in der Tasche geht es dann zum Traditionsrennen Paris-Brest-Paris, das in diesem Jahr Ende August stattfand.
Bereits zum zweiten Mal war der Böblinger Joachim Vogel dabei, das Stuttgarter Paar Christine Ackermann und Thomas Hauptvogel fuhr gar mit dem Tandem mit – eine ganz eigene Erfahrung. Aber auch Jochen Schumacher hatte eine Begleitung dabei: Seine Tochter Carlotta, mit 17 Jahren die jüngste Teilnehmerin im Felde. „Ich hatte da große Bedenken“, gibt Schumacher zu, „man kommt eben in Grenzbereiche, manchmal geht es einem richtig schlecht.“ Doch der Teenager ließ sich nicht abbringen. „Sie wollte unbedingt.“ Und letztlich ging alles gut. „Insgesamt war das dann doch ein tolles Gefühl, dass wir das gemeinsam durchgestanden haben.“