Arbeitgeberverband Südwestmetall strebt mit neuem Chef in die Offensive
Wechsel bei den Metallarbeitgebern: Peter Sebastian Krause löst Joachim Schulz im Südwestmetall-Vorsitz ab. Ein weiteres Amt kommt voraussichtlich noch hinzu.
Wechsel bei den Metallarbeitgebern: Peter Sebastian Krause löst Joachim Schulz im Südwestmetall-Vorsitz ab. Ein weiteres Amt kommt voraussichtlich noch hinzu.
Der Arbeitgeberverband Südwestmetall will sich – die nächste brisante Metalltarifrunde im Herbst fest im Blick – wieder etwas klarer und offensiver aufstellen. Dazu hat der frühere Rheinmetall-Manager Peter Sebastian Krause den bisherigen Vorsitzenden Joachim Schulz abgelöst.
Schulz wird in Kürze 70 Jahre alt. Er hatte den Vorsitz im Mai 2022 nach dem Abgang des früheren Daimler-Personalchefs Wilfried Porth übernommen und schon bei seiner Wiederwahl im Juni 2024 für dieses Jahr seinen Rückzug in Aussicht gestellt.
Allerdings hat er in den vier Jahren nach außen hin auch kaum Spuren hinterlassen. Insofern könnte der Verband mit Krause an der Spitze zumindest in den nächsten Jahren mehr Außenwirkung erzielen, zumal der 65-Jährige einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Tarifpolitik legen will. Dies bedeutet – selbst wenn dies noch nicht offiziell bestätigt wird –, dass er in der Tarifrunde auch die Verhandlungsführerschaft von Harald Marquardt, dem früheren Chef eines Familienunternehmens aus Rietheim-Weilheim, übernehmen dürfte.
„Wir müssen einen Rahmen schaffen, der die Unternehmen noch besser dabei unterstützt, die Transformation erfolgreich zu bewältigen“, lässt er sich zum Einstieg zitieren. „Der Erfolg der Tarifpolitik muss sich daran messen lassen, ob es gelingt, den Arbeitsplatzabbau zu bremsen und am Standort Deutschland wieder mehr zu investieren.“
Der Jurist Krause gilt – in der Unternehmenswelt eher eine Rarität – als sehr versierter Kenner der Tarifpolitik. „Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Metall- und Elektroindustrie bringt er zweifellos das nötige Rüstzeug mit, um in stürmischen Zeiten die Tarifpolitik zu gestalten“, lobt die IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch. Gerade jetzt sei eine stabile und verlässliche Sozialpartnerschaft wichtig. In der Tarifrunde „werden wir ganz genau hinschauen, wie ernst es Südwestmetall mit dem gemeinsamen Gestalten der Herausforderungen wirklich ist“, kündigt Resch an. Die Gewerkschaft stehe „kritisch, aber lösungsorientiert bereit“.
Ziel des Wechsels einige Monate vor der Mitgliederversammlung ist eine Kontinuität in der Tarifrunde. Diese beginnt zwar erst nach der Sommerpause – der Tarifvertrag läuft noch bis Ende Oktober, vom 1. November an sind Warnstreiks zulässig. Doch wird die IG Metall schon vor dem Sommer ihre Forderungsdiskussion anstoßen. In diese Phase hinein wollen die Arbeitgeber „nicht die Pferde wechseln“, wie es heißt. „Dann ist einfach Kontinuität gefragt, sodass einer während des ganzen Prozesses von A bis Z den Hut auf hat.“ Es ist womöglich auch eine Lehre aus der nicht ganz glücklichen Aufteilung von Vorsitz und Verhandlungsführung in den vergangenen beiden Tarifrunden.
Für den Verband geht es zudem um eine verbesserte Außendarstellung in der Aufteilung zwischen den beiden Strängen Südwestmetall und Unternehmer Baden-Württemberg. Insbesondere über die UBW läuft die allgemeine politische Kommunikation. Nachdem im Juli vorigen Jahres Thomas Bürkle das Präsidentenamt von Rainer Dulger übernommen hatte, entfiel bereits eine Selbstfesselung, weil Dulger zuvor wegen seiner prioritären Rolle als bundesweiter Arbeitgeberpräsident für die UBW kaum einsetzbar war. Bürkle hat angefangen, dieses Manko zu beheben. Im Zusammenspiel des Handwerkfachmanns mit dem Industrievertreter soll ein neuer Wind wehen.
Zum 1. Oktober 2024 hatte der damalige Arbeitsdirektor Krause sein Vorstandsmandat beim Rüstungskonzern Rheinmetall niedergelegt und sich in den Ruhestand verabschiedet. „Wir haben Zukunftsperspektiven wie kaum ein anderes Unternehmen in Deutschland“, lobte er seinen alten Arbeitgeber. „Auf die positive Wahrnehmung in der Bevölkerung und in der Politik haben wir lange gewartet.“
Krause gehört dem Vorstand von Südwestmetall seit 2010 an. Damals wurde er als Vorstandsmitglied der Kolbenschmidt Pierburg AG in Neckarsulm (heute Rheinmetall Automotive) in das Gremium gewählt. Seit 2022 ist er stellvertretender Vorsitzender. Heute hat er kein Amt mehr in einem Unternehmen, was aber nach Angaben eines Sprechers der Südwestmetallsatzung dem Vorsitz nicht entgegensteht. Auch Schulz konnte sich zuletzt ganz der Verbandsarbeit widmen.