Arbeitslose Lehrer in Baden-Württemberg Grüne gegen weitere Kettenverträge

Von Maria Wetzel 

Viele Vertretungslehrer müssen sich in den Sommerferien arbeitslos melden. Die Grünen wollen künftig unbefristete Verträge, aus Sicht der Kultusministerin ist das Problem damit nicht gelöst. Maria Wetzel

Für Schüler sind Sommerferien Spaß, für einen Teil der Lehrer bedeuten sie  Arbeitslosigkeit Foto: dpa
Für Schüler sind Sommerferien Spaß, für einen Teil der Lehrer bedeuten sie Arbeitslosigkeit Foto: dpa

Stuttgart - Die Grünen im Landtag wollen Kettenverträge für Vertretungslehrer abschaffen. „Wir brauchen transparente und nachvollziehbare Regeln zum Umgang mit Vertretungslehrkräften“, sagte Thekla Walker, finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, am Freitag in Stuttgart. Die Lehrer mit befristeten Verträgen müssten wissen, „wann sie welche Chancen und Sicherheiten haben, wenn sie als Vertretungslehrer aushelfen.“

Mit Beginn der Sommerferien sind in Südwesten rund 3300 Lehrer arbeitslos geworden. Viele von ihnen werden danach wieder gebraucht, um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen. In einem Schreiben an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatten Walker und die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sandra Boser, gefordert, zumindest die 650 Lehrer dauerhaft in den Schuldienst zu übernehmen, die die Voraussetzungen für eine Festanstellung erfüllen – also ihr Lehramtsstudium und das Referendariat erfolgreich abgeschlossen haben.

Lehrermangel auf dem Land

Kultusministerin Eisenmann hält von der Forderung wenig. Wer „räumlich flexibel“ sei, habe „ganz exzellente Einstellungschancen“, heißt es in ihrer Antwort an die Grünen-Politikerinnen. Im laufenden Einstellungsverfahren seien noch viele Stellen unbesetzt, vor allem an Grundschulen, Sonderschulen, Haupt- und Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen. Unter besonderem Bewerbermangel litten Tuttlingen, Waldshut, Konstanz, Lörrach, Schwarzwald-Baar, Heilbronn, Göppingen und der Kreis Hohenlohe. Da sich viele der noch unbesetzten Lehrerstellen „weit überwiegend im ländlichen Raum befinden und die Bewerber häufig genau jene Stellen nicht annehmen wollen, hilft Ihr Vorschlag, den befristet beim Land Baden-Württemberg beschäftigten „Erfüllern“ einen unbefristeten Vertrag anzubieten, leider nicht substanziell weiter“, ist Eisenmann überzeugt.

Mit dieser Antwort wollen sich die Grünen nicht zufrieden geben. „Es gibt zu viele Klagen von ausgebildeten Lehrern über ungewollte Befristungen“, sagte Walker. Deshalb müsse geklärt werden, „ob die Ursache dafür allein mangelnde Flexibilität der Pädagogen ist oder ob es dafür noch andere Gründe gibt“.

Elternzeit führt zu steigendem Bedarf

Betroffene und Lehrerverbände weisen die Kritik der Ministerin an mangelnder Flexibilität zurück. Auch Lehrer, die in ländlichen Regionen bleiben wollten, würden von Jahr zu Jahr mit Verträgen bis zu den Sommerferien abgespeist, kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Zahl der befristet Beschäftigten steigt seit Jahren, 2008 gab es 1216 Vertretungslehrer. Der Bedarf ist gestiegen, weil viele junge Lehrerinnen und Lehrer in Elternzeit gehen. Derzeit müssten 6000 bis 7000 der fast 120 000 Lehrkräfte im Südwesten dauerhaft vertreten werden, kritisierte GEW-Landeschefin Doro Moritz. „Der dringend notwendige Ausbau der ständigen Vertretungsreserve wurde jedoch 2013 von der ehemaligen Landesregierung gestoppt.“ In der ständigen Lehrerreserve gebe es nur 1666 Stellen. Auch werde es angesichts des Lehrermangels in vielen Bereichen immer schwieriger, „durch befristet Beschäftigte die Lücken zu stopfen“.