Architektur des Jahrzehnts Diese sieben Bauten werden bleiben

Von Ulla Hanselmann 

In unserer Kulturbilanz zeichnen wir die Trends der zu Ende gehenden Dekade nach. Was hat die Architektur seit 2010 beschäftigt? Wir zeigen die wichtigsten Bauten und fassen die entscheidenden Tendenzen zusammen.

Wohnen im Minimalmaß: Die zehner Jahre bringen als Reaktion auf die Wohnungsnot den Trend zum  „tiny house“ hervor. Unser Bild zeigt ein Modell des estnischen Architekturbüros Kodasema. Unsere Fotostrecke stellt sieben Bauten der Dekade vor, die Sie in Erinnerung behalten sollten. Foto: Kodasema 8 Bilder
Wohnen im Minimalmaß: Die zehner Jahre bringen als Reaktion auf die Wohnungsnot den Trend zum „tiny house“ hervor. Unser Bild zeigt ein Modell des estnischen Architekturbüros Kodasema. Unsere Fotostrecke stellt sieben Bauten der Dekade vor, die Sie in Erinnerung behalten sollten. Foto: Kodasema

Stuttgart - Noch nach dem Millenniumswechsel haben Renommierarchitekten wie Sir Norman Foster, Renzo Piano oder Frank Gehry mit von ihrer Handschrift geprägten spektakulären Bauten die Architekturszene geprägt – der Hype um sie ähnelte jenem, den man um Popstars macht. Doch in den 2010er Jahren ist die Aufmerksamkeit für sogenannte Signature Buildings gesunken. Ruhm, Glanz, Sensationen? In den vergangenen zehn Jahren ist die Baukultur vor allem mit Pleiten und Problem-Projekten in den Schlagzeilen: 2010 fällt der Startschuss für Stuttgart 21, der umstrittenste Bahnhofsumbau der Republik; die 2017 fertig gestellte Hamburger Elbphilharmonie definiert den Begriff Kostenexplosion neu, und der Flughafen Berlin-Brandenburg, von dem nach 15 Jahren Bauzeit immer noch keine Flieger starten, wird zum Synonym für Missmanagement bei Großbauprojekten.

Bauboom trifft auf Nachhaltigkeitsstreben

Gleichzeitig stehen Architekten vor immensen Herausforderungen. Mit an vorderster Stelle, neben der Verödung der Innenstädte: die Wohnungsnot. Innerstädtische Entwicklung lautet vielerorts die Lösung – als Erfolgsbeispiel gilt Hamburg, das seinem Freihafen ein Stadtquartier für 15 000 Menschen, abgerungen hat, die Hafen City. Eine Reaktion auf Wohnungsnot und Immobilienpreisspirale ist aber auch der Trend zum gemeinschaftlichen Bauen in Baugruppen, eine andere ist das „Tiny House“ – Wohnen im Minimalmaß.

Das Bauen und Unterhalten von Gebäuden verursacht 40 Prozent der globalen CO2-Emissionen – der Klimawandel stellt in den zehner Jahren jahrzehntelange Bau- und Planungsgewohnheiten in Frage; Bauboom und Nachhaltigkeitsbestreben treffen dabei konfliktreich aufeinander. Die Ökologie-Maxime gewinnt zwar immer mehr Anhänger, bleibt aber bislang beim Gros des Baugeschehens Utopie. Jenseits der zweifelhaften Dämm-Praxis beim Bestand stehen sich zwei Philosophien des klimafreundlichen Bauens gegenüber: High-Tech und Low-Tech.

Bibliotheken – Paläste der Wissensgesellschaft

„Smart buildings“, intelligente Gebäude, vernetzen sich mit der Umgebung wie auch mit ihren Nutzern und sparen so Energie, das mit selbstlernender Gebäudesteuerung ausgestattete Aktivhaus B10 des Stuttgarter Ingenieurs Werner Sobek etwa erzeugt das Doppelte seines Energiebedarfs selbst. Zudem steigern Roboter und digitalisierte Entwurfs- und Konstruktionsmethoden die Energieeffizienz. Der Retro-Trend hingegen entdeckt im Namen der Nachhaltigkeit natürliche Baumaterialien wie Holz und Lehm neu. Während inzwischen gar Hochhäuser aus Holz in den Himmel wachsen, gewinnt Lehm zögerlich an Terrain – der klimafreundlichste Baustoff überhaupt ist teuer. Immerhin: Stuttgarter Architekten bauten in Darmstadt Europas größtes Bürogebäude aus Lehm.

Bei den öffentlichen Bauten boomen die Bibliotheken; ein würdiges Beispiel der neuen Paläste der Wissensgesellschaft ist die 2011 eröffnete Stuttgarter Stadtbibliothek. Hochbetagte Kulturdenkmäler wie etwa Opernhäuser fit für die Zukunft zu machen, fordert zudem das Knowhow der Planer heraus.

Klicken sie sich durch unsere Bilderstrecke zu sieben Bauten, die dieses Jahrzehnt überdauern werden.




Unsere Empfehlung für Sie