Arbeiten in Neuhausen Anwohner sind außer sich: „Viele Igel werden sterben“
Am östlichen Ortsrand von Neuhausen wurden Vorarbeiten für den Bau eines Fußweges durchgeführt. Anwohner sorgen sich wegen dieser Maßnahme um Igel im Winterschlaf.
Am östlichen Ortsrand von Neuhausen wurden Vorarbeiten für den Bau eines Fußweges durchgeführt. Anwohner sorgen sich wegen dieser Maßnahme um Igel im Winterschlaf.
In der kalten Jahreszeit igeln sich Igel ein und halten ihren Winterschlaf. Diese Ruhe der stachligen Einzelgänger wurde in Neuhausen auf den Fildern nach Angaben von Anwohnern aber lautstark gestört. Im Bereich der Marienstraße sowie an den Einmündungen zu Friedrich- und Eberhardstraße am östlichen Ortsrand der Kommune seien Bäume und Büsche bis zur Erde entkernt worden: „Dadurch werden sehr viele Igel ihr Winterquartier verlieren und sterben.“ Die Verwaltung von Neuhausen verweist dagegen auch darauf, dass es keine Verpflichtung gebe, Hecken vor Pflegemaßnahmen nach Igeln im Winterquartier abzusuchen.
Doch die Anwohner sind nach eigenen Angaben außer sich. Die von der Kommune durchgeführten Vorarbeiten für einen barrierefreien Fußweg seien eine Gefahr für die Igel. Die Entkernung von Bäumen und Büschen sei im Grunde zwar kein Problem: „Aber nicht zu dieser Jahreszeit.“ Schließlich hielten die Tiere ihren Winterschlaf, und Igel seien eine geschützte Art. Die Anwohner haben nach eigenen Angaben verschiedene Naturschutzverbände informiert. Anzeige werde gestellt: „Wenn wir die Tiere nicht schützen, wer dann.“
Die Verwaltung von Neuhausen verweist dagegen darauf, dass die Arbeiten an einem einzigen Tag ausgeführt und abgeschlossen worden seien: „Es findet kein weiterer Eingriff in die Hecke statt“, erklärt Pressesprecherin Elke Eberle. Hecken würden im Winterhalbjahr „gepflegt“, denn im Sommerhalbjahr seien solche Arbeiten wegen der Vogelbrutzeit laut Naturschutzgesetz nicht gestattet: „Eine naturschutzfachlich richtige Heckenpflege findet deshalb in der Vegetationsruhe zwischen Oktober und Ende Februar statt.“ Die Hecken würden abschnittsweise auf den Stock gesetzt und eine Handbreit über dem Boden abgesägt: „Deshalb wurden einzelne Bereiche der Hecke auch stehen gelassen.“
Bei den Pflegearbeiten sei laut Elke Eberle auch berücksichtigt worden, dass die Baumaschinen bei der für 2026 geplanten Ertüchtigung des Weges ausreichend Arbeitsraum haben und bei der Maßnahme keine Gehölze mehr im Weg stehen werden. Die beauftragte Firma sei fachlich versiert und arbeite viel mit dem Landschaftserhaltungsverband des Landkreises Esslingen zusammen: „Sie wird sehr häufig mit Landschaftspflegearbeiten wie der Heckenpflege beauftragt.“ Nicht alle Anwohner würden der Maßnahme kritisch gegenüber stehen, so Elke Eberle. Die Firma habe vor Ort nur positive Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern bekommen: „Endlich wird mal etwas gemacht an dem Weg“, hätten Passanten gesagt.
Sorgen um die Tiere macht sich dagegen der Verein Pro Igel. Laut Heike Philipps vom Vorstand sei die „Bürgermeisterei“ von Neuhausen angeschrieben worden mit der Bitte, die Rodungsarbeiten umgehend zu stoppen und erst eine vernünftige Igel-Evakuierung abzuwarten, die vor Ort durch Igelfreunde oder Vereinsmitglieder durchgeführt werden müsse. Generell würden Igel in ganz Deutschland unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes stehen: „Danach ist es verboten, ihnen nachzustellen, ihre Nester zu zerstören oder sie zu töten.“
Grundsätzlich, so Heike Philipps, seien Baumaßnahmen, insbesondere Versiegelungen, immer ein Problem. Der ohnehin schon kleine Raum für Igel und andere Kleinsäuger werde immer weniger: „Nicht umsonst hat auch die so negative Veränderung des Lebensraumes dazu geführt, dass Igel den Weg in die Roten Listen geschafft haben.“
Wenn sich eine Baumaßnahme nicht umgehen lasse, dann wäre die beste Zeit dafür für Igel im Spätherbst oder im Frühjahr. Zu diesen Jahreszeiten könnten dort lebende Tiere mit Futterstellen angelockt und dann umgesiedelt werden, so Heike Philipps: „Das geht jetzt im Winter aber keinesfalls. Abgesehen davon sind winterschlafende Igel sehr schwer zu finden. Man bräuchte Suchhunde und erfahrene Igelsucher, die ein gutes Gefühl dafür haben, wo ein Igelnest sein könnte.“ Dann müssten auch noch Menschen gefunden werden, die die Tiere aufnehmen.
Störungen der Igel in dieser Jahreszeit seien gefährlich. Die Tiere würden sich laut Heike Philipps im Dezember im Winterschlaf befinden: „Sie sind bewegungsunfähig. Werden sie gestört, brauchen sie Stunden, bis sie richtig wach werden, und sie sind dann auch nur sehr träge in der Lage, sich fortzubewegen.“ Nach der Zerstörung des alten Nestes könne kein neues gebaut werden, weil alles Baumaterial klitschig, nass und abgeräumt ist.
Gefundene Igel könnten keinesfalls umgesetzt werden, sondern müssten als „hausgemachte“ Notfälle versorgt werden: „Allerdings sind schon seit Wochen alle Igelpflegestellen voll belegt. Niemand hat noch Kapazitäten frei, viele haben einen Aufnahmestopp. Das wird sich auch in den nächsten Wochen nicht ändern, denn jetzt werden keine Igel mehr ausgewildert.“
Winterschlaf
Der Winterschlaf der Igel endet laut Heike Philipps meist nicht vor Mitte April: „Aktive Igel im Winter sind immer ein Alarmzeichen.“ Wenn Passanten auf so ein Tier stoßen würden, so ihr Rat, sollten sie den Igel sofort mitnehmen: „Nicht erst einen Karton suchen, dann ist er nämlich weg.“
Igelpflege
Zur Pflege eines gefundenen Igels empfiehlt Heike Philipps einen mit Zeitungspapier ausgelegten Umzugskarton als Quartier. Der Karton sollte mit ins Haus genommen und vor die Heizung gestellt werden – eine Umgebungstemperatur von etwa 20 Grad sei wichtig. Wasser und Futter etwa Rührei ohne Salz sollten angeboten werden.