Architekten-Wettbewerb Keine Chance für das Ei des Kolumbus

Bürgermeisterin Eva Noller, Oberbürgermeister Roland Klenk und Stadträte präsentieren die zwei zweite Preisträger. Foto: Natalie Kanter
Bürgermeisterin Eva Noller, Oberbürgermeister Roland Klenk und Stadträte präsentieren die zwei zweite Preisträger. Foto: Natalie Kanter

Stadträte aus Leinfelden-Echterdingen haben in Sachen Filderhallen-Umbau ein gutes Bauchgefühl. Zwei Büros sollen eine Chance erhalten.

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Leinfelden - Stundenlang hat die Jury am Donnerstag getagt. 15 Entwürfe zum Umbau und zur Erweiterung der Filderhalle galt es zu bewerten. Die Köpfe heiß geredet haben sich die sieben Architekten und sechs Kommunalpolitiker dabei allerdings nicht. Es soll vielmehr sehr diszipliniert und reglementiert zugegangen sein. Sachliche Informationen und nicht Emotionen standen im Vordergrund, war von Seiten Beteiligter zu erfahren. Stadträte lauschten demnach nicht nur den Ausführungen der Fachleute. Die Mandatsträger durften ihre Einwände ins Spiel bringen.

Zwei Mal haben die Juroren einen Blick auf die Entwürfe geworfen. Bei einem ersten Durchgang wurden alle Modelle in drei bis vier Sätzen kurz erklärt. Beim zweiten ist man tiefer in die Materie eingestiegen. Einige Vorschläge wurden gleich aussortiert. Beispielsweise einen, der ein großes Vordach, aber wenig Größe im Inneren der Halle vorsah. Oder auch jenen, dem ein Stadtrat scherzhaft den Namen Ei des Kolumbus gab. Hier soll man sich in fünf Minuten einig gewesen sein, dass dieser Anbau nicht zur Formensprache der bestehenden Halle passe. Insgesamt stand die Jury „vor einer nicht so ganz einfachen Aufgabe“, wie Baubürgermeisterin Eva Noller am Freitag bei einer Pressekonferenz sagte.

Die Entwürfe der Büros HPP Hentrich-Petschnigg & Partner GmbH sowie h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH haben es in die Endrunde geschafft. „Diese Entwürfe haben überlebt“, sagte Wolfgang Haug, FDP-Stadtrat und Jurymitglied. Der Stadtrat beschrieb am Freitag das Spannungsfeld der Aufgabe. Einerseits solle möglichst viel des angrenzenden Parks erhalten bleiben, anderseits brauche die Filderhalle möglichst viel Funktionalität. Die Stadt müsse aber auch auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes achten. „Wir sind auf einer guten Spur“, sagte er. Allerdings müsse die Verwaltung nun schnell belastbare Kosten einholen.

Ähnliches hatte kurz zuvor Erich Klauser erklärt, der die SPD in der Wettbewerbsjury vertreten hatte. Er forderte die Verwaltungsspitze auf, die Verhandlungen zu nutzen, auch klare Aussagen zu den notwendigen Ausgaben einzuholen. Er sagte: „Die Kosten sollten beim Bau nicht davonlaufen.“ Das wäre dem Image der Filderhalle abträglich. Etwas Schlimmeres könne kaum passieren.

„Wir haben zwei leistungsfähige Büros gefunden“, sagte Stadtrat Bernd Stäbler bei der Pressekonferenz im Namen der CDU-Fraktion. Die Christdemokraten halten den Anbau an die Filderhalle für wichtig. Auch wenn man dafür sicherlich „einen großen Schluck aus der Pulle nehmen“ müsse. Will heißen: Die Stadt muss dafür wohl viel Geld in die Hand nehmen.

Die Jury hat also vorerst zwei zweite Preise verteilt. Gleich einem Büro die Goldmedaille umzuhängen, dazu konnten sich die Mitglieder nicht durchringen. „Weil kein ganz optimaler Entwurf dabei war“, sagte Grünen-Stadtrat Frank Mailänder auf Nachfrage. Aber diesen beiden Büros wolle man die Chancen geben, ihre Vorschläge zu verbessern.

„Ich bin von beiden Entwürfen begeistert“, erklärte Nils Jakoby, Geschäftsführer der Filderhalle. Auch wenn es bei beiden Nachbesserungsbedarf gebe.

Die Vorschläge haben jeder für sich seine Qualitäten, betonte Eva Noller. Der eine sei städtebaulich sehr überzeugend. Er drücke ganz klar aus: „Ich bin das Neue.“ Der andere bietet eine große Flexibilität bei der Nutzung der Räume. Ein großer Raum könne hierbei in bis zu acht Seminarräumen aufgeteilt werden, führte Jakoby aus. Oder eben auch nicht – dann biete er Platz für große Familienfeiern.

Dass sich die Jury noch nicht endgültig festgelegt hat, eröffnet der Stadt auch Chancen. „Wir müssen mit beiden Büros verhandeln“, sagte die Baubürgermeisterin. Die Verwaltungsspitze hofft, auf diesem Weg das beste Ergebnis für L.-E. erzielen zu können.

Allerdings kommt die Verwaltungsspitze nun verstärkt unter Zeitdruck. Der Grund: Gemeinderatswahlen stehen im Mai an. „Ich wünschte, das wäre anders“, sagte Oberbürgermeister Roland Klenk dazu. Und erklärte: „Ich habe schon gesagt, wir verlegen einfach die Wahl.“ Das freilich wird kaum möglich sein.




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