Archäologische Grabungen in Böblingen Schlossberg bleibt Baustelle
Seit einem halben Jahr sind die Archäologen mit den Grabungen auf dem Schlossberg in Böblingen fertig. Die Absperrungen stehen aber noch. Warum?
Seit einem halben Jahr sind die Archäologen mit den Grabungen auf dem Schlossberg in Böblingen fertig. Die Absperrungen stehen aber noch. Warum?
Seit dem Herbst 2024 sind die Grabungen auf der Südseite des ehemaligen Schlosses auf dem Böblinger Schlossberg abgeschlossen. Die Öffentlichkeit wurde über das Grabungsfeld geführt und im November wurden die bisherigen Ergebnisse dem Gemeinderat präsentiert. Seit die Grube und die Funde darin winterfest gemacht wurden, hat sich augenscheinlich nicht viel getan. Noch immer stehen Bauzäune und Container auf dem Gelände, das vor Beginn der Arbeiten als Parkplatz genutzt wurde. Die Zufahrt zu den Gebäuden auf dem Plateau ist über die Parkflächen auf der anderen Seite verschwenkt. Warum also ist die Baustelle noch nicht abgeräumt?
Der Zustand des Schlossbergs wundert nicht nur Passanten, Besucherinnen und Besucher des Marktplatzes oder Nutzende des Gemeindehauses Feste Burg – auch das Team der Stadtkirche zeigt sich verärgert. Die Hochzeitssaison habe begonnen. „Sollen die Bräute mit ihren schönen Kleidern durch den Matsch stapfen?“, fragt die Stadtkirchen-Pfarrerin Gerlinde Feine, die auch Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat ist. Sie habe sich mit ihrem Anliegen bereits mehrmals an die Stadt gewandt.
Nicht nur die Optik stört Pfarrerin Feine und Mesnerin Iris Rossner. Die Bauzäune verleiteten offenbar dazu, sich eine eigene Partyzone einzurichten. Entsprechend sei das Areal um die Stadtkirche regelmäßig stark vermüllt, was Mehrarbeit für die Mesnerin zur Folge habe. Feine erzählt ebenfalls, die Sängerinnen und Sänger der Böblinger Kantorei hätten vor ihrem Konzert am vergangenen Wochenende einige Elemente des Bauzauns wieder an ihre Plätze tragen müssen.
Die Stadt Böblingen sagt ihrerseits, der Schlossberg werde bis auf Weiteres eine Baustelle bleiben. Das Aufrechterhalten der Absperrungen sei nötig, um die bei den Ausgrabungen gefundenen historischen Fundstücke und Gemäuer zu schützen. Dazu gehört unter anderem der Gewölbekeller aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, den die Archäologen gefunden haben.
Die Ausgrabungen sind Grundlage einer möglichen Bebauung des Schlossbergs. Es gibt einen Grundsatzbeschluss des Böblinger Gemeinderats aus dem Jahr 2021, für die Kunst- und Musikschule auf dem Schlossberg ein neues Domizil zu bauen. Trotzdem: ob die Stadträte die Pläne im Lichte der historischen Funde weiter verfolgen, ist noch nicht klar.
Seit dem Beginn der archäologischen Untersuchungen Anfang 2024 hatte die Firma e&b excav unter anderem 16 Skelette aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, eine mehr als zweieinhalb Meter dicke Wehrmauer der Burg, aus der das Schloss entstanden war, und die Grabplatte eines Priesters aus dem Mittelalter entdeckt. Besonders die Skelette, die wohl nach christlichen Bräuchen bestattet wurden, hatten die Forscher überrascht. Sie waren viel älter als angenommen.
Noch ist erst der südliche Teil des im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbomben zerstörten Schlosses freigelegt und untersucht worden. Eigentlich war vorgesehen, auch auf dem nördlichen Baufeld zu graben. Doch dann hatte sich herausgestellt, dass das dafür eingeplante Budget von 850 000 Euro nur für den südlichen Teil reicht. Der Gemeinderat hatte daraufhin entschieden, das nördliche Baufeld vorerst unberührt zu lassen.
Was man wissen muss, steht bereits fest: Sollte der Gemeinderat im Sommer entscheiden, dass die Musik- und Kunstschule auf dem Schlossberg gebaut wird, wäre das statisch möglich. „Durch die archäologische Untersuchung wurde der ausgegrabene Bereich bebaubar gemacht und die Denkmalsubstanz kann als Teil der Böblinger Geschichte in die Vorplanungen für die eventuelle Neubebauung einbezogen werden, die derzeit laut Grundsatzbeschluss erarbeitet werden“, sagt Böblingens Stadtsprecher Gianluca Biela.
Was die Absperrungen und die Planen angeht, die werden noch eine Weile bleiben, so Biela. Der nächste Schritt sei die Sandsteinsanierung des Gewölbekellers, der Ringmauer im Keller und der Umfassungsmauern. Die sollen erhalten und dauerhaft zugänglich gemacht werden. „Die denkmalschutzrechtliche Genehmigung ist beantragt“, sagt Biela. Sobald die da ist, können die Arbeiten ausgeschrieben werden.
Aktuell plant die Böblinger Verwaltung noch mit dem Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 2021, also auf ein Musik- und Kunstschulgebäude hin. In die Vorplanungen dafür soll das Baudenkmal als Teil der Böblinger Geschichte einbezogen werden. Wie es insgesamt auf dem Schlossbergplateau weitergeht, damit werden sich die Stadträtinnen und Stadträte voraussichtlich im Sommer wieder befassen.
Damit die Baustelle bis dahin nicht so negativ ins Auge fällt, so der Vorschlag des Stadtkirchenteams, könne die Stadtgärtnerei doch ein paar Blumenkübel aufstellen. Stadtsprecher Biela bestätigt, man sei gerade in Abstimmungen darüber, wie das Schlossbergplateau in der Wartezeit bis zum Sanierungsstart ansprechend gestaltet werden könne.
Geschichte
1302 wurde erstmals urkundlich eine Burg erwähnt, die im 16. Jahrhundert zu einem Schloss erweitert wurde. In der Nacht auf den 8. Oktober 1943 zerstörten Bomben das Gebäude.
Grabungen
Die mögliche Bebauung wird kontrovers diskutiert. Hinzu kommen Kostensteigerungen, so stellte sich beispielsweise heraus, dass der bereits auf rund 850 000 Euro erhöhte Kostenrahmen nur für das südliche Baufeld reicht.