Arbeitgeberpräsident Hundt hört auch als Arbeitgeberpräsident auf

Im September wird Dieter Hundt, der Eigentümer des schwäbischen Automobilzulieferers Allgaier in Uhingen, 75 Jahre alt Foto: dpa
Im September wird Dieter Hundt, der Eigentümer des schwäbischen Automobilzulieferers Allgaier in Uhingen, 75 Jahre alt Foto: dpa

Nach 17-jähriger Amtszeit gibt Dieter Hundt, Chef der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, sein Amt ab. Ingo Kramer, ein Mittelständler mit Erfahrung in der Tarifpolitik, übernimmt.

Berliner Büro: Roland Pichler (rop)
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Berlin - Nach dem angekündigten Rücktritt als VfB-Aufsichtsratschef legt Dieter Hundt im Herbst auch sein Ehrenamt als Arbeitgeberpräsident nieder. Obwohl beide Entscheidungen fast zeitgleich verkündet wurden, gibt es dafür unterschiedliche Motive. Den Zeitpunkt für die Rückzugsankündigung beim VfB zog Hundt vor, weil er sich über die harsche Kritik in der Öffentlichkeit ärgerte. Der Wechsel bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) steht seit einiger Zeit intern fest: Im September wird der Eigentümer des schwäbischen Automobilzulieferers Allgaier in Uhingen 75 Jahre alt. Schweren Herzens entschied sich Hundt, bei der BDA nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren.

Hundt hat den Wirtschaftsverband, der sich um die Arbeitsmarkt-, Sozial- und Tarifpolitik kümmert, geprägt wie kaum ein anderer Präsident. Der fußballbegeisterte Unternehmer ist mit dem Ex-Kanzler Helmut Kohl (CDU) befreundet. Der Arbeitgeberchef konnte Kanzler Gerhard Schröder (SPD) einst von der „Agenda 2010“ überzeugen. In der Großen Koalition setzte sich Hundt für die Rente mit 67 ein.

Hundts Nachfolger als Arbeitgeberpräsident wird der norddeutsche Familienunternehmer Ingo Kramer (60). Kramer leitet in Bremerhaven einen mittelständischen Betrieb für den Spezialanlagenbau. Das Unternehmen JHK mit 260 Mitarbeitern ist in den Bereichen Rohrleitungs- und Stahlbau und dem Kraftwerksbau tätig. Nach Informationen aus Verbandskreisen wird Kramer auch deshalb nominiert, weil er als Präsident des Arbeitgeberverbandes Nordmetall tarifpolitische Verhandlungen geführt hat. Diese Erfahrungen seien für einen Arbeitgeberpräsidenten wichtig, hieß es in Berlin. Kramer, der seit 2011 BDA-Vizepräsident ist, hat gute Kontakte ins Gewerkschafts- und Arbeitgeberlager. Er gehört der FDP an. Auf der bundespolitischen Bühne ist er bislang allerdings wenig bekannt. Dem BDA-Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner fällt die Aufgabe zu, Kramer als Präsidenten einzuarbeiten.

Obwohl Kramer beim Arbeitgeberverband intern seit mehreren Monaten als gesetzt gilt, kommt die Entscheidung für Außenstehende überraschend. Für die Hundt-Nachfolge war anfangs auch Gerhard Braun im Gespräch, der Präsident der rheinland-pfälzischen Unternehmerverbände. Braun sagte jedoch ab. Als Favorit galt lange Zeit der sauerländische Unternehmer Arndt Kirchhoff, geschäftsführender Gesellschafter des Automobilzulieferers Kirchhoff. Er leitet den gemeinsamen Mittelstandsausschuss von BDA und dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) und kennt damit beide Verbände von innen. Kirchhoff sagte, er begrüße die Entscheidung für Kramer. Anders als Kramer steht Kirchhoff für einen weltweit agierenden Mittelständler mit 11 000 Beschäftigten. Auch die Allgaier-Werke, die Hundt lange Zeit leitete, sind mit 2000 Beschäftigten sehr viel größer als der Betrieb des künftigen BDA-Präsidenten.

Dass Kirchhoff nicht zum Zuge kam, wird in Verbandskreisen mit der fehlenden tarifpolitischen Erfahrung begründet. Kirchhoff ließ offen, ob er zur Verfügung stand. Er wies darauf hin, dass für jeden Präsidenten eines Wirtschaftsverbandes das eigene Unternehmen vorgehe. Das Amt des BDA-Präsidenten gilt als zeitaufwendig. Der scheidende Arbeitgeberpräsident bezifferte den Aufwand auf ungefähr 30 Stunden in der Woche. „Die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, lässt wie in vielen Vereinen auch in der Wirtschaft nach“, sagte Kirchhoff. Er sei froh, dass die BDA mit Kramer einen guten Kandidaten gefunden habe.

Der neue Präsident wird gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit der Frage konfrontiert werden, wie die Wirtschaftsverbände zu einer schlagkräftigen Struktur finden. In der BDA hatte sich zuletzt die Geschäftsführung für ein Zusammengehen mit dem BDI ausgesprochen.

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