Bombenfund in Fellbach So verlief die Räumung der Brandbombe
Ein Baggerfahrer glaubt, ein altes Rohr auszugraben. Dieses entpuppt sich jedoch als Fliegerbombe. Wie die Einsatzkräfte die Räumung erlebt haben, lesen Sie hier.
Ein Baggerfahrer glaubt, ein altes Rohr auszugraben. Dieses entpuppt sich jedoch als Fliegerbombe. Wie die Einsatzkräfte die Räumung erlebt haben, lesen Sie hier.
Bombenstimmung“ herrschte am Dienstagnachmittag, und zwar im wortwörtlichen und weniger im übertragenen Sinne – dazu war der Anlass dann doch zu dramatisch und die ersten Minuten zu hektisch. „Wenn man die erste Meldung erfährt, geht einem der Puls schon ganz schön hoch“, gibt Timo Schlotz, Technikchef der Stadtwerke Fellbach, am Mittwoch gewisse Einblicke in sein Gefühlsleben. Doch kurz nach den anfänglichen Untersuchungen der entdeckten Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg stellte sich eine gewisse Routine ein. „Man schreckt natürlich g’schwind hoch“, berichtet Fellbachs Feuerwehrkommandant Christian Köder am Tag danach, doch schnell sei eine „statische Lage, die beherrschbar ist“, erkannt worden, so dass auch keine Evakuierung umliegender Häuser im Fellbacher Westen vonnöten war.
Dennoch, mehrere Stunden lang musste die Esslinger Straße für Autofahrer, Radler und Fußgänger gesperrt werden, auch die Stadtbahn konnte das Fellbacher Zentrum mit den Haltestellen Schwabenlandhalle und Lutherkirche nicht anfahren.
Ausgelöst wurde das Ganze durch den Baggerfahrer eines von den Stadtwerken Fellbach beauftragten Unternehmens. Die Bauarbeiter sind bereits seit rund vier Wochen an der Esslinger Straße zugange, um eine Wasserleitung zu erneuern und zu verlegen. Denn die künftig deutlich längeren Bahnsteige für die neuen 80-Meter-Züge brauchen erheblich mehr Platz, was im Umfeld manche Änderung erforderlich macht. So erfolgte zuletzt eine sogenannte Durchpressung der Esslinger Straße, also eine unterirdische Verlegung der Rohre. Ein Teilbereich nahe den Stadtbahngleisen musste nun in offener Bauweise erledigt werden. Der Mitarbeiter der Tiefbaufirma entdeckte die Bombe aus dem Weltkrieg zwar, identifizierte sie aber nicht als solche. „Er dachte, es sei ein Stück der alten Wasserleitung“, erklärt Schlotz, „und hat sie deshalb nach oben geholt.“ Dann erst erkannte der Bautrupp, dass womöglich Gefährdungspotenzial vorliegt, nachdem das Metall mit Sauerstoff reagierte und zu qualmen begann.
Nachdem die Feuerwehr beobachtete, wie die letzten Reste der Bombe langsam abbrannten, musste noch die Begutachtung durch die Spezialisten abgewartet werden. Gegen 15.30 Uhr trafen die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ein. Die Inspektion dauerte nach Köders Einschätzung gerade mal etwa 20 Minuten, dann habe man Entwarnung geben können. Kurz danach seien auch die Sperrungen aufgehoben worden. Die Sprengfachleute gaben dem Baggerführer aber noch den Rat für seinen weiteren Berufsweg, bei einem ähnlichen Fund diesen „gleich mit Sand abzudecken oder wieder in die Baugrube zu verfrachten“.
Allerdings halten es die Fellbacher Vertreter für unwahrscheinlich, dass so schnell wieder eine solche Bombe gefunden wird. Die vergangenen 25 Jahre sei bei Bauarbeitern nichts Derartiges aufgetaucht. Die Beschäftigten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes berichteten dem Feuerwehrkommandanten Köder allerdings, dass sie etwa in Stuttgart öfter oder sogar fast täglich zu derartigen Einsätzen mit der Entschärfung oder zumindest Kontrolle von Weltkriegsbomben gerufen würden – derartige Bomben seien im Krieg zu Tausenden abgeworfen worden.
Stets erhalten die Bauunternehmen von den Stadtwerken oder anderen städtischen Auftraggebern im Vorfeld eine Auswertung von Luftbildern über mögliche Bombenreste auf dem entsprechenden Gebiet ausgehändigt. „Phosphorbomben waren aber offenbar relativ klein“, erläutert Kommandant Köder, deshalb seien diese auf den Fotos vielleicht nicht ohne Weiteres erkennbar.
Die fehlenden eineinhalb Meter der Wasserleitung nahe der Stadtbahn wurden mittlerweile erledigt, die Erde wurde verfüllt. „Der Tiefbau an dieser Stelle ist fertig“, sagt der Technische Betriebsleiter Schlotz. Im Fellbacher Westen ist die explosive Stimmung erst mal vorbei.