Arbeitslosigkeit Notruf aus der Beratungsstelle

Die  Rückkehr in den Beruf nach der Familienphase fällt vielen Frauen nicht leicht. Foto: dpa
Die Rückkehr in den Beruf nach der Familienphase fällt vielen Frauen nicht leicht. Foto: dpa

Frauen sind besonders oft von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Ein spezielles Beratungsangebot des Sozialdienstes katholischer Frauen hat zwei Jahre erfolgreich gearbeitet, doch nun droht das finanzielle Aus.

Lokales: Sybille Neth (sne)

Stuttgart - Die kostenlose Beratung für arbeitslose Frauen in besonderen Lebenslagen durch den Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) ist seit zwei Jahren ein Erfolgsmodell. Dennoch steht das unbürokratische Angebot auf der Kippe, denn die Anschubfinanzierung durch die Diözese Rottenburg für die ersten beiden Jahre ist ausgelaufen. In diesem Jahr finanziert der SKF das Angebot aus eigenen Mitteln. Weitergehen kann es nur mit einer Förderung durch die Stadt. Für den kommenden Doppelhaushalt beantragt der SKF deshalb 80 000 Euro pro Jahr für sein Frauenberatungszentrum, denn „es ist ein klassisches Angebot für eine öffentliche Finanzierung“, betont SKF-Geschäftsführerin Angela Riße.

Von den bisher 174 Frauen, die aus den verschiedensten Gründen sehr schwer in den ersten Arbeitsmarkt vermittelbar sind, fanden über ein Drittel einen Job, nachdem sie bei der Suche vom Beratungszentrum in der Heusteigstraße unterstützt worden waren. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, betont Riße. „Und das sind nur die Fälle, die wir kennen.“ Alle Frauen, die das Angebot des SKF wahrnehmen, kommen freiwillig und sind sehr motiviert, selbstständig einen Job zu finden. Etwa 75 Prozent haben ausländische Wurzeln. Häufig sind es Sprachprobleme, die einen Einstieg ins Berufsleben verhindern. In diesem Fall sorgt Eva Rothmund-Bofinger, die die Frauen berät, für einen Sprachkurs.

Viele haben ein Smartphone, aber keinen Computer

Aber auch private Probleme, wie eine gerade überstandene Trennung, die Angst davor, dass Familie und Berufstätigkeit nicht unter einen Hut gebracht werden können, mangelndes Selbstbewusstsein und gesundheitliche Probleme sind Faktoren, die es den arbeitssuchenden Frauen schwer machen, eine Beschäftigung zu finden. „Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz“, erklärt die Beraterin. „Wir betrachten die gesamte Problemlage, in der sich die Rat suchende Frau befindet, und wir stärken ihr Selbstwertgefühl. Sie soll lernen, sich etwas zuzutrauen“, berichtet die Leiterin der Abteilung offene Dienste beim SKF, Christa Reuschle-Grundmann. Die Beratung arbeitsloser Frauen ist mit einer Vielzahl weiterer Einrichtungen und Beratungsstellen vernetzt, um die Klientinnen fit zu machen für die erfolgreiche Jobsuche. Dies unterscheidet das SKF-Angebot von jenem des Vereins Berufliche Förderung von Frauen. Einmal in der Woche werden beim SKF gemeinsam Bewerbungen und Lebensläufe geschrieben und die Frauen können im Frauenberufszentrum am PC Jobangebote einsehen. „Viele haben dazu sonst keine Möglichkeit, weil sie zwar ein Smartphone, aber keinen Computer besitzen“, beobachtet die Beraterin.

Altersarmut wird zu einem Problem

Angela Riße weist mit Blick auf die Statistik des Jobcenters vom September 2014 darauf hin, dass in Stuttgart 5850 Frauen arbeitslos gemeldet sind, aber 14 822 leben in Haushaltsgemeinschaften, die Arbeitslosengeld II beziehen. „Sie sind nicht arbeitslos gemeldet, aber sie sind erwerbsfähig und könnten in den Arbeitsmarkt integriert werden“, rechnet die Geschäftsführerin vor. Die Statistik zeige außerdem , dass Frauen sehr viel häufiger langzeitarbeitslos sind. „Dabei kommt die Altersarmut von Frauen in den kommenden Jahren massiv auf uns zu“, sagt Riße. Nur durch eine frühzeitige berufliche Förderung seien diese gesellschaftlichen Folgekosten zu verhindern. „Es ist somit nachhaltiger, wenn die Stadt jetzt in die Finanzierung einsteigt, als wenn sie später Transferleistungen zahlen muss“, argumentiert Angela Riße.

Auch das Jobcenter schätzt das Beratungsangebot des SKF und schickt immer wieder Frauen in die Heusteigstraße. 2013 kamen insgesamt 80 Frauen zur Beratung, 2014 waren es 94 und in diesem Jahr sind es schon 34 gewesen. Die meisten Ratsuchenden sind zwischen 31 und 46 Jahren alt. Die Altersspanne reicht von 25 bis 56.




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