Archäologie Waren Neandertaler am Werk?

Von Roland Knauer 

Einige Wandmalereien in spanischen Höhlen sind mit fast 41.000 Jahren älter als gedacht. Damals lebten noch die Neandertaler dort, so dass nicht ausgemacht ist, dass die Kunstwerke vom modernen Menschen stammen.

Am ältesten sind die roten Punkte im Halbkreis unten rechts. Foto: P. Saura 8 Bilder
Am ältesten sind die roten Punkte im Halbkreis unten rechts. Foto: P. Saura

Stuttgart - Mit modernen naturwissenschaftlichen Methoden bringen Alistair Pike von der Universität im englischen Bristol, João Zilhão von der Universität im spanischen Barcelona und ihre Kollegen Frühmenschenforscher weiter ins Grübeln. Diese gingen nämlich lange davon aus, dass die weltbekannten Malereien in etlichen Höhlen im Südwesten Frankreichs und Nordwesten Spaniens zwar uralt sind, aber sehr wahrscheinlich vom modernen Menschen Homo sapiens in der Steinzeit geschaffen wurden. Im Wissenschaftsmagazin „Science“ aber zeigen die Forscher jetzt, dass die Künstler in der El-Castillo-Höhle in der spanischen Region Kantabrien bereits vor mindestens 40.800 Jahren aktiv waren. Damit aber kommen als Höhlenmaler auch Neandertaler in Frage, die damals noch in dieser Region lebten.

Zwischen dem Gebirge Massif Central im Herzen des südlichen Frankreichs und dem verregneten Nordwesten Spaniens kennen Frühmenschenforscher weit mehr als hundert Felsen mit steinzeitlicher Kunst. Einige von ihnen wie die Altamira-Höhle in Kantabrien tragen den Titel eines Weltkulturerbes und wurden schon längst akribisch untersucht. Mangelware aber sind genaue Altersbestimmungen, für die Forscher gern eine Radiokohlenstoff-Datierung genannte Methode einsetzen. Diese funktioniert zwar gut, wenn die Steinzeitkünstler Kohlenstoff in Form von verkohltem Holz als schwarze Farbe für ihre Malerei verwendet haben. Doch das Analyseverfahren hat so manchen Nachteil.

Die übliche Methode versagt hier

Zum einen gibt es nur wenige Kohlezeichnungen, zum anderen können die Forscher normalerweise nur sehr kleine Proben nehmen, um das Kunstwerk nicht zu zerstören. Das aber macht die Messungen relativ ungenau. Darüber hinaus nahmen die Höhlenmaler oft Eisenoxide als rote und statt Kohle Manganverbindungen als schwarze Farbe.

Das älteste halbwegs zuverlässige Ergebnis mit dieser Datierungsmethode veröffentlichten US-amerikanische und europäische Forscher vor einigen Wochen für den Felsüberhang Abri Castanet in der Provinz Dordogne im Südwesten Frankreichs mit rund 37.000 Jahren. Es handelte sich um eine unvollendete Tierfigur. Spuren von Neandertalern sind aus dieser Zeit für diese Region nicht bekannt. Also deutet alles auf den modernen Menschen Homo sapiens als Steinzeitkünstler hin.