Archäologisches Museum in Renningen Museum soll sich Räume mit Schulbetrieb teilen

So großflächig ausgestellt wie zuletzt wird Stadtarchivar Stefan Maisch die Exponate im neukonzipierten Archäologischen Museum nicht vorfinden können. Foto: Simon Granville

Win-Win-Situation oder fauler Kompromiss? Da langfristig Klassenzimmer im Renninger Schulzentrum fehlen, soll das Archäologische Museum sich künftig in reduzierter Neukonzeption die Räume mit dem Schulbetrieb teilen.

Lange war es still um das Archäologische Museum in Renningen. Im Zuge der Schadstoffsanierung der Realschule musste das dort befindliche Museum 2023 seine Pforten schließen. Der Renninger Gemeinderat beschäftigte sich bereits im April 2024 mit der Zukunft des Museums und strebte eine umfassende Neukonzeption an. Für Stadtverwaltung und Gemeinderat stand und steht fest: das Museum soll auf keinen Fall dauerhaft stillgelegt werden. Denn durch viele Siedlungsfunde aus der Keltenzeit rund um Renningen kann das Museum die Geschichte der Stadt durch wertvolle Exponate anschaulich darstellen.

 

Gleichzeitig hat die Stadt Renningen aber auch einen Schulentwicklungsplan erstellt, der einen erheblichen Bedarf an neuen Schulräumen in den kommenden Jahren aufzeigt. Laut der im Frühjahr des vergangenen Jahres ermittelten Prognose fehlen im Schuljahr 2029/2030 schätzungsweise acht Klassenzimmer. Bis 2032 wird diese Zahl weiter auf 13 fehlende Räume steigen. „Das sind massive Zahlen, auf die wir vorbereitet sein müssen“, betont Marcello Lallo, Leiter des Fachbereichs Bürger und Recht.

Braucht das Schulzentrum einen teuren Neubau?

Ein möglicher Neubau im Schulzentrum könnte das Raumproblem lösen, würde einer ersten Grobschätzung zufolge aber bis zu 19 Millionen Euro kosten. Das wäre ein neues Großprojekt für die Stadt Renningen, die angesichts zu erwartender geringerer Einnahmen künftig finanziell auf Sicht zu fahren gedenkt. Da liegt es nahe, anlässlich der ohnehin geplanten Neukonzipierung des in der Realschule befindlichen Archäologischen Museums, darüber nachzudenken, ob die dortigen Räumlichkeiten nicht dem Schulbetrieb vorbehalten sein sollten. Oder aber ein Kompromiss gefunden werden kann.

Für die Zukunft des Archäologischen Museums kristallisierten sich schnell drei unterschiedliche Varianten heraus: Ein neuer Standort, ein dezentrales Museum oder die Beibehaltung des Standorts mit reduzierter Neukonzeption. Da kein geeigneter Alternativstandort gefunden werden konnte, hatte sich der erste Vorschlag schnell erledigt. Die Exponate dezentral, also an mehreren Orten innerhalb der Stadt auszustellen, hat zwar den Charme, dass man dadurch ein niedrigschwelliges Angebot schafft. Aber dem gegenüber stehen ein hoher Aufwand, möglicherweise zusätzliche Personalkosten und ungeklärte Versicherungsfragen. Die dritte Variante wurde schließlich von der Stadtverwaltung favorisiert, bei der die bisherigen Räume zu multifunktionalen Räumen umgebaut und somit auch Schulen zu Unterrichtszwecken zur Verfügung gestellt werden können.

Raum-in-Raum-Bereich für Schulnutzung

Die neue Ausstellung soll kompakter gestaltet sein und für eine ansprechende Präsentation der Exponate mit digitaler Begleitung sorgen. Im Zentrum wird sich ein Raum-im-Raum-Bereich befinden, der außerhalb der Öffnungszeiten des Museums beispielsweise als Fachraum Geschichte für den Schulbetrieb vollständig nutzbar ist. Für die Neukonzeption sollen 150 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Man setzt auf ehrenamtliche Mitarbeit und stellt die Schaffung eines Minijobs zur personellen Unterstützung in Aussicht.

Dieser Kompromiss stößt nicht bei jedem im Renninger Gemeinderat auf Anklang. In den Fraktionen wurde der Vorschlag in den vergangenen Wochen teils kontrovers diskutiert. „Das Archäologische Museum lag zehn Jahren im Dornröschenschlaf und keinen hat es gestört“, wundert sich Alfred Kauffmann von den Freien Wählern. Als Grundschullehrer in Rente kann er sich einen geregelten Unterricht in den Räumen des Museums nur schwer vorstellen: „Mir tun die Lehrer leid, die in diesem Raum Aufsicht halten müssen. Daher ist die Lösung für mich nicht akzeptabel.“ Auch Claudia Ebner (Frauen für Renningen) äußert Bedenken, ob ein multifunktionaler Raum für den Schulbetrieb einen tatsächlichen Mehrwert schaffe, wenn eine Dauerausstellung drumherum ist: „Wenn es um Flexibilität geht, wäre mit zwei Klassenzimmern doch viel mehr gewonnen.“

Unterstützung für den Vorschlag

Thomas Mauch (SPD) bewertet das anders: „Die Raum-in-Raum-Lösung ergänzt durch Digitales wird allem gerecht: der Schule, dem Bildungsauftrag, dem Archäologischem Museum als Standort, der Öffentlichkeit und berücksichtigt auch die finanziellen Rahmenbedingungen.“ Dr. Melanie Lederer von den Freien Wählern sieht in dem Kompromiss eine unterstützenswerte Lösung: „Man kann sich viel wünschen, aber nicht alles leisten. Um das Museum zu erhalten sind wir auf ehrenamtliches Engagement angewiesen.“

Auch Bürgermeisterin Melanie Hettmer macht sich stark für die Raum-im-Raum-Lösung und den Erhalt des Museums stark, betont aber auch: „Für mich ist ganz klar, dass der Schulraum, die Schule Vorrang hat.“ Mit drei Gegenstimmen wurde der Antrag zur künftigen Neugestaltung des Museums im Gemeinderat mehrheitlich angenommen. Nun wird eine Arbeitsgruppe Grundlagen herausarbeiten, damit die konzeptionelle Neuausrichtung umgesetzt werden kann. Denn 2027 soll das Museum in neuem Glanz das 50-jährige Bestehen – mit Unterbrechung – feiern können.

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