Architektur in Asmara Die Stadt soll auf die Weltkulturerbeliste

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Für den Verlust strebt der Architekt jetzt einen Ausgleich an. Als Chef des „Asmara Kulturerbe Projekts“ will er erreichen, dass die Stadt in die Unesco-Liste der Weltkulturdenkmäler aufgenommen wird. Der europalastige Index habe neue afrikanische Einträge dringend nötig, findet Teklemariam, für ganz Afrika sind darauf so viele Kulturdenkmäler verzeichnet wie für Italien. Mit der Unesco-Liste sind zwar keine direkten Einkünfte verbunden. Doch der Reputationsgewinn werde sich irgendwann auf die Zahl der Besucher niederschlagen – und an Touristen ist inzwischen selbst der autoritären eritreischen Regierung gelegen.

In Teklemariams Vorzimmer sitzen drei Studenten und geben von Rechercheuren auf zahllosen Formularen gesammelte Daten in Computer ein. Auf diese Weise werden mehr als 4300 Gebäude aus dem historischen Kern der Stadt akribisch genau dokumentiert. Festgehalten wird sowohl das Alter und der Stil der Gebäude, wie auch ihr gegenwärtiger Zustand und die Identität ihrer Besitzer. Umbauten der Häuser sind nicht erlaubt, doch will ein Eigentümer sein Haus restaurieren, kann er mit dem Rat des Kulturerbe-Projektes und staatlicher Unterstützung rechnen. In seiner Struktur sei kein einziges der alten Gebäude gefährdet, sagt Teklemariam: „Als Baumeister sind die Italiener so gut wie ihr Ruf.“

Teil der eritreischen Kampagne, in die Unesco-Liste aufgenommen zu werden, war eine Wanderausstellung, die unter anderem auch schon in Deutschland und der Schweiz zu sehen war. Die meisten der Ausstellungsbesucher hätten sich erfreut und überrascht gezeigt, dass gerade in Afrika ein derartiges architektonisches Juwel zu finden sei, sagt Teklemariam. Doch manche hätten auch ihr völliges Unverständnis ausgedrückt, dass die Afrikaner ausgerechnet eine vom Faschistenführer Mussolini initiierte Stadt prämiert sehen wollen. Für einen derartigen Einwand hat der Architekt nun wiederum kein Verständnis: „Die Eritreer haben die Stadt doch längst zu ihrer eigenen gemacht“, sagt Teklemariam: „Und Rom wird auch nicht dem Erdboden gleichgemacht, nur weil seine Erbauer alles andere als Demokraten waren.“




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