Archäologie im Strohgäu Das Geheimnis um „Müller-Zuffenhausen“ ist gelüftet

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Experten kannten den Entdecker der Fürstengrabhügel von Hemmingen nicht. Jetzt hat ein Heimatforscher aus Korntal Näheres verraten.

Winfried Schweikart hat viele Unterlagen von Wilhelm Müller.Wilhelm Müller im Jahr 1952 Foto: factum/Granville
Winfried Schweikart hat viele Unterlagen von Wilhelm Müller.Wilhelm Müller im Jahr 1952 Foto: factum/Granville

Korntal-Münchingen/Hemmingen - Den Wissenschaftlern und Archäologen war er kein Begriff. Nun aber ist das Geheimnis um „Müller-Zuffenhausen“ gelüftet. So hat der Hobbyarchäologe, der 1928 die Fürstengrabhügel in Hemmingen entdeckte, seine Berichte abgezeichnet. Auch diese Funde werden in der neuen Ausstellung im Keltenmuseum Hochdorf mit Hemminger Funden beschrieben. Der Korntaler Heimatforscher Winfried Schweikart hat jetzt verraten, wer „Müller-Zuffenhausen“ ist: Der Lehrer und Hobbyarchäologe Wilhelm Müller (1878 bis 1959), der in Zuffenhausen und Umgebung wirkte und später in Stuttgart-Bad Cannstatt lebte und starb.

50 Jahre lang ehrenamtlich gewirkt

Tiberius Bader ist perplex, als er von unserer Redaktion erfährt, dass „Müller-Zuffenhausen“ einen Vornamen und eine Vita hat, dass es Fotos von dem Mann gibt und sein Nachlass in guten Händen ist. Mehr als 50 Jahre lang hatte Wilhelm Müller in der Umgebung von Zuffenhausen bis weit nach Württemberg hinein geschaut, gesucht und beschrieben. Große Veröffentlichungen des Hobbyarchäologen gibt es aber kaum, sein Wissen hielt er in schwarzen Schulheften fest. In den alljährlichen „Fundberichten aus Schwaben“ tauchte sein Name öfter auf. Näheres über Müller wusste Tiberius Bader, der Kurator der Schau in Hochdorf, aber nicht.

Eine Generation später hat sich Winfried Schweikart um Müller gekümmert – den Mann, der 1928 erste ernstzunehmende Hinweise darauf gab, dass unter Hemminger Boden neben mehreren kleinen auch zwei größere Grabhügel der Kelten liegen – die schon wegen ihrer Ausmaße die Grabstellen von höher gestellten Persönlichkeiten des hier vor 2500 Jahren ansässigen Stamms sein müssen. Berühmte Archäologen wie der Landeskonservator Oscar Paret oder Jörg Biel, 1978 der Ausgräber des Fürstenhügels von Hochdorf war, oder der Kreisarchäologe Ingo Stork, haben sie später untersucht. Danach hat einer der Hügel einen Durchmesser von 45 bis 50 Meter, der andere einen von etwa 42 Meter. Der Hügel des Fürstengrabs von Hochdorf maß 60 Meter. Nach dessen Ausgrabung wurde der Hügel wieder aufgeschüttet und 400 Meter weiter das Keltenmuseum gebaut. Die Sonderausstellung zeigt noch nie ausgestellte Originalfunde aus Hemmingen.

Originale im Archiv

Der Zuffenhäuser Winfried Schweikart, der sich heute von Korntal aus im Heimatverein des Nachbarorts engagiert, verwaltet Kopien von Wilhelm Müllers Nachlass. „Die Originale sind in der Landesstelle für Volkskunde“, berichtet er. Viele der Niederschriften Müllers über dessen Sichtungen und Entdeckungen im Boden seien nie veröffentlicht worden, ausgenommen einige Artikel für die Zuffenhäuser Zeitung. Es gebe keine Aufzeichnungen über Müllers Beobachtungen im Strohgäu. Etliches müsse er aber doch weitergegeben haben, sonst würde sein Name nicht öfter in den Fundberichten aus Schwaben auftauchen. Dazu gehören die Hinweise von 1928 über die beiden Großgrabhügel von Hemmingen.

Für Werner Schmidt aus Ditzingen, den ehrenamtlich Beauftragten des Landesamts für Denkmalpflege, ist die Nachricht zu „Müller-Zuffenhausen“ keine Überraschung. „Wilhelm Müller müsste einem, der sich ein bisschen mit Archäologie auskennt, schon ein Begriff sein“, meint er.




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