Arbeitszeiten Griechenland legalisiert den 13-Stunden-Tag

Arbeitsministerin Niki Kerameos bei einer Bildungsmesse in Stuttgart. Foto: Torsten Schöll/Torsten Schöll

In Griechenland ist künftig die Sechs-Tage-Woche legal – bei 13 Stunden Arbeit am Tag. So sollen Schwarzarbeit und Mangel an Fachkräften bekämpft werden.

Weniger arbeiten fürs gleiche Geld: Das fordern Gewerkschaften in Deutschland. Griechenland geht den entgegengesetzten Weg. Arbeits- und Sozialministerin Niki Kerameos will im September dem Parlament ein neues Arbeitsgesetz vorlegen, das längere, aber zugleich flexiblerer Arbeitszeiten ermöglicht. Damit könnte das einstige Krisenland zum Vorbild für andere Länder in Europa werden.

 

Das Gesetz zielt vor allem auf die Tourismusbranche und die Gastronomie. In diesen Bereichen herrschen überall in Europa große Personalengpässe, weil viele Beschäftigte während der Lockdowns in der Pandemie in andere Berufe abgewandert und nicht in die Dienstleistungen zurückgekehrt sind.

In Griechenland können in diesem Sommer etwa 80 000 Stellen in den Hotels, Tavernen, Bars und Cafés nicht besetzt werden, weil die Arbeitskräfte dafür fehlen. Schon jetzt müssen deshalb viele Beschäftigte Überstunden machen, die oft gar nicht oder zumindest nicht angemessen bezahlt werden. Gleiches gilt für viele andere Branchen in Griechenland, die unter Fachkräftemangel leiden.

Das neue Gesetz definiert die Regeln für solche Mehrarbeit. Der Achtstundentag und die 40-Stunden-Woche bleiben die Norm. Wer neun statt acht Stunden am Tag arbeitet, bekommt einen Überstundenzuschlag von 30 Prozent. Die maximal zulässige Wochenarbeitszeit beträgt 48 Stunden. Sie wird allerdings im Durchschnitt übers Quartal berechnet. Das ermöglicht je nach Bedarf des Unternehmens mehr oder weniger Wochenstunden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können sich auf tägliche Arbeitszeiten von bis zu 13 Stunden verständigen.

Die Anzahl der Überstunden wird auf 150 im Jahr begrenzt

Überstunden, die über neun am Tag hinausgehen, werden mit einem Zuschlag von 40 Prozent vergütet. Die Anzahl der Überstunden wird allerdings auf 150 im Jahr begrenzt. Das bedeutet: Es darf im Jahr höchstens 37 solcher 13-Stunden-Tage geben. Den Arbeitnehmern stehen mindestens elf Stunden ununterbrochene Ruhezeit und einmal in der Woche 24 Stunden Freizeit am Stück zu.

Bereits im vergangenen Jahr legalisierte Griechenland die Sechstagewoche zu 48 Stunden, wovon acht als Überstunden bezahlt werden müssen. Das neue Gesetz sieht nun auch die Möglichkeit der Viertagewoche vor, allerdings anders, als sie in Deutschland diskutiert wird. Es bleibt bei der Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können sich darauf verständigen, diese Wochenarbeitszeit auf vier Tage von je zehn Stunden zu verteilen.

Damit will Arbeitsministerin Kerameos berufstätigen Eltern entgegenkommen, die statt fünf Tage zu acht Stunden lieber vier Tage zu zehn Stunden arbeiten, um einen zusätzlichen freien Tag mit der Familie zu gewinnen.

Die 46-jährige Harvard-Absolventin Kerameos spricht von einem „Gesetz, das aus der Praxis kommt“. Man habe viele Anregungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgegriffen. „Wir bauen Bürokratie ab, ersetzen Papierformulare durch digitale Dokumente und vereinfachen viele Verfahren, etwa für Fast-Track-Einstellungen von Saisonkräften“, sagt die Ministerin. So soll es künftig sogar möglich sein, über eine App auf dem Smartphone Beschäftigte für zwei Tage einzustellen, etwa als Vertretung.

„Das Gesetz stärkt die Rechte der Arbeitnehmer und gibt uns durch die Digitalisierung erweiterte Kontrollmöglichkeiten, um sicherzustellen, dass die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden“, sagt die Ministerin. Mit mehr Kontrollen und verschärften Strafen will sie außerdem die in Griechenland weit verbreitete Schwarzarbeit bekämpfen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Griechenland Arbeitszeit Tourismus