Architektur-Event zur Gartenschau 16 weiße Unbekannte an den Remstalhängen

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Die Macher der Remstalgartenschau 2019 starten einen architektonischen Wettbewerb, 16 Bau- und Kunstobjekte oberhalb der Kommunen zu platzieren. Die Architekten aus ganz Deutschland wurden jetzt mit den Standorten konfrontiert.

Am Schorndorfer Grafenberg   erfährt  der Frankfurter Architekt Joachim Wendt (Mitte) den Standort seiner Station. Foto: Stoppel
Am Schorndorfer Grafenberg erfährt der Frankfurter Architekt Joachim Wendt (Mitte) den Standort seiner Station. Foto: Stoppel

Rems-Murr-Kreis - Gut zweieinhalb Jahre vor ihrer Eröffnung möchten sich die Macher der Remstalgartenschau mit einem Architekturprojekt einen Namen machen. Im Sitzungssaal des Schorndorfer Rathauses sind am Mittwoch die Vertreter von 16 Architekturbüros aus ganz Deutschland mit ihrer Aufgabe betraut worden. Sie sollen in den kommenden zwei Monaten Entwürfe für 16 Stationen an Standorten schaffen, die am Rande der jeweiligen Kommunen liegen. Ausgewählt wurden die Büros von der renommierten Architektin Jórunn Ragnarsdóttir, die Teilhaberin eines Stuttgarter Architekturbüros und Mitglied im Hochschulbeirat der Kunstakademie ist.

Welches Büro die Station für welche Kommune plant, hatte am Dienstagnachmittag das Los entschieden. Ragnarsdóttir sicherte den Architekten freie Hand bei der Gestaltung zu. Von „weißen Kapellen“, von denen zuerst die Rede war, sei man wieder abgekommen – aber die Farbe Weiß für die Stationen stehe weiterhin fest.

Kostenrahmen: 70 000 Euro je Station

Formal müsse das Objekt den Bauvorschriften entsprechen und den Charakter einer Schutzhütte haben, um von den Naturschutzbehörden genehmigt werden zu können. Man gehe davon aus, dass es damit keine Probleme gebe, so die Kuratorin. 70 000 Euro dürfe jede der Stationen kosten.

Allerdings hatte sich im Vorfeld herausgestellt, dass sich von den neun an der Gartenschau beteiligten Rems-Murr-Kommunen vier offenbar nicht sicher sind, wo sie ihre Station letztendlich platzieren. Fellbach, Kernen, Weinstadt und Winterbach, so vermeldete die Geschäftsstelle der Gartenschau, hätten „keine Auskunft freigegeben“. Offenbar liegen die Beschlüsse in diesen Kommunen nicht vor. Die zugelosten Architekten konnten sich am Mittwoch zwar ein Bild der Lokalitäten machen, die Öffentlichkeit blieb aber ausgeschlossen.

Der Schorndorfer Standort steht indes fest, der Architekt Joachim Wendt vom Frankfurter Büro Schneider und Schumacher schaute sich am Mittwoch die kleine Fläche an, die am östlichen Rand des Weinbaugebiets Grafenberg liegt und künftig über einen Wanderweg erschlossen werden soll. Der Reiz des Wettbewerbs liege für ihn darin, eine Station frei planen zu können, sagte Wendt in Anlehnung an einen Berufskollegen, der sich zuvor im Sitzungssaal ähnlich geäußert hatte. Man könne hinsichtlich der Stationen frei und mit wenig Zwängen planen. Dass die an dem Wettbewerb beteiligten Büros nun zwei Monate Zeit haben, um den Kommunen erste Entwürfe zu präsentieren, sei in der Branche üblich, sagt Wendt.

Ziel: „Überregionale Strahlkraft“

Einer seiner Kollegen wollte bei der Präsention des Projekts am Mittwoch wissen, was denn passiere, wenn sich die Kommunen und die zugelosten Architekten „miteinander verkeilten“, sprich: wenn es einen Dissens zwischen den Entscheidungsgremien und den Planern gebe – und welche Rolle dann die Kuratorin einnehme? „Wir gehen nicht davon aus, dass es Probleme geben wird“, sagte Jórunn Ragnarsdóttir. Man werde erst darüber sprechen, wenn dies tatsächlich eintrete.

Ansonsten startet der Wettbewerb mit hochgesteckten Zielen. Man wolle damit überregionale Strahlkraft erzeugen, so der Gartenschau-Geschäftsführer und Finanzbürgermeister Thorsten Englert. Es würden „besondere Orte und Blicke geschaffen“, sagte der Schorndorfer OB und Gartenschausprecher Matthias Klopfer. Thomas Kiwitt, der Planungsdirektor der Region, hob darauf ab, dass die Gartenschau den Landschaftspark Rems stärke und damit den Standort für internationale Arbeitskräfte attraktiv mache, „die Jugend der Welt“, wie er es formulierte.

Bei der Vorstellung des Gesamtkonzeptes machte der Stuttgarter Landschaftsarchitekt Christof Luz keinen Hehl daraus, woran es dem Remstal seiner Meinung nach fehlt. Attraktive Gewässerlandschaften gebe es „sehr wenige“. Wenn man sich auf normale Art durch das Tal bewege, sei der Fluss nicht sichtbar, mal sei er durch Leitplanken, mal durch Gebüsch verdeckt. Kennzeichnend für das Tal seien viele Verkehrsflächen und wenig ansprechende Bauten. „Dem städtebaulichen Bedarf begegnen Sie auf Schritt und Tritt“, so Luz.