Architektur auf der Filderebene Warum auch zwei Schuppen einen Preis einheimsen

Von Caroline Holowiecki 

Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat 33 Gebäude ausgezeichnet. Vier davon liegen auf der Filderebene. Darunter auch ein ungewöhnliches Objekt: nämlich das Lagergebäude eines Sportvereins.

Dass ein Nutzbau nicht hässlich sein muss, beweist nach dem Geschmack der Jury das neue Sport-Infrastrukturgebäude des TSV Heumaden. Foto: Caroline Holowiecki
Dass ein Nutzbau nicht hässlich sein muss, beweist nach dem Geschmack der Jury das neue Sport-Infrastrukturgebäude des TSV Heumaden. Foto: Caroline Holowiecki

Filder - Insgesamt 130 Bauherren hatten etwas eingereicht, für 33 gab es letztlich einen Preis. Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat im Rahmen des Wettbewerbs „Beispielhaftes Bauen“ gelungene Lösungen prämiert, die seit 2015 entstanden sind. Ins Gewicht fielen die äußere Gestaltung und die Proportionen, aber auch die innere Raumbildung, die Zweckmäßigkeit, die Angemessenheit der Mittel und Materialien, der Umweltaspekt sowie die Harmonie mit dem Umfeld. Dabei sei es weniger um die Suche nach Vorbildern gegangen, „sondern mehr um das Auffinden von Beispielen zum Thema Architektur schafft Lebensqualität“, heißt es in den Kriterien.

Vier Gewinnerbauten liegen auf der Filderebene. „Wohnen am Probstsee für ambulant betreute Menschen mit Behinderung“ an der Balinger Straße in Möhringen ist ein Projekt der Lebenshilfe Stuttgart. Das Büro Balbach-Architekten hat 2018 in L-Form einen Ersatz für abgerissene Gebäude von 1989 geschaffen. Laut der Lebenshilfe-Sprecherin Eva Schackmann sind darin vier ambulant betreute Wohngruppen für je sechs Personen mit geistigen Behinderungen untergebracht. Im Neubau haben sie unter anderem mehr Platz und eigene Bäder – wie gesetzlich gefordert. Außerdem sei eine wohnliche Atmosphäre wichtig gewesen.

„Wir wollten ein Zuhause schaffen, das schön und warm ist“, sagt sie. Weitere ähnliche Gebäude entstehen aktuell nebenan. Kubatur, Fassade und Materialien haben die Jury überzeugt, außerdem füge sich der Komplex bestens in die Umgebung ein. „Vor allem: Das Haus schottet sich und seine Bewohner nicht ab, sondern zielt auf Austausch und Begegnung“, heißt es in der Begründung. So sehe gelungenes inklusives Bauen aus.

Für die Hochschule der Medien ist es schon der vierte Preis

Ebenfalls in Möhringen ist das zwei Jahre alte Bürogebäude der Firma Albert Kuhn. Gestaltet haben den Glasbau an der Breitwiesenstraße die Architekten Zaiser + Schwarz kurz vor dem 100. Geburtstag der Spezialfirma für Schmiertechnik, und zwar als Ersatz für ein abgerissenes Gebäude. Laut der Architektenkammer illustriert es „in bester Weise, wie zeitgemäßer Verwaltungsbau aussehen sollte. Präziser Baukörper, transparentes Volumen, klarer Grundriss, saubere Details: eine gebaute Unternehmensphilosophie“. Gunther Maier, der Enkel des Gründers und heutiger Chef, sagt, dass ihm klare Linien und Helligkeit wichtig gewesen seien, „der Zeit entsprechend“.

Bei den Studenten ist es nur „der Würfel“. Die Hochschule der Medien hat 2016 einen Sieben-Millionen-Euro-Erweiterungsbau an die Nobelstraße setzen lassen, und auch die Kreation von Simon Freie Architekten hat einen Preis eingeheimst. Von außen wirkt der graue Kubus spröde. „Das rigide Äußere steht in Kon­trast zum maximal flexiblen Inneren – Wände lassen sich an wechselnde Raumbedürfnisse anpassen“, teilt die Jury mit.

Kerstin Lauer, eine Sprecherin der Hochschule, erklärt, dass sich Lehrräume durch flexibles Mobiliar auch zur Konferenz- und Eventzone umbauen lassen. Durch große Fenster und Glaswände sei es hell. Außerdem finden sich auf vier Stockwerken ein Fotostudio, ein Weiterbildungszentrum und ein Newsroom. „Wir sind sehr stolz, es ist schon die vierte Auszeichnung“, sagt Kerstin Lauer. Zuvor hat das Haus den deutschen Hochschulpreis, den Architekturpreis Beton und die Hugo-Häring-Auszeichnung 2017 abgeräumt.

Sogar ein Infrastrukturgebäude, also ein Lager, wird ausgezeichnet

Dass ein Nutzbau nicht hässlich sein muss, beweist nach dem Geschmack der Jury das Sport-Infrastrukturgebäude des TSV Heumaden an der Kemnater Straße. Die zwei Schuppen, verbunden über eine Pergola, sind 2018 nach den Plänen des Büros Fischer Rüdenauer Architekten entstanden und beherbergen Bälle und Trikots, Pflegegeräte für den Kunstrasen und mehr, erklärt der Vorsitzende Matthias Schneider. „Durch die Holzlamellen wirkt es nicht wie ein Fremdkörper“, findet er, und auch die Architektenkammer bescheinigt dem Gebäude eine „exzeptionelle architektonische Qualität, von der nicht nur der Verein, sondern auch die Allgemeinheit profitiert“.

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