Der Kanzler macht es, der Ministerpräsident macht es – in hohem Alter traben sie schnaufend vorneweg und rufen dem Volk zu, ihrem Beispiel zu folgen: nämlich mehr und länger zu arbeiten. Zu mehr Motivation zu ermuntern, ist legitim. Die Lust auf Arbeit ist unterschiedlich verteilt, und es ist für Kolleginnen und Kollegen im Alltag nicht schön, wenn sie liegen bleibende Aufgaben anderer mitmachen müssen. Aber es macht die Deutschen noch nicht zu einer Spezies der Faulenzer.
Die hohe Teilzeitquote von Frauen ist ein Handicap
Es stimmt wohl: Statistisch betrachtet, wird hierzulande weniger gearbeitet als in den meisten anderen wirtschaftsstarken Nationen. Ein zentraler Grund liegt aber in der hohen Teilzeitquote. Gerade Frauen sind aufgrund der Sorgetätigkeiten daran gehindert, länger zu arbeiten. Um dies zu verändern, müsste man an ganz anderen Stellschrauben drehen.
Was lässt sich ansonsten tun? Pauschal mehr Wochenarbeitszeit zu verordnen, das geht angesichts der unzähligen Tarifverträge, in denen sie geregelt wird, logischerweise ohnehin nicht. Und einen Feiertag zu streichen, wäre allenfalls eine symbolhafte Aktion ohne großen ökonomischen Effekt. Zudem ist es politisch schwer durchsetzbar, weil Ländersache – oder will der Bund mit dem Tag der Deutschen Einheit anfangen?
Seit Langem wettern Politiker vom Schlage eines Friedrich Merz oder Winfried Kretschmann gegen die Viertagewoche. Demnach haben sie nicht mitbekommen, dass eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich als flächendeckende Lösung längst nicht mehr gefordert wird. Und wenn ein Betrieb die Viertagewoche einführen will, weil er sich davon mehr Attraktivität gerade für junge Bewerber erhofft, soll er dies machen – das Instrument generell in Grund und Boden zu reden, führt an der Realität vorbei.
Arbeitszeitflexibilität erhöht oft die Effizienz
Eine gute Lösung liegt in mehr Arbeitszeitflexibilität. Sie fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und sie erhöht oftmals die Effizienz. Auf der Prioritätenliste vieler Beschäftigter steht sie obenan. Dies alles spricht auch für das Vorhaben von Union und SPD, die tägliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. Freilich sind der Flexibilität vielfach (am Band etwa) enge Grenzen gesetzt, dort profitieren Beschäftigte nicht davon. Auch darf die Ausweitung von Diensten nicht in gesundheitsgefährdende Erschöpfung münden. So sinnvoll das Ziel erscheint, so muss in der Umsetzung doch genau hingeschaut werden.